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Alltagswahn Lebensmüde

Tagspagat

Sorgfältig verschnürt steht er da. Der Hausmüll. Gepackt in einer freien Sekunde, von denen so wenige existieren. Da klingelt auch schon das Telefon. Der nächste Termin kündigt sich an. Den Wintermantel griffbereit zur Hand, fischen die Finger suchend nach dem Autoschlüssel in der Tasche. Auf die Plätze fertig los Richtung Autobahn. Die nervige Motorkontrollleuchte erinnert an den Werkstatttermin, der schon längst überfällig ist. Morgen ist auch noch ein Tag. Zwischen Dortmund und Köln leistet eine halbe Schachtel Kippen dem Aschenbecher Gesellschaft. Der kurze Stop wird zum Auftanken von Energy-Drinks genutzt. Prasselnder Regen auf der halbdunklen Rückfahrt. Ob ich meinen Einkauf noch vor Ladenschluss erledigt bekomme? Bepackt wie ein Weihnachtsmann geht es in den vierten Stock. Die nasse Wäsche unter den Arm geklemmt. Da heißt mich auch schon der Hausmüll von heute morgen willkommen.

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Das große Fressen

Der folgende Beitrag ist vollgestopft mit unzähligen Kalorien. Daher sei Lesern mit Übergewicht und mit schneller Gewichtszunahme davon wärmstens abzuraten.

Heilig Abend. Er beginnt bereits früh morgens mit einem üppigen Frühstück: Lachs, der in Butter und Meerrettich ertrinkt, Wurstsorten, die der Kühlschrank über das ganze Jahr verteilt nicht zu Gesicht bekommen hat und Marmelade in allen Farben. Zwei Stunden später, die 20 Kippen machten den Frühstücksklumpen im Bauch auch nicht verdaulicher, ist der Braten an der Reihe: Ente, Ente, Ente. Zwar ist das Teil viel zu groß für eine vierköpfige Familie, aber er verliert dennoch unbeschreiblich schnell sein Fleisch von den Knochen. Dazu Rotkohl mit Riesenklößen. Und natürlich Sauce á la Gibmirreichlich. Da anschließend keiner in der Lage ist die Teller in die Spülmaschine zu räumen, kommen einfach neue auf den Tisch. Gefüllt mit Kuchen und Plätzchen. Oder Plätzchen und Kuchen? Auf jeden Fall mit Sahne on top. Getreu dem Motto: Klotzen, nicht kleckern.

Der erste Weihnachtsfeiertag. Und erneut ist das reichhaltige Fressen das oberste Tagesziel. Da der Magen inzwischen die Größe eines Baggersees angenommen hat, passen die drei Croissants mit Gänseleberpastete, das Rührei und die 250g Nutella ganz vorzüglich in den morgendlichen Bauch. Nur der abschließende Espresso trohnt mit fehlender Bedeutung auf dem gefressenem Brei. Doch ho ho ho, schon liegt der Duft eines gefüllten Kaninchens in der Luft. Rund 30 Minuten später ist auch davon nichts mehr übrig. Dem Kuchen und den Plätzchen ergeht es an diesem Tag weniger später übrigens genau so wie dem Braten.

Der letzte Tag. Gleich ist es geschafft. Nur noch ein Frühstück, ein Braten und eine Kuchenbombe. Dann kann Rennie den Magen aufräumen, die Toilette den Rest gleich hinterher und der Lattenrost freut sich, dass er endlich mal richtig was zu tun hat. Also rein mit den fünf Brötchen, weiter im Takt mit den Gänsekeulen und zum krönenden Abschluss das wirklich allerletzte Stück Nusstorte für dieses Jahr. Fertig. Genau genommen fix und fertig wartet man nun auf Silvester, wo die guten Vorsätze von Diät & Co. eh wieder versprochen werden im nächsten Jahr gebrochen zu werden. Na dann noch guten Appetit. :-)

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Frühlingserwachen aus der Isolation

Wenn man, aus welchen Gründen auch immer, der völligen Isolation in seinen eigenen 4 Wänden ausgesetzt ist, dann sind folgende Situationen wie der Frühling:

