A lonely day in daddy’s life

Wehmütig betrachtet er den letzten Rest seiner Kippe zwischen den gelben Fingerkuppen. Auf dem Stein vor ihm ein stattlicher Haufen ausgedrückter, selbst gedrehter Zigarettenreste. Zwischen seinen Beinen eine trostlose Dose Bier. Halbleer. Sein Blick wandert auf den schäumenden Überrest des letzten Schluckes. 16 Jahre hat er seinen Sohn nicht mehr gesehen. Ein paar Cowboystiefel hatte er ihm zum Geburtstag gekauft. Das Paket kam postwendend zurück. Mit einem freundlichen ‘fuck you’ von der Mutter. Einsam ist er. Jeden Tag. Flüchtet sich in seine Alkoholsucht. Sucht Trost. Und findet nur noch mehr loneliness.

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 Photo: careaux mit o.

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Der Berg und das Tal

An einem Tal lag einst ein Berg. Beide kannten sich schon eine ganze Weile und wussten sich gegenseitig zu schätzen. Während das Tal das Leben eines Tales lebte und mit seinen Bewohnern täglich neue Dinge erlebte, lebte der Berg das Leben eines Berges und schlug sich mit Dingen wie Wind und Wetter herum. Ab und zu, wenn es die Zeit erlaubte und es die Situation ergab, plauderte das Tal mit dem Berg über das Aufhalten der Winde und das Abfangen der Stürme. Und der Berg schüttet sein Herz über das Abregnen der Wolken und die Schwüle der Sonnentage aus. So verband die beiden das Band der Freundschaft miteinander und sie lebten friedlich Seite an Seite.

Eines Tages, es war schon eine ganze Weile her, dass Tal und Berg miteinander kommunizierten, beschloss der Berg das Tal mal wieder anzusprechen: “Hey Tal, lange nichts von dir gehört. Wie geht es dir?” Das Tal, völlig überrascht davon vom Berg angesprochen zu werden, reagierte gereizt und mit wenig Verständnis: “Hallo Berg. Ja natürlich ist alles klar. Warum fragst du so?” “Weil wir lange nichts voneinander gehört haben und weil ich einfach mal wissen wollte, was bei dir so los ist.” Das Tal, immer noch sehr wenig darüber erfreut, dass der Berg dieses ansprach, reagierte patzig und antwortete nur das Nötigste. Der Berg war völlig überrascht über diese Reaktion und begann das Tal zu fragen, warum es so reagierte: “Tal, warum reagierst du so? Ich halte seit Jahren die Winde und Stürme von dir fern. Fange die Kälte ab und lasse die Sonne zu dir hindurch. Ich schütze dich und deine Bewohner Tag für Tag und bin immer für dich da.” Das Tal lauschte nur halbherzig den Wortes des Berges und beschloss daraufhin dem Berg seine Meinung zu sagen: “Berg, das ist alles schön und gut. Nur muss ich doch nicht ständig dankbar dafür sein? Halte ich dir ständig meine Dienste vor oder erinnere dich daran, was ich alles für dich tue oder getan habe?” Der Berg, völlig verdutzt von den Worten des Tales, hatte nur noch das Gefühl sich zurück ziehen zu wollen. Doch bevor er gänzlich verschwand, legte er dem Tal folgende Worte mit ans Herz: “Liebes Tal, ich erwarte keine Dankbarkeit von dir. Ich erwarte auch nicht, dass wir uns ständig sagen, was wir füreinander gemacht haben. Aber ich erwarte einen respektvollen Umgang mit dir. Eben weil wir all die Dinge wissen, die wir nicht mehr aussprechen müssen. Und sollte das zu viel verlangt sein, dann sollten sich unsere Wege fortan trennen.”

Und so trennten sich die Wege von Berg und Tal. Und zwar so sehr, dass sie kein Band der Freundschaft und kein Weg mehr miteinander verband. So geschieht es jeden Tag. Und mal bist du der Berg und mal stehst du im Tal.

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Die Steine des Lebens

Es ist doch so: Wir werden geboren und müssen uns bereits in der erste Phase des Lebens mit Problemen wie Akne oder Menstruation beschäftigen. Haben Stress mit den Eltern und im schlimmsten Fall mit dem Gesetz. Anschließend kümmern wir uns um Sachen wie Liebeskummer und Beziehungsstress. Dann bekommen wir Kinder, die uns nicht minder auf die Nerven gehen. Unsere Eltern werden krank und kaum haben wir gelebt, werden wir selbst alt und brauchen Hilfe. All das hält das Leben für uns bereit. Und all das schaffen wir. Weil wir das Leben leben.

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Das mysteriöse Verschwinden von Dingen

Den Rauchern unter euch ist sicherlich schon mal aufgefallen, dass Feuerzeuge gelegentlich ihren Besitzer wechseln. Damit meine ich nicht das freiwillige Herausgeben eurer Feuerquelle. Nein, gemeint ist damit das mysteriöse Verschwinden ALLER Raucherfeuerzeuge dieser Welt!

Jetzt fragen sich die Nichtraucher unter euch sicherlich, was das für ein bescheuerter Blödsinn ist. Ist es aber nicht. Überprüft es doch einmal selbst: Wenn ihr eure Raucherfreunde trefft, achtet mal darauf, was für ein Feuerzeug sie bei sich haben. Und einen Tag später, oder auch zwei, achtet noch einmal darauf, was für ein Feuerzeug sie mit sich führen. Na? Was bemerkt? Es wird in den äußerst seltenen Fällen ein und dasselbe Feuerzeug sein! Ha! Erwischt! Das Feuerzeugverschwinden hat begonnen!

