Hallo Monster

In meinem Zimmer unter dem Bett befindet sich ein Monster. Immer wenn ich aufstehen will, kommt es mit seinen riesigen Pranken unter dem Lattenrost hervor und jagt mir üble Angst ein. Also beschließe ich liegen zu bleiben, denn dann kann mir das Monster nichts anhaben.

Doch irgendwann ist der Drang aufzustehen zu groß und ich steige langsam aus dem Bett, um das Monster nicht zu wecken. Doch es hört mich, springt unter meinem Bett hervor und erschreckt mich auf’s Übelste. Was tun? Meinen Weg gehen und mich nicht von dem Monster beeinflussen lassen? Oder lieber wieder zurück ins Bettchen kriechen, um keinen Kampf mit dem Monster zu führen?

Je mehr ich in meinem Bett darüber nachdenke, desto entschlossener werde ich dem Monster zu sagen, dass ich meinen Weg einfach gehen werde. Also nehme ich all meinen Mut zusammen, steige aus dem Bett, stehe dem Monster gegenüber und bemerke, dass es mir außer Drohgebärden nichts tun kann.

Jetzt danke ich dem Monster für seine warnenden Angstmacher und kann entspannt an ihm vorbei gehen, ohne mich oder meinen Weg weiter davon beeinflussen zu lassen.

7 Comments

  • Tuesday, May 25, 2010 - 12:27 AM | Permalink

    Schön geschrieben, Frau Lehmann, ich musste an meine Monster denken und wie ich mit ihnen umgehe. So richtig schlecht sind sie ja nicht, sie dürfen nur nicht zu mächtig werden. Bei einigen habe ich es auf die nette Art versucht: “Liebes Monster, sollen wir nicht erst einmal darüber reden, wir finden bestimmt einen Kompromiss!?” Das klappt manchmal, aber meine Erfahrung ist, dass man sich auf diese grausigen Gestalten einfach nicht verlassen kann, sie sind vergesslich und erinnern sich an nichts. Ehr im Gegenteil, sind sie geradezu undankbar und spielen sich größer auf als je zuvor. Manche wurden zahm, so wie du es beschrieben hast und manche sind noch da, ich weiß wo sie sind, aber ich meide sie, ich habe sie im Auge und es kommt der Tag an denen sie herausgefordert werden müssen, aber wie das nun mal so ist, man unterschätz sich so oft im Monsterkampf. Danke für die Gedanken

  • Tuesday, May 25, 2010 - 6:05 PM | Permalink

    @Martin Vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ich sehe das so: in der Ruhe liegt die Kraft und auch du wirst alle Monster zähmen können. Es braucht nur ein bisschen Übung und Geduld. Sage nicht: einige kann ich einfach nicht zähmen, dann machst du dir die Tür selbst zu. Selbst wenn du sie nicht zähmen kannst, du wirst mit ihnen leben können, sobald du sie akzeptieren kannst. Erwarte nix von ihnen, vor allem keine Dankbarkeit. Vermeidung ist übrigens eine Strategie, aber keine gute. Denn sie kommen eh wieder, ob du sie ignorierst oder nicht. Denn SIE bestimmten wann, wie und wo. Nicht du. Nimm sie einfach an, so wie sie sind. Kämpfe nicht mit ihnen, du wirst verlieren. Wenn du sie aber lernst zu akzeptieren, dann werden sie ALLE zahm werden. Das verspreche ich dir! Hoch und heilig!

  • Tuesday, May 25, 2010 - 11:13 PM | Permalink

    Kluge Worte – auch im Kommentar. Akzeptanz ist oft sinnvoller als die Vermeidungstaktik – in so vielen Dingen des Lebens.

