Misstrauen

Klare Sonnenstrahlen blitzen portuberanzenähnlich durch den winzigen Schlitz der Schallosie™. Meine Augen mühen sich noch die Helligkeit zu akzeptieren. Doch langsam befreie ich mich aus meinem Kuschelgemach und starte in den Tag.

Mein Ausblick zeigt die Farbenpracht der ällmählich welkenden Blätter. Ich freue mich auf alles, was heute kommen wird. Vollgetankt mit Energie sauge ich die frische Luft in meine Lungen und pumpe den reinen Sauerstoff in jede einzelne Kapillare meines Körpers. Dabei sind meine Augen fest verschlossen und öffnen sich erst kurz danach für den Blick gen Himmel. Der Horizont ist grenzenlos.

Begegnungen werden wir immer haben. Mich erstaunt dabei immer wieder das Misstrauen, was Menschen gegenüber ihres Gleichen haben. Kein Wort, nur Blicke bestimmen dabei die Gedanken und das meist darauf folgende Urteil. Und damit bescheißen sie sich alle selbst: die Angst davor enttäuscht zu werden, dominiert alles Handeln. Warum hat man vor etwas Angst, was noch nicht eingetreten ist? Fühlt sich Misstrauen so gut an, dass man es mit sich herum tragen muss?

basic_ipWenn wir in die Natur gehen, dann schenkt sie uns ihre Schönheit. Dann ist da kein Misstrauen, dass wir sie eventuell zerstören. Da ist nur reine Liebe, die uns geschenkt wird. Die Natur misstraut auch nicht ihres Gleichen. Sie lebt in ihrem natürlichen Einklang mit sich und ihrer Umwelt. Sie lügt sich nicht an, spricht aber klare Worte, die jeder versteht.

Nur wir Menschen misstrauen, lügen und zerstören damit vieles, wenn nicht sogar alles. Ich hoffe mir noch lange meine Offenheit gegenüber der Natur, aber auch den Menschen, erhalten zu können, denn das ist ein schönes Gefühl, was ich ungern in meinem Herzen vergraben möchte.

Creative Commons License photo credit: MacAoda8

14 Comments

  • Tuesday, October 7, 2008 - 11:48 PM | Permalink

    Eine gewisse Portion Misstrauen muss man aber heute leider an den Tag legen um sich zB vor Gefahren zu wappnen – dies werde ich auch meinem Kind vermitteln, das zwar offen aber dennoch vorsichtig und misstrauisch allem Neuen gegenüber stehen soll -

  • Wednesday, October 8, 2008 - 12:23 AM | Permalink

    Chapeau FrauLehmann -

  • Heike
    Wednesday, October 8, 2008 - 12:30 AM | Permalink

    Es ist schön, sehr schön, wenn Du das kannst!! Lass es Dir nur niemals nehmen!
    Ich glaube, es ist biochemisch, dass wir, so wir schlechte Erfahrungen (was immer diese sein mögen) machen, PHYSISCH auch auf nur ähnliche Muster reagieren.
    Der Blindenhund meiner Oma wurde z.B. von seinem Trainer mit Stromschlägen gepeinigt. Der Trainer hatte einen schwarzen Bart. Wann immer Hasso nun einen Schwarzbärtigen sah, war er total verängstigt-
    Nun, zum Glück haben wir Menschen die Möglichkeit diese verkörperlichten Ängste zu überwinden. Doch das braucht lange Zeit und einen großen Willen! Also eine Bewusstheit über den falschen Feuermelder, die falsche Erkennung von Gefahren.

    Das Problem ist auch, dass, wenn der innere Feuermelder so oft klingelt und man sein Haus evakuiert, dann werden eventuell die Feuermelder noch sensibler eingestellt, weil ja so oft Gefahr lauert. Eine Spirale nach unten.
    Dann werden die mit Angst besetzten Muster schon vermutet, müssen gar nicht mehr real vorhanden sein. Das ist wohl Misstrauen!

    Man müsste das Alarmsignal überhören, nicht evakuieren und einfach weiter leben.
    Das ist nicht so leicht!
    Dennoch glaube ich fest daran, dass es möglich ist! Und so übe ich jeden Tag meine Feuermelder zu überhören, auch wenn mein ganzer Körper mir sagt: DAS IST EIN ERNSTFALL DU TÖLPEL!!!
    Und es bewegt sich etwas. Langsam, aber es wird. Und dieses Werden ist ein großer Teil meiner Freude! :)

  • Wednesday, October 8, 2008 - 8:06 AM | Permalink

    Schön beschrieben Frau Lehmann :-)
    Die Natur hat uns einiges voraus und obwohl man an Ihr sehen kann wie einfach wirkliches Leben funktioniert, orientieren wir uns lieber an unseren Ängsten und lassen unser Leben von ihnen bestimmen.
    Irgendwann besinnen wir uns sicher wieder auf das Wesentlich.
    Was dazu erst alles geschehen muss steht jedoch in den Sternen.

