In der Mitte

Auf einem Feld, in seiner Mitte, trafen sich zwei Männer. “Was machst du da”, fragte der eine Mann. “Ich mähe das Gras”, antwortete der andere Mann, während er mit seiner Sense gleichmäßig durch die langen Grashalme fuhr. “Wird dir dabei nicht langweilig”, fragte der andere Mann verdutzt. “Nein”, antwortete der Mann mit der Sense. “Ich mache das Tag für Tag.” “Und was machst du mit all dem Gras, das du gemäht hast”, wollte der Mann neugierig wissen. “Ich gebe es meinen Tieren zu fressen. Und manchmal, wenn etwas Gras übrig ist, verkaufe ich es auf dem Markt.” “Und davon kannst du leben?” “Wie du siehst: ich lebe.” Der Mann, der aus der Stadt kam, wollte mehr wissen und fuhr mit seinen Fragen fort: “Aber warum kaufst du kein Gras in der Stadt für deine Tiere? Du würdest viel Zeit sparen und könntest dir ein Hobby zulegen.” “Warum sollte ich Zeit sparen?” Der Mann legte seine Sense nieder und setzte sich auf einen Vorsprung. Mit einem alten Klappmesser begann er genüsslich einen Apfel zu schälen.  “Sieh”, sprach der Mann und bot seinem Gegenüber ein Stück Apfel an. “Ich habe eine Verantwortung. Ich muss meine Tiere füttern, damit sie mir Milch geben. Daraus stelle ich Butter und Käse her. Nur so kann ich überleben. Das ist der Kreislauf meines Lebens.” “Ich habe auch Verantwortung”, brachte der andere Mann entschlossen entgegen. “Mein Fußballverein braucht mich jedes Wochenende!” “Wenn du das so für dich entschieden hast, dann gehört es zu deinem Leben.” “Und mein Chef könnte auch nicht ohne mich leben.” “Auch das ist deine Entscheidung”, erwiderte der Mann, den Apfel kauend, in all seiner Neutralität. “Warum sitzt du dann noch auf meinem Feld, wenn du woanders dringender gebraucht wirst”, wollte der Mann vom Feld wissen. Zögernd kamen die Worte über die Lippen: “Ich weiß es nicht.”

Auf einem Feld, in seiner Mitte, saßen zwei Männer.

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