Das Verhalten des Glücks

Mit dem Glück verhält es sich ja meistens so: Erstens kommt es nie auf einmal und zweitens muss man teilweise viel dafür tun, um wirklich und wahrhaftig glücklich zu sein. Hinzu kommt, dass wir die unglaubliche Gabe besitzen alles und jeden in Frage zu stellen. Nicht, weil wir es möchten, sondern weil wir es rein physisch können und wir es von der Gesellschaft vorgelebt bekommen. Ob das Kind noch zu klein zum Fahrrad fahren ist oder die Sekretärin für manche Aufgaben für unfähig gehalten wird, überall treffen wir auf verschlossene Türen des Glücks.

Dabei liegt das Glück meistens vor unseren Füßen. Man muss nur achtsam genug durch die Welt laufen und sich auch schon einmal bücken, wenn es da so liegt, das Glück. Aber mit dem Bücken ist das ja auch wieder so eine Sache. Oft ist es anstrengend und müßig sich zum Boden zu bewegen und die Hände nach dem Glück auszustrecken. Jorge Bucay formulierte sehr treffend in seinem Buch “Komm, ich erzähl dir eine Geschichte”:

Man muss ein paar Raupen aushalten, wenn man die Schmetterlinge kennenlernen will.

Wenn man sich dann einmal gebückt hat und das Glück in seinen Händen hält, muss man es auch beschützen. Leider geben die meisten ihr Glück kampflos auf, sobald der erste Geier am Himmel kreist. Es folgt oft Schmerz und Leid, denn nach der Anstrengung sehnen sie sich danach dieses Stück vom Glück behalten zu können. Nicht umsonst steigt die Anzahl der Depressiven und psychisch kranken Menschen von Tag zu Tag. Da sich das Glück aber immer so verhält, können wir handeln. ‘Jeder ist seines Glückes Schmied’ ist nicht umsonst Gedankengut, was es bis in die heutige Welt geschafft hat. Also sollten wir dem Glück ein Stück entgegen kommen. Am besten gebückt.

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10 points for the DJ

Als regelmäßiger Clubgänger Liebhaber elektronischer Tanzmusik fällt der Blick von der Tanzfläche auch schon mal auf die heilige DJ-Kanzel. Nur was man dort sieht, ist häufig nicht das, was man unten aus den Boxen hört. Denn dort oben, weit abgeschlagen vom herkömmlichen Eintritts-Zahler, steht er irgendwo versteckt, der Diskjockey. Umringt von einer sabbernden Groupie-Traube, versteckt er sich gerne hinter unzähligen Champagner-Flaschen. Prophetisch hebt er alle zehn Minuten den Zeigefinger wippend zum Takt empor. Die Masse kreischt. Aber warum nur? Ist es wegen dem Heroin schicken Körperbau oder der lässig nach rechts gedrillten Hitler-Frise? Oder doch eher, weil das Shirt unter den Armen die Prägung von Wechselbädern trägt? Nichts Genaues weiß man nicht.

Natürlich macht sich eine optisch angepasste Szene-Kleidung besser, als der verwaschene Lieblingspulli. Doch äußerlicher Style ist kein Indiz für musikalische Höchstleistungen. Das weiß auch jeder Club-Neuling. Deswegen plädiere ich an das Partyvolk: Hypt nicht die Hülle, sondern den Inhalt. Musik kommt aus dem Herzen und das macht auch kein Kate-Moss-Shirt sichtbar.

