Ins Aus gebubbelt

Wenn es darum geht, sich selbst zu zerstören, sind wir Menschen ziemliche Vorreiter auf diesem Gebiet. Sogar beim Fussball schaffen wir es, dank unseres Jogi Löws Steinzeit-Fussballstil, uns im EM-Halbfinale gegen Italien blamabel ins Aus zu schießen. Und danach machen wir einfach dort mit der Zerstörung weiter, wo wir aufgehört haben. Denn eine neue Pest zieht durch das Land und nennt sich Bubble Tea. (Nicht, dass ich dieses neumodische Getränk verfluche. Ganz im Gegenteil. Ich habe bereits 6,60 € in diese Konsumindustrie investiert.)

Der neue Schwarze Tod trägt übrigens Rot, denn seit seiner Ankunft in Deutschland steigt die Zahl der finanziell ruinierten Kinder und Jugendlichen dramatisch. In langen Schlangen reihen sich aufgewühlte Teenies vor den aus dem Boden schießenden Getränkebuden auf. Sehnsüchtig blicken sie auf die mit Azofarbstoffen versetzten Getränke und schaufeln nur wenig später bis zu 30 Stückchen Würfelzucker in flüssiger Form in sich hinein. Da bleibt mir nur in alter böse onkelz-Manier an den gesunden Menschenverstand aller Eltern zu appellieren und zu sagen: “Mütter sperrt die Töchter ein und rettet eure Söhne“. Der Bubble Tea Terrorismus ist da.

 

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Hetz hetz

Eigentlich wollte ich nur gemütlich bei meinem Lieblingstürken speisen. Als ich jedoch keinen Parkplatz fand, hatte sich das mit dem in Ruhe essen schnell erledigt. Also bestellte ich einmal alles zum Mitnehmen. Blöd von mir war, dass ich vergaß zu sagen, dass ich einmal Besteck zum Mitnehmen benötige. Aber nun kommt es noch blöder! Das heiße Essen auf dem Beifahrersitz, fuhr ich geschlagene 25 Minuten durch die Gegend, um einen Imbiss zu finden, der mir eine Gabel geben könnte. Alles halb so wild, dachte ich mit, fahre ich eben zu Joey’s und hole mir dort ein Eis, dazu muss es ja möglich sein mir einen Löffel zu geben. Dort angekommen und 5,95 € leichter für mein Eis, bekam ich aber nur die Worte, dass sie dort kein Plastikbesteck haben. Ok, ein Pizzaservice also, der sein Essen ohne Besteck liefert. Klar, hat ja auch jeder beim Umzug oder der Renovierung immer einen 12er Besteckkasten am Start. Sicher. Ich äußerte meine Verwunderung und bekam die abschließenden Worte mit auf den Weg, dass ich ja den Löffel im Eisbecher (!) (ca. 2 cm lange und 1cm breite Plastikschaufel) benutzen könne!

So stehe ich gerade im absoluten Halteverbot und versuche den mittlerweile kalten Börek, das geschmolzene Eis und vor allem den Krautsalat (!) mit diesem Ding zu essen. Gerade läuft das zweite ältere Ehepaar an meinem Auto vorbei und schüttelt wütend mit dem Kopf. Schönes Deutschland!

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Die Kids von der Bounker Street

Sie waren kaum größer als der Eisstand, an dem sich ihre Nasen aneinander reihten. Jacky konnte gerade so das Geld auf den kleinen silbernen Teller legen, bevor sie ihre drei Kugeln Schoko bekam. Ben wollte den Eismann wie immer austricksten. Auf sein Zeichen hin begannen seine beiden Kompagnons sich in die südliche und nördliche Himmelsrichtung zu verteilen. Jacky lief blitzschnell die Straße hinunter, das Eis griffsicher in ihrer Hand. Robert versteckte sich derweil hinter dem ersten Rosenstrauch von Misses Jerke. Die ältere Dame betrat ihren Garten sowieso nur, wenn der Postbote sich traute etwas in ihren faulenden Briefkasten zu werfen. Während die beiden Kids sich also vor dem tobendem Eisverkäufer versteckten, genoss Ben sein Eis bereits auf einer Bank in der brütenden Sommerhitze. Abgehetzt vom Versteckspiel krauchten wenig später auch Jacky und Robert zu ihm. Das Eis kaum aufgegessen, schmiedeten die Drei bereits den nächsten Plan. Nun wollten sie hinunter zum Fluss und von der Brücke ins kühle Nass springen. Jacky lief in freudiger Erregung den beiden voran. “Nun kommt schon oder wollt ihr, dass die Sonne euch schmilzt”, grinste sie frech. Das ließen sich die Jungs nicht zweimal sagen und so lieferten sie sich ein Wettrennen bis zum Ufer. An der Flussbrücke rissen sich die Drei die Klamotten vom Leib und kletterten die Holzpfähle hinauf zu dem kleinen Vorsprung, den bereits die Eltern ihrer Großeltern zum Absprung ins Wasser benutzten. Die Jungs sprangen voran. “Komm Jacky, es ist herrlich hier unten”, riefen die beiden ihrer zierlichen Freundin zu. Jacky, die die Höhe nur mit Ehrfurcht ertrug, kniff ihre Augen so fest sie nur konnte zusammen und spannte ihre Füße an. Sie wollte genau so weit hinaus springen wie ihre beiden Freunde. Sie bemühte all ihre Kräfte und sprang so weit ab, wie sie nur konnte. Zuviel. Denn fortan zählte die Bounker Street ein Kind weniger.