  • Friday, May 28, 2010 - 6:09 PM | Permalink

    @Frau Lehmann, danke fuer deine Antwort und Anregungen, ich denke eher so:
    Es gibt Monster die werden erst zu einer bestimmten Phase im Leben sichtbar. Man konnte sie “Tarnmonster” nennen. Sie sind da, bestimmen mein Leben ohne, dass ich sie je gesehen habe. Gefuehlt ja, doch begriffen nicht. Etwas so bedrohlich unheimliches wird vermieden ohne eine Wahl zu haben, bis man reif, stark und erfahren genug ist, sie ueberhaubt zu sehen,
    Dann… stimme ich dir sehr zu , dass die Zeit des aktzeptieres kommt und man einen langen Atem braucht, bei dem man, schoen freundlich zu sich selbst, vorsichtig ist, IHNEN nicht aus dem Weg zu gehen, lernt sie zu akzeptieren.
    Ich fragte mich nur, reicht das! Ich empfinde es anders, ich denke es bedarf eines Kampfes, sozusagen :”So, Monster siehst du das, ich schaue dir in die Augen, du machst mir noch ein wenig Angst, aber gleich ist es vorbei, weil ich weiss, dass du nur Produkt meiner langen Geschichte des Vermeidens bist und liebes Monsterlein, dass machen wir jetzt so lange, bis mir dein Grusel- zauber, nur noch ein schmunzeln entlockt.” ( so liefe es optimal, gelingt bestimmt nicht immer).

    Kann sein, dass ich da einen Denkfehker mache, aber die blosse Aktzeptanz hat fuer mich eine zu geringe motivierende Perspektive, bin ich es nicht, der darueber entscheiden sollte und will, wieviel Macht und Praesents ein Monster bekommt,was ich zum Teil selber erschaffte. Dazu gehoert auch, es aktiv zu bekaempfen.

  • Saturday, May 29, 2010 - 2:50 PM | Permalink

    @Textaroma Das sehe ich auch so für mein Leben.

    @Martin Ich sehe es auch so, dass in einer bestimmten Phase des Leben bestimme Monster erst zum Vorschein kommen. Das Problem bei mir mit dem Kampf ist, dass ein fight immer Kraft kostet und in einem Krieg gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer. Zu selten sitzen beide am Ende mit einer Friedenspfeife in der Hand. Deswegen habe ich mich für die Taktik der Akzeptanz entschieden. Meine Motivation ist auch nicht immer hoch und teilweise verfalle ich auch zurück in alte Muster – eben die Kämpfe. Doch irgendwann kam der Punkt, da war meine Kraft am Ende und ich wollte und konnte nicht mehr kämpfen. Das Fass war sozusagen übergelaufen und jegliche Motivation hinfällig mich in einen weiteren Streit zu begeben. Mein Leben erscheint jetzt so viel angenehmer und leichter, weil ich mich mit meinen Monster arrangiert habe und sie einfach da sein lasse, weil ich sie eben akzeptiert habe. Das alles hat nicht von heute auf morgen geklappt und ich musste meinen Ehrgeiz soweit zu kommen oft zügeln. Viele Menschen und Literatur haben mir dabei geholfen an dem Punkt zu sein, wo ich mich jetzt stehen sehe. Wenn du magst, gebe ich dir gerne einen literarischen Tipp auf deine E-Mail Adresse. :-)

    Jeder geht seinen Weg, den Weg, der für jeden am besten erscheint. Es gibt nicht richtig und nicht falsch, das wollte ich noch sagen. :-)

  • Tuesday, June 1, 2010 - 5:49 PM | Permalink

    @Frau Lehmann, du hast voellig recht, dass jeder seinen Weg finden muss und sehr wahrscheinlich wechselt dieser auch oefter.
    Ich bin gerade in einer Phase in der ich, ein wenig Kampf mit meinen eigenen Monster fuer wichtig halte, ja fast fuer notwendig.

    Ich wollte natuerlich niemanden bekehren, eher danke ich fuer deine Offenheit und ich denke, dass man solche Fragen selten ohne einen Austausch fuer sich ueberpruefen oder erschliessen kann. Schoen ueber jemanden gestolpert zu sein, mit dem so etwas geht.

    gerne haette ich Literatur. Vielleicht habe ich ja auch was fuer dich.

  • Tuesday, June 1, 2010 - 11:06 PM | Permalink

    @Martin Schön, dass du deine Monster wahr nimmst und die Chance nutzt ihnen zuzuhören. Du hast, glaube ich, niemanden bekehrt. Eher regst du mit deinem Denken und Handeln zum Nachdenken an. Gerne tausche ich mich darüber aus und freue mich, dass du das ebenfalls möchtest. Ich schicke dir eine Mail mit meiner Empfehlung was Literatur angeht. Ich freue mich auf deine Antwort. :-)

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