• hastiges Menschentreiben auf den Straßen,
• in der Kälte frierende und triefende Bauarbeiternasen,
• überparfümierte Teenager,
• die frische Luft am grauen Himmel,
• lustige Menschen, die mit dem iPad telefonieren und sich E-Zigaretten ins Gesicht stecken,
• Trude und Hildegard beim Resume ihrer Weihnachtseinkäufe,
• Menschen, die trotz Begleitung nur auf ihrem Handy umhertippen,
• die Vorfreude der Angestellten auf die bevorstehende, arbeitsfreie Weihnachtszeit,
• die vollgepackten Einkaufstaschen, die Neugier hervorrufen,
• die hell erleuchteten Fenster nach Einbruch der Dunkelheit,
• die Stille, wenn man die Wohnungstür wieder hinter sich schließt.

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Lebensresume

Ich fasse mal kurz zusammen:

   4 Jahre Grundschule
+ 9 Jahre Gymnasium
+ 3 Jahre Universität
+ 1 Jahr Privatschule

= 17 Jahre Schulbank

Summa summarum heißt das, dass ich von meinen 27 Jahren auf dieser Erde 17 mit Lernen verbracht habe, 6 meiner Kindheit gehören, 1 Jahr auf das Auslandskonto geht und die übrigen 3 Jahr unter sonstigem Blödsinnsquatsch verbucht werden. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber diese Rechnung finde ich krass. Wie sieht es denn bei euch aus?

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Entdeckt: Feist

Feist from Black Cab Sessions on Vimeo. (Die Black Cab Sessions sind übrigens generell sehr sehenswert.)

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Wie Pete die Werte des Lebens erkannte

Als Pete ein Kind war, lernte er bereits sehr früh “bitte” und “danke” zu sagen. Damit wurde ihm die Höflichkeit als Wert mit in sein Leben gegeben. Im Kindergarten und in der Schule bastelten die Jungen und Mädchen oft und bekamen dafür Hausaufgaben auf. Hatte Pete diese vergessen, litt so manche Gruppenarbeit und er nahm einen Tadel mit nach Hause. Auf diese Weise lernte Pete, was es heißt, zuverlässig zu sein. Einmal saß Pete auf dem Rücksicht im Wagen seiner Mutter, die als Erste an einem schlimmen Unfall vorbei kam. Sie leistete sofort erste Hilfe und rief einen Krankenwagen, so lernte Pete, was Hilfsbereitschaft bedeutet. Später prügelte sich Pete oft mit den Jungen aus seiner Klasse. Mal teilte er dabei mehr aus und mal bekam er ordentlich eine gewischt. Was dabei hängen blieb, waren Toleranz und Respekt gegenüber den anderen. In der Pubertät verliebte sich Pete in ein Mädchen und wurde, man ahnt es schon, auch wieder verlassen. Seit diesem Tag wusste Pete, dass Freundschaft etwas sehr wichtiges im Leben ist. Als Pete zunehmend erwachsener wurde, musste er feststellen, dass Geld für viele Menschen sehr wichtig ist. Er erlebte, wie Freundschaften deswegen zerbrachen und viel Zank und Streit ausbrach. Auch in den Nachrichten konnte Pete zunehmend verfolgen, dass Geld die Welt regierte. Und er erkannte für sich, dass Geld sein Leben nicht bestimmen soll. Später bewarb Pete sich in einer Bank. Leider wurde er von vielen Chefs abgelehnt und so beschloss er zu lernen, um durch Fleiß an sein Ziel zu kommen. Ohne dem funktionierte in der Gesellschaft, in der Pete lebte, kaum etwas und so war ein weiterer Wert in seinem Leben verankert. Mittlerweile stand Pete mit beiden Beinen fest im Leben und er schaute sich all seine Werte an. Traurig stellte er fest, dass all seine Werte nur durch schlechte Erfahrung entstanden sind:

Als Kind wurde er ausgeschimpft, wenn er nicht höflich war.

War Pete in der Schule unzuverlässig, bekam er dafür schlechte Noten.

Es musste erst ein Unfall passieren, bevor Menschen geholfen wurde.

Tritte und Schläge waren der Lohn für Toleranz und Respekt.

Seine Freunde lernte Pete erst im Liebeskummer richtig schätzen.

Geld zerstörte mehr, als es zusammenbringen konnte.