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FrauLehmann schreibt ein Buch

Die Erlebnisse der vergangen Wochen, Monate und Jahre haben dazu geführt, dass ich all die Dinge in meinem Kopf nicht mehr nur in meinem Blog schreiben mag, sondern in ein richtiges Buch. Deshalb sitze ich bereits seit vielen Stunden an der Anfertigung meines Werkes, was den Namen “Die andere Hälfte” tragen wird. Ihr dürft gespannt sein, denn eine Fortsetzung ist bereits geplant und hat Dank eines Bekannten auch schon den aberwitzigen Namen “Die dritte Hälfte”.

Ein kleiner Vorgeschmack:

 

Sie fragen sich, warum Sie sich dieses Buch gekauft haben. Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, aber ich verrate Ihnen, worum es in diesem Buch geht: Seien Sie nicht enttäuscht, denn auf den folgenden Seiten gibt es weder eine Figur aus einem Rosamunde Pilcher Roman, noch eine vollständige Autobiografie des Autors. Zumindest aber können Sie zwischen den Zeilen Auszüge aus einem Leben entdecken und Geschichten, die Sie vielleicht sogar schon einmal selbst erlebt haben, verpackt in einer Person namens Emmy. Und Emmy ist durchaus eine Lesereise durch diesen Carpaccio-dicken Schinken wert. …

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Mein Buch wird als eBook erhältlich sein. Mehrere kleine Geschichten, die liebevoll aufeinander aufbauen, sind für unterwegs, zwischen den Kindern und abends unter der Decke gedacht. Für alle, die gerne Lesen oder sich dahin entführen lassen.

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Überraschung! Geburtstag!

Jedes Jahr überrascht er mich auf ein Neues. Der Geburtstag. Mit einer unverfrorenen Überpünktlichkeit steht er einfach vor der Tür und will beachtet werden. “Komm herein, lieber Geburtstag”, bitte ich ihn freundlich zu bleiben und versuche irgendwie Herrin über die Lage zu werden. Denn es ist ja nicht so, als hätte man 365 Tage im Jahr Zeit gehabt, sich Gedanken über das bevorstehende Fest zu machen. Nein, da verplempert man (zurecht) die gesamte Zeit damit nicht ans älter werden zu denken. Und dann beginnt der Kopf auf einmal doch zu grübeln über Geschenke, Werte und Wichtiges im Leben und vielleicht auch über den Tod. Einmal habe ich versucht alle Wünsche penibel auf eine Liste zu kritzeln. Raus gekommen sind dabei unzählige Geschenke, die ich gerne anderen machen möchte und mich selbst darüber freuen würde. Denn merke: Verschenke nie etwas, hinter dem du nicht stehst!

Eine Frage, die sich mir immer wieder gestellt hat, ist, wer eigentlich den Eltern für die Geburt dankt? Die schweren Stunden im Kreissaal und vielleicht auch die wenige Zeit, die die Eltern durch ihre Kinder miteinander hatten, wenn sie denn nicht schon längst daran zerbrochen sind (wie viele Eltern seit der Geburt der Kinder, wie meine Frauenärztin mir neulich erklärte). Ich würde dem Leben gerne einen dicken Blumenstrauss schicken als Dank für mein Dasein. Da ich die Adresse aber nicht genau weiß, halte ich es ganz einfach und danke an meinem Geburtstag allen, die für mein Leben verantwortlich und daran beteiligt sind (egal ob gestern, heute oder morgen). Das ist das größte Geschenk auf Erden und dann doch nicht so überraschend, wie der Geburtstag selbst. Und wer mir doch eine Freude machen möchte, der kann das hiermit tun.

