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Seelenkratzer

In einer Vitrine in einem großen Möbelhaus stand ein Stuhl. Er war strahlend weiß und schöner als all die anderen Stühle in seiner Reihe. Sein Stuhlmacher war mächtig stolz auf seinen weißen Stuhl, denn er hatte viel Schweiß und Arbeit in sein Werk gesteckt. Die Leute, die an dem Stuhl vorbei gingen, staunten nicht schlecht. Und einige Leute hörte man sogar laut staunen. So verstrichen die Jahre und der Stuhl stand Tag ein Tag aus an seinem Platz und die Leute staunten und staunten. Eines Tages wurde das Schaufenster umdekoriert und der Stuhl musste einer neuen Dekoration weichen. Dabei bekam der Stuhl einen Kratzer ab, was ihm nicht nur weh tat, sondern was ihn auch anders aussehen ließ. Als er bald darauf wieder das Schaufenster schmückte, erkannten ihn die Leute auf einmal nicht mehr. Sie gingen wortlos und ohne ihn eines Blickes zu würdigen an dem Stuhl vorbei. Das bemerkten auch die Kaufhausinhaber und beschlossen den Stuhl auf den Dachboden zu bringen. Der Stuhl weinte bitterlich, denn er mochte nichts lieber, als in seinem Schaufenster zu stehen. Doch sein Bitten und Betteln nützte nichts und so stand er schon bald in der vollkommenen Dunkelheit und fühlte sich allein. Plötzlich hörte er ein Geräusch neben sich. Es wurde lauter und lauter und auf einmal waren da ganz viele Stühle, die alle sehr schön aussahen, aber mindestens einen Fehler hatten. Dem einen Stuhl fehlte beispielsweise ein Stück Bein, einem anderen war der Lack an der Lehne abgeplatzt. Der Stuhl merkte, dass er nicht alleine war und fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so allein. Die anderen Stühle nahmen ihn liebevoll in ihren Kreis auf und zeigten ihm, dass er auch mit einem Makel ein toller Stuhl war. Und es dauerte nicht lange und der Stuhl hatte eine neue Familie und ein tolles Leben gefunden, das er bis ans Ende seiner Tage glücklich und zufrieden lebte.

(Mein Dachboden ist nah!)

Träumelie

Ich möchte gerne morgens aufwachen und noch Sand zwischen den Zehen haben. Und wenn ich aus dem Bett krabbele, stehen entweder meine FlipFlops bereit oder es ist nicht zu kalt barfuß durchs Haus zu laufen. An den Wänden hängen kleine Gemälde durch die seidige Vorhänge weht der Wind.

In der Küche stehen die leeren Weinflaschen der vergangenen Abende und der Hund liegt breit auf den kalten Flurfliesen. Ich pflücke frische Orangen und Oliven und vielleicht auch einen Pfirsich. Es durftet nach frischen Tee oder Kaffee. Vor dem Haus spielen Kinder im staubigen Sand und so langsam beginnt der Tag. Auch wenn es bereits weit nach Mittag ist.

Ich ziehe mich zurück und arbeite an meinem Laptop. Dazu genieße ich einen frisch gebackenen Zitronenkuchen und irgendwann kommt mein Mann und gibt mir einen verschlafenen Guten-Morgen-Kuss auf die Stirn. Wir erledigen hier und da jeder seine Dinge und am Abend gehen wir gemeinsam zu Freunden. Ein Grill-Abend am Strand steht an.

Zu Weihnachten machen wir nix, außer den Schnee vom Dach unserer kleinen Hütte fegen, weil er droht die Ziegel arg zu beschädigen. Warm eingekuschelt genießen wir die Ruhe. Draußen. Drinnen. Überall. Zum Fest muss er arbeiten und ich hüte unsere Feuerstelle. Fertig, aber glücklich, sinken wir tief in den Schlaf.

 

Ode an den Winter

Oh du schöne Winterzeit

Hoffnungsvoll bitten wir dich

Ist es endlich bald soweit

Wird es denn noch winterlich?

..

Regen auf die Dächer prasselt

Nasse Straßen vor der Tür

Hast uns Weihnacht einst vermasselt

Dank bekommst du nicht dafür.

..

Keine kalten Lüfte wehen

Nur der herbstliche Geruch

Schmückt von früh bis zu Bett gehen

Davon haben wir genug.

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Schneeballschlacht und Schlitten fahren

Glühwein, Kerzen, Tannennadel

Hatten wir vor vielen Jahren

Danke dir, oh Klimawandel.

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Erster Frost auf weiten Feldern

Vögel hastig Futter suchend

Künstlich Schnee von Steuergeldern

Bleibt mir nur das Dauerfluchen.

by FrauLehmann

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