Ohne Lernen und Fleiß bekam Pete keine Arbeit.

Am Ende des Tages fragte sich Pete, welchen seiner Werte er nur auf eine schöne Art und Weise kennengelernt hatte. Es war nur die Liebe, die ihm durchweg Positives brachte.

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Buchtipp: Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

 

Ich möchte noch einmal ausführlich über meine neueste Bucherrungenschaft berichten. Es handelt sich um ein kleines, gebundenes Goldsstück von 193 Seiten. Der Name: “Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna”. Der Autor heißt schlicht und einfach Fynn und hat dieses zauberhafte Meisterwerk 1974 in Englisch geschrieben. Der Bestseller ist mittlerweile in vielen Sprachen erhältlich (natürlich auch auf Deutsch).

Die Geschichte handelt von einem 5-jährigen Mädchen, das vor der Gewalt in ihrem zu Hause flieht und in die Arme von Fynn läuft. Dieser nimmt sie mit seinen 19 Jahren bei sich, seiner Mutter und seinen Geschwistern zu Hause auf. Fortan verändert sich sein Leben derart, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Und zwar zum Positiven. Denn die kleine Anna scheint in ihrer Art und mit ihrer Denkweise ein kleiner Engel zu sein. Anna denkt über alles und jeden nach und bezieht sich dabei in ihrer wundervoll kindlichen Art immer wieder auf ihren Glauben an Gott. Mister Gott halt. Das Buch nimmt leider kein Happy End, denn die kleine Anna stirbt bei einem Unfall. Doch selbst der Tod ist für sie nichts Schlimmes, denn: “Tod sein ist Ausruhen. Da kannst du zurückschauen und alles in Ordnung bringen, bevor zu weitergehst.” (Keine Angst, dieses Buch ist nicht für religiöse Menschen, sondern für alle gedacht.)

Übrigens: Darauf gestoßen bin ich am Duisburger Hauptbahnhof, als ich mir die Wartezeit auf meinen Schulexpress nach Köln in der Buchhandlung Grauert vertrieb. Das Regal gegenüber der Kasse zog mich quasi magisch an mit seinen kleinen Schätzen. Als nächstes habe ich mir schon diesen hier bestellt.

Falls ihr mögt, die Fischer TaschenBibliothek hat so einige Entdeckungen auf Lager! :-)

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Das Gute am Hosenboden

Eigentlich wollte sie in der ersten Reihe sitzen zum Schulanfang. Es wurde dann doch die zweite Reihe. Gespannt wie ein Flitzebogen fieberte sie dem neuen Lehrer entgegen. Ist es ein Mann oder eine Frau? Aus dem Business oder ganz neu in der Materie? Erste Begeisterung machte sich breit, als eine zierliche Frau zur Tür hinein trat. Schon bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass Menschen völliger unterschiedlicher Richtungen und Interessen aufeinander trafen. Die Sache schien vielversprechend und spannend zu werden. Wie ein Schwamm sog sie den ersten Austausch auf. Bei den darauf folgenden Aufgaben war sie zwar nervös, aber dennoch zuversichtlich. Und sie fühlte sich gut. So gut, wie sie sich schon lange nicht mehr fühlte, wenn es ums Lernen ging. Zuletzt völlig verzweifelt in ihrem Studium, schien die Ausbildung jetzt genau das Richtige zu sein. Endlich etwas, was sie erfüllte. Endlich etwas, was ihr Spaß bereitete. Natürlich ging auch hier nichts ohne Fleiß. Aber der Schweiß hier war ein völlig anderer, als der während der drei Universitätsjahre. Gelassener, spannender und auch selbstsicherer. Vielleicht die Aufgabe ihres jungen Lebens. Und dafür lohnt es sich einmal kräftig auf den Hosenboden zu setzen.

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Heike, 45, alleinstehend

Mit leicht eingezogenem Bauch steht Heike in der Masse der allmorgendlichen Zugpendler. Sie hat, wie fast jeden Tag, keinen Sitzplatz bekommen. Sie müsste einfach nur ein bisschen früher ihre Wohnung verlassen, dann würde es auch mit der Sitzgelegenheit klappen.