  • Wednesday, October 8, 2008 - 1:20 PM | Permalink

    @Heike – Deinen Vergleich mit dem Feuermelder finde ich sehr real. Alarmstufe Rot sozusagen. Ich wünsche dir, dass du weiterhin nicht sofort Rot siehst, sondern die anderen Farben des Lebens klar aufnimmst. Ein Teil des Lebensinhaltes ist es zu lernen und zu verstehen. :-)

    @Thomas – Ich denke, die Besinnung auf das Wesentliche hat bereits begonnen. Die Menschen lassen sich nicht mehr sagen, was sie denken sollen. Sie versuchen zu verstehen. Nehmen wir das Bild von ‘Terroristen’, was nie deutlicher war (seit Goerge W. Bush). Nicht jeder dunkelhäutige, bärtige Mensch ist ein potenzieller Attentäter und lässt sich auf die Liste des Noch-Präsidenten der USA setzen. Die Menschen besinnen sich auf Würde und Respekt eines jeden Lebewesens zurück. Das Massenmedium (zur Verdummung) wird aussterben und ersetzt werden durch alle Wahrheiten, die jetzt schon in zahlreichen kleinen Blogs publiziert werden.

  • Heike
    Wednesday, October 8, 2008 - 11:40 PM | Permalink

    @FrauLehmann vielen Dank für Deinen netten Wunsch!!! :)
    Da bin ich sicher, dass alle Farbe wieder kommt! Jeden Tag ein Stück.
    Lustig auch zu sehen, wie klar Dir das ist, was ich für eine große Erkenntnis hielt. Da kann man mal sehen, wie gefangen Menschen (in dem Fall auch ich) in ihrer gewohnten Sichtweise der Welt sind!
    Good Luck weiterhin!! :)

  • Thursday, October 9, 2008 - 12:10 AM | Permalink

    FrauLehmann, sehr schöne Gedanken haben Sie da niedergeschrieben.
    Ich wünschte manchmal, aus mir raus zu können – oder zurück zu können – und wieder so frei, herzig, zwanglos und offen sein zu können wie Sie. Behalten Sie diese Eigenschaft, sich nicht selbst im Weg zu stehen, so lange wie es nur möglich ist!

  • Thursday, October 9, 2008 - 12:35 AM | Permalink

    @daehaex – Ich möchte dir gern ein paar Zeilen schreiben: Die Zeit zurück drehen, hat, außer im Film, noch nie funktioniert. Daher empfinde ich es als unergiebig, diesen Wunsch zu haben. Das JETZT ist die Zeit, die IST. Wenn du in dich gehst, ganz tief in dir drin, was ist da? Misstrauen aus Mangel an was? ;-)

  • Thursday, October 9, 2008 - 8:54 PM | Permalink

    @FrauLehmann: Nicht Misstrauen aus Mangel, sondern Misstrauen aus Anhäufungen von schlechten Erfahrungen.

  • Thursday, October 9, 2008 - 9:37 PM | Permalink

    @daehaex – Die Basis für die Erfahrungen liegt auch in der Vergangenheit. Ich würde es positiv sehen: ‘Hey, ich habe diese Erfahrungen gemacht und dafür bin ich dankbar.’ So kann ich ohne Misstrauen nach vorne schauen. :-)

  • Thursday, October 9, 2008 - 9:48 PM | Permalink

    @FrauLehmann: Hach, wenn es doch nur so einfach wär…. ;)
    Aber im Großen und Ganzen bin ich zum Glück ein Optimist. :)

  • Thursday, October 9, 2008 - 9:49 PM | Permalink

    @daehaexJeder Schritt ist ein Schritt. :-)

  • Nathalie
    Friday, October 10, 2008 - 8:37 PM | Permalink

    liebe frau lehmann…

    misstrauen entehen aus erfahrungen…. ich hatte lange damit zu kämpfen… habe aber irgendwann beschlossen… jedem “neuen” menschen in meinem leben auch eine “neue” chance zu geben…. nicht immer leicht… aber ein guter anfang…

    liebe grüsse
    nathalie

  • Friday, October 10, 2008 - 10:30 PM | Permalink

    @Nathalie – Ein sehr guter Anfang, wie ich finde. :-)

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