:-)

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Ruhrpottperle

Tief im Westen liegst du da. Erstreckst dich wie ein Ozean in voller Pracht und Schönheit. Berührst den Himmel sanft und zag und dennoch nicht. Lebst mit den Menschen im Fluss der Energie. Gibst ihnen Mut und Hoffnung. Deiner Wahrhaftigkeit entziehen sich jegliche Illusionen. Wo Grobheit auf Idylle trifft, ist Zündstoff garantiert. Des einen Freund wird des anderen Leid. Und Werner an der Ecke zapft schnell das nächste Bier. Im Gänsemarsch zieht die Natur in ihr Revier. Punktgenau und doch ganz nebenbei. Gewohnter Lärm durchquert die ruhelose Nacht. Der schnelle Puls vom Leben adaptiert.

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Das Verhalten des Glücks

Mit dem Glück verhält es sich ja meistens so: Erstens kommt es nie auf einmal und zweitens muss man teilweise viel dafür tun, um wirklich und wahrhaftig glücklich zu sein. Hinzu kommt, dass wir die unglaubliche Gabe besitzen alles und jeden in Frage zu stellen. Nicht, weil wir es möchten, sondern weil wir es rein physisch können und wir es von der Gesellschaft vorgelebt bekommen. Ob das Kind noch zu klein zum Fahrrad fahren ist oder die Sekretärin für manche Aufgaben für unfähig gehalten wird, überall treffen wir auf verschlossene Türen des Glücks.

Dabei liegt das Glück meistens vor unseren Füßen. Man muss nur achtsam genug durch die Welt laufen und sich auch schon einmal bücken, wenn es da so liegt, das Glück. Aber mit dem Bücken ist das ja auch wieder so eine Sache. Oft ist es anstrengend und müßig sich zum Boden zu bewegen und die Hände nach dem Glück auszustrecken. Jorge Bucay formulierte sehr treffend in seinem Buch “Komm, ich erzähl dir eine Geschichte”:

Man muss ein paar Raupen aushalten, wenn man die Schmetterlinge kennenlernen will.

Wenn man sich dann einmal gebückt hat und das Glück in seinen Händen hält, muss man es auch beschützen. Leider geben die meisten ihr Glück kampflos auf, sobald der erste Geier am Himmel kreist. Es folgt oft Schmerz und Leid, denn nach der Anstrengung sehnen sie sich danach dieses Stück vom Glück behalten zu können. Nicht umsonst steigt die Anzahl der Depressiven und psychisch kranken Menschen von Tag zu Tag. Da sich das Glück aber immer so verhält, können wir handeln. ‘Jeder ist seines Glückes Schmied’ ist nicht umsonst Gedankengut, was es bis in die heutige Welt geschafft hat. Also sollten wir dem Glück ein Stück entgegen kommen. Am besten gebückt.

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10 points for the DJ

Als regelmäßiger Clubgänger Liebhaber elektronischer Tanzmusik fällt der Blick von der Tanzfläche auch schon mal auf die heilige DJ-Kanzel. Nur was man dort sieht, ist häufig nicht das, was man unten aus den Boxen hört. Denn dort oben, weit abgeschlagen vom herkömmlichen Eintritts-Zahler, steht er irgendwo versteckt, der Diskjockey. Umringt von einer sabbernden Groupie-Traube, versteckt er sich gerne hinter unzähligen Champagner-Flaschen. Prophetisch hebt er alle zehn Minuten den Zeigefinger wippend zum Takt empor. Die Masse kreischt. Aber warum nur? Ist es wegen dem Heroin schicken Körperbau oder der lässig nach rechts gedrillten Hitler-Frise? Oder doch eher, weil das Shirt unter den Armen die Prägung von Wechselbädern trägt? Nichts Genaues weiß man nicht.

Natürlich macht sich eine optisch angepasste Szene-Kleidung besser, als der verwaschene Lieblingspulli. Doch äußerlicher Style ist kein Indiz für musikalische Höchstleistungen. Das weiß auch jeder Club-Neuling. Deswegen plädiere ich an das Partyvolk: Hypt nicht die Hülle, sondern den Inhalt. Musik kommt aus dem Herzen und das macht auch kein Kate-Moss-Shirt sichtbar.

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