Heike ist 45 und alleinstehend. Und sie legt viel Wert auf ihr Äußeres. Morgens braucht sie eine dreiviertel Stunde im Badezimmer, bevor sie ihren Arbeitsweg ins Büro antritt. Als Sekretärin in einer Baufirma arbeitet sie schon 11 Jahre. Sie kennt den Männerberuf und hat über die Jahre einige Bekanntschaften an Land gezogen. Heute ist Heike alleine. Obwohl sie sich wirklich viel Mühe gibt nett auszusehen.

Das Kleid, was Heike heute seit langer Zeit mal wieder aus dem Schrank gekramt hat, ist zwar etwas eng, aber sie mag die Farben. Und bei 16 Grad Außentemperatur ist ein knielanges Kleid für Heike kein Wagnis, sondern ein Geständnis. Obwohl es links und rechts doch die angegessenen Polster der letzten einsamen Jahre erahnen lässt. Heike hat dies zwar längst bemerkt, aber auch schon wieder verdrängt. Nur wenn keiner schaut, zupft sie heimlich an den Ecken ihres dunkelbraun gemusterten Kleides, damit sie eventuell an Figur gewinnt.

Besonders stolz ist Heike auf ihre Schuhe. Lange hat sie nach schwarzen Wildledertretern mit silberner Glitzerschnalle gesucht. Und doch gefunden. In einem kleinen Laden, wahrscheinlich geht dort niemand von ihrem Bekanntenkreis einkaufen, denn dann hätte sie die Schuhe sicher schon früher entdeckt, in einer Ecke, standen ihre Lieblinge. So bezeichnet sie die mittlerweile durchgelaufenen Treter. Sie sind flach und doch gibt der klitze kleine Keilabsatz Heike das Gefühl ein Stückchen größer zu sein.

Im Gesicht trägt Heike heute Farbe. Ein roter Liedschatten schmückt ihre mit Tränensäcken umrandeten Augen. Und ihren Mund schminkt sie schon lange etwas größer. So reicht der Lippgloss weit über ihre Oberlippe hinaus und schimmert auffällig im künstlichen Licht des Zuges. Ihr Busen ist nicht klein. Ihr Push-Up verleiht ihm aber ganz neuen Glanz. Heike ist immer mächtig stolz auf ihr Dekolté. Auch das braune Kleid betont dieses ganz wunderbar.

Eigentlich ist Heike zufrieden. Vor ein paar Jahren hatte sie übrigens eine Nasen-OP. Aber niemand hat es bemerkt, da das Ergebnis nicht so wie erwartet war. Trotzdem liebt Heike es abends raus zu gehen. Allein an der Bar wird sie oft von Männern angesprochen und zu einem Drink eingeladen. Mitgenommen hat sie schon lange keinen Typen mehr. Vielleicht macht sie es heute Abend, denn das Kleid hatte sie wirklich schon lange nicht mehr an…

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Freundschaft

Was ist ein Freund? Das will ich dir sagen: Es ist jemand, bei dem man es wagt, ganz selbst zu sein. Deine Seele zeigt sich ihm völlig nackt. Er scheint dich darum zu bitten, dich nicht zu verhüllen, nur zu sein, was du bist. Er will nicht, dass du anders oder besser bist. Wenn du bei ihm bist, spürst du, wie sich ein Gefangener fühlt, bei dem sich gerade seine Unschuld herausgestellt hat. Du brauchst nicht auf der Hut zu sein. Du kannst sagen, was du denkst, solange du nur ganz aufrichtig du bist. Er versteht die Widersprüche in deinem Wesen, die andere dazu bringen, dich zu verurteilen. Bei ihm kannst du frei atmen. Du kannst dich zu deinen kleinen Eitelkeiten bekennen, zum Neid, zum Hass und zu deinem zweifelhaften Umgang, deiner niederen Gesinnung und Albernheit. Und indem du sie ihm offenbarst, verlieren sie sich, aufgelöst auf dem weiten Ozean seiner Treue. Er versteht. Mit ihm kannst du weinen und lachen. Er sieht, kennt und liebt dich, ganz und gar. Ein Freund? Was ein Freund ist? Noch einmal: Einfach jemand, bei dem du es wagst, ganz du selbst zu sein.

by Carmen Nannen