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Auf die Wurst kommt es an

“Ich hätte gerne ein großes Stück von der Geflügelmortadella.” Der dicke Fleischerlehrling grinst die Kundin frech an: “Tut mir leid. Die haben wir leider nicht mehr. Nur noch in Scheiben.” Das nützt ihr auch nichts, denkt sich die Mittdreißiger Frau und kehrt ihren Wagen auf dem Fuße Richtung Kasse. Eine Gurke liegt einsam auf dem Metallboden ihres Korbes. “Guten Tag”, wünscht die Kassiererin mehr oder minder freundlich. “Mehr haben Sie heute wohl nicht”, scherzt die blöde Kassenfrau, deren Arsch breiter ist als der Stuhl, auf dem sie klebt. Beim Verlassen des Ladens muss die Frau darüber nachdenken, dass es ihr in ihrem Leben eigentlich immer so ergangen ist: Die letzte Wurst war nie ihre, stattdessen holte sie sich schlechte Gurken als Ersatzbefriedigung ins Haus. Von Frauen hielt sie sich lieber fern, denn die gaben ohnehin nur Senf dazu, obwohl sie eher auf Ketchup stand. Eigentlich schade für eine attraktive Frau, deren Brüste noch halbwegs da hingen, wo sie hingehörten. “Es muss doch eine Lösung geben”, überlegte sie krampfhaft. Also entschied sie sich dafür die nächsten Tage einfach mal alle Würste auszuprobieren. Mal abgesehen davon, dass sie eigentlich gar keinen Bock auf Wurst hatte, schmecken doch eh alle gleich. Nach ein paar Wochen war ihr dann auch das Testen zu blöd. Also entschied sie zurück zu ihrem Ursprung zu kehren: Geflügelmortadella. Oder eben nicht. Je nachdem was der Fleischerlehrling rausholte. Es kommt eben doch auf die Wurst an.

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Kleine Schätze

Da ich mich im Zuge meiner Abschlussarbeiten mit dem Theater beschäftigt habe, fiel mir folgendes Buch in die Hände:

Der Autor, Ernst Günter Tange, entwickelte seine Leidenschaft für Zitate und Aphorismen durch die Begegnung mit einem englischen Zitat über den Flirt “attention without intention”. Aus seinen gesammelten Notizzetteln sind mittlerweile 28 Karteikästen mit à 1000 Zitaten entstanden. Und viele schöne Bücher. :-)

 

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Zitate, Zitate

Zwei sehr schöne Zitate für’s Wochenende:

“Es ist ein Vergnügen und eine Lust des Menschen
sich durch die Kunst zu verändern,
nicht immer durch das sonstige Leben und
die Kunst durch sich zu verändern.”

Autor unbekannt

“Die Quelle der Angst liegt in der Zukunft,
und wer von der Zukunft befreit ist,
hat nichts zu befürchten.”

Milan Kundera

 

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Der glückliche Mönch

Mönche müssen die glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt sein. Warum? Weil sie so einfache Glücksformeln haben wie:

Beim Einatmen schenke ich meinem Körper Ruhe
Beim Ausatmen lächle ich.
Ich verweile im gegenwärtigen Moment
Und weiß, es ist ein wunderbarer Moment.

Probiert es mal aus. Es ist ganz einfach und funktioniert von selbst. :-)

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Tagspagat

Sorgfältig verschnürt steht er da. Der Hausmüll. Gepackt in einer freien Sekunde, von denen so wenige existieren. Da klingelt auch schon das Telefon. Der nächste Termin kündigt sich an. Den Wintermantel griffbereit zur Hand, fischen die Finger suchend nach dem Autoschlüssel in der Tasche. Auf die Plätze fertig los Richtung Autobahn. Die nervige Motorkontrollleuchte erinnert an den Werkstatttermin, der schon längst überfällig ist. Morgen ist auch noch ein Tag. Zwischen Dortmund und Köln leistet eine halbe Schachtel Kippen dem Aschenbecher Gesellschaft. Der kurze Stop wird zum Auftanken von Energy-Drinks genutzt. Prasselnder Regen auf der halbdunklen Rückfahrt. Ob ich meinen Einkauf noch vor Ladenschluss erledigt bekomme? Bepackt wie ein Weihnachtsmann geht es in den vierten Stock. Die nasse Wäsche unter den Arm geklemmt. Da heißt mich auch schon der Hausmüll von heute morgen willkommen.

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