Zu diesem lästigen Feuerzeugraub kommt erschwerend hinzu, dass sich gelegentlich auch mal ALLE Feuerzeuge wie in Luft auflösen. Du gehst also nichts ahnend zu deinen Zigaretten und willst dir genüsslich eine anzünden. Aber womit? Das Feuerzeug, was du gestern Abend noch in der Hand hattest, ist spurlos verschwunden. Es hilft auch alles Suchen nichts, denn das Feuerzeug wird verschwunden bleiben! Auch eine Anzeige bei der Polizei würde nur mäßigen Erfolg bringen. Immerhin gibt es an jeder beliebigen Supermarktkasse oder Tanke bereits das nächste Feuerzeug, das bereit steht, um anschließend wieder zu verschwinden.

Nun geht es einigen Menschen auch mit anderen Dingen so. Man möchte meinen, sie seien bekloppt und selbst Schuld, dass sie nicht besser auf ihre Sachen aufpassen. Wenn es sich allerdings um Gegenstände handelt, die man nicht so leicht in die Tasche stecken kann, wie z.B. ein Auto, dann denkt man wirklich, dass man verrückt ist!

In diesem Sinne: Passt alle gut auf eure Sachen auf. Eure FrauLehmann

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Zitiert

Der Schriftsteller schreibt für die Leser von morgen zu den Honoraren von gestern.

Hans Weigel

 

 

Schlechte Laune ist ebenso unanständig wie schmutzige Hände.

Johannes Müller

 

 

 


 


 

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Härter als Stahl

Die letzten Wochen waren hart. Verdammt hart sogar. Wie ein Tier, was über Wochen nonstop gequält wird, ist der klägliche Vergleich den Schmerz zu beschreiben. Wenn sich das Innerste nach Außen wölbt und du deine Eingeweide zwischen den Fingern zerdrückst. Die Flüssigkeiten rinnen deinen Arm entlang bis zum Ellenbogen, wo sie sich in die kleinen Hautfalten fressen, um dann anschließend weiter Richtung Schulter zu klettern. Machtlos stehst du daneben und schaust dem bunten Treiben zu. Gefangen in deiner eigenen Suppe. Und im wahrsten Sinne des Wortes: Kein Entrinnen! Und sobald die Sonne versucht dich sporadisch zu erreichen, holt dich die dunkle schwarze Hand zurück in das Loch, was es vorher fein säuberlich für dich gegraben hat. Du schreist noch ‘Hilfe’, aber da draußen ist niemand. Niemand der dich hören kann. Schlägst vehement mit dem Kopf gegen die Wand. Pochst, damit dein Herz ja nicht aufhört zu schlagen, um am Ende nicht selbst geschlagen zu sein. An diesem Punkt angekommen merkst du, dass Rosa doch nicht so schön ist. Die Ernüchterung ist wie ein Glockenschlag direkt neben deinem Trommelfell. Und bevor du im Meer deiner Suppe ertrinkst, holst du tief Luft und beginnst dich vom Schleim deiner selbst zu befreien. Atmest tief durch. Bist frei. Und stark. Härter als Stahl. Who are we and who we are.

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Radius

Ich blicke um mich. Der Radius, in dem ich mich bewege, ist beschränkt. Also taste ich mich langsam vor. Schaue vorsichtig um mich. Keine Hast, nur die Ruhe, denke ich mir. Langsam strecke ich die Arme von mir, berühre den Kreis, der mich begrenzt, ziehe mich erschrocken zurück. Nicht aufgeben, sage ich mir. Ich schließe die Augen, nehme all meinen Mut zusammen und versuche es erneut. Die erste Berührung, ein Blinzeln, ich sehe es. Ich öffne die Augen, blicke neugierig um mich. Alles ist gut.

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Baumarkterlebnisse unter sich

Hat sich eigentlich schon mal jemand von euch gefragt, warum man die schönsten tollsten Männer immer im Baumarkt antrifft? Vollgeklekst von oben bis unten laufen sie mit ihren stahlharten Schuhen durch die unendlichen Weiten der Eisenwarenregale und suchen verkrampft nach dem Teil, was ihnen in ihrer Sammlung noch fehlt. So mancher Herr runzelt da schon mal verzweifelt die Stirn, wenn die Box mit den Türschanieren 90x90mm wieder einmal gähnende Leere aufweist. Ihr hilfloser Blick gilt dann den Modellen 90-60-90. Jene Damen also, die mit verkrampft unästhetischer Körperhaltung versuchen 50kg Erde in den störrischen Einkaufswagen zu legen. An einer anderen Ecke hieven zwei Jungs der Marke “Sonderfall” das neue Edellinoleum für die Liebste auf ihre Schultern. Für richtiges Parkett hat die Liebe wohl nicht ausgereicht. An der Kasse dann das nächste Extrem: Arme so dick wie der Griff eines Tragekörbchens und Hände, deren Schwielen zum Tragen der meterlangen Holzlatten erst geboren werden müssen. Wo soll das noch hinführen? Um einige hundert Euro leichter bleibt dann noch die Schwere des Einladens. Da staunt selbst ein IKEA-Fachmann, zu welchen Verrenkungen Menschen im Stande sind. Baumarkt, ich kann euch sagen, immer ein Erlebnis wert.

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