Tag Archives: Ding

Manches vergeht nie

Gummi zersetzt sich nie und überdauert Menschenleben. Manch andere Dinge überdauern ebenfalls Menschenleben. So ist das auch mit Erinnerungen.

Ich sehe die Anrichte mit dem klobigen Küchenradio immer noch  genau vor mir. In der Sitzecke davor gab es zum Frühstück immer Kuchen. Schokoladenkuchen. Oder die aufgebackenen Brötchen wurden mit selbstgemachter Erdbeermarmelade bestrichen, so schmeckten auch die verbrannten Stellen ganz gut. ;-)

War das ein Boiler über der Spühle? Jedenfalls waren später unzählige Töpfe hinter der Eckdrehtür der neuen Küche verstaut. An der Wand ein Kalender mit Terminen und Geburtstagen, ein Ding wo immer Streichhölzer drin waren und noch sowas aus Plastik. Glaube ich. Vielleicht vergehen Erinnerungen doch. Dann sind sie wohl doch nicht wie Gummi.

photo: Lonko

Träumelie

Ich möchte gerne morgens aufwachen und noch Sand zwischen den Zehen haben. Und wenn ich aus dem Bett krabbele, stehen entweder meine FlipFlops bereit oder es ist nicht zu kalt barfuß durchs Haus zu laufen. An den Wänden hängen kleine Gemälde durch die seidige Vorhänge weht der Wind.

In der Küche stehen die leeren Weinflaschen der vergangenen Abende und der Hund liegt breit auf den kalten Flurfliesen. Ich pflücke frische Orangen und Oliven und vielleicht auch einen Pfirsich. Es durftet nach frischen Tee oder Kaffee. Vor dem Haus spielen Kinder im staubigen Sand und so langsam beginnt der Tag. Auch wenn es bereits weit nach Mittag ist.

Ich ziehe mich zurück und arbeite an meinem Laptop. Dazu genieße ich einen frisch gebackenen Zitronenkuchen und irgendwann kommt mein Mann und gibt mir einen verschlafenen Guten-Morgen-Kuss auf die Stirn. Wir erledigen hier und da jeder seine Dinge und am Abend gehen wir gemeinsam zu Freunden. Ein Grill-Abend am Strand steht an.

Zu Weihnachten machen wir nix, außer den Schnee vom Dach unserer kleinen Hütte fegen, weil er droht die Ziegel arg zu beschädigen. Warm eingekuschelt genießen wir die Ruhe. Draußen. Drinnen. Überall. Zum Fest muss er arbeiten und ich hüte unsere Feuerstelle. Fertig, aber glücklich, sinken wir tief in den Schlaf.

 

Kraftvolles Leben

Damit wir geboren werden, werden unglaubliche Kräfte benötigt. Der Körper der Mutter und des Kindes leisten Unglaubliches in dieser Zeit. Während unseres gesamten Lebens müssen wir ebenfalls Kräfte aufwenden, um Dinge erledigt zu bekommen. Ob Taten vollbringen, Wunden heilen oder gar nichts Tun – alles benötigt immer eine Kraft.

Ein Teil unserer Kraft geht in die Umwelt ab. Dort wird sie an anderer Stelle aufgenommen und weiterverwendet. Einen anderen Teil unserer Kraft setzen wir ein, um selbst wieder Kraft in uns zu erzeugen. Dann erst sind wir wieder kraftvoll für neue Dinge.

When you part ...

Es ist erstaunlich, wie sehr wir durch die wenige Kraft beim Schlafen neue Kräfte erzeugen, die uns den ganzen Tag wie eine Batterie versorgen. Vorangetrieben von der Betankung erledigen wir unsere Aufgaben und stets müssen wir unsere Kräfte der Liste anpassen, die unser Leben ist.

Zu Kraft gehört Liebe. Darum ist Liebeskraft so unvorstellbar stark.

Creative Commons License photo credit: Sara Björk

Federflug

Aus dem Film ‘Glaubensfrage’:

Eine Frau klatschte mit einer Freundin über einen Mann, den sie kaum kannte. In jener Nacht hatte sie einen Traum:

Über ihr erschien eine große Hand und zeigte auf sie. Sofort überkamen sie die allerschimmsten Schuldgefühle. Am nächsten Tag ging sie zur Beichte. Sie kam zu dem alten Gemeindepfarrer, Pater Oroke. Sie erzählte ihm die ganze Sache. ‘Ist Klatsch vielleicht eine Sünde?’ fragte sie den alten Mann. ‘War es die Hand Gottes des Allmächtigen die mit dem Finger auf mich gezeigt hat? Soll ich Sie bitten mir die Absulotion zu erteilen, Pater? Sagen Sie mir, habe ich eine Sünde begangen?’ – ‘Ja!’ antwortete ihr Pater Oroke. ‘Ja, du unwissendes, schlecht erzogenes Frauenzimmer. Du hast falsch Zeugnis abgelegt wider deinen Nächsten. Du solltest dich von ganzem Herzen schämen. Denn du hast mit seinem guten Ruf Schindluder getrieben.’ Die Frau sagte, dass es ihr sehr Leid tue und bat den Pater um Vergebung. ‘So leicht geht das nicht.’ sagte Pater Oroke. ‘Erst gehst du nach Hause Weib, steigst mit einem Kissen auf ein Dach, schlitzt es mit einem Messer auf und kommst dann wieder zu mir.’ Die Frau ging also nach Hause, nahm ein Kopfkissen von ihrem Bett, holte eine Messer aus der Schublade und stieg über die Feuerleiter auf ihr Dach und schlitzte das Kissen auf. Sie ging wie angeordnet zum alten Gemeindepfarrer zurück. ‘Hast du getan, was ich dir aufgetragen habe?’ fragte er. ‘Ja, Pater.’ – ‘Und was kam dabei heraus?’ – ‘Federn.’ antwortete sie. ‘Federn’ wiederholte er. ‘Federn, überall Pater.’ – ‘Ich möchte, dass du wieder zurück gehst und jede einzelne Feder die der Wind davon getragen hat wieder einsammelst.’ – ‘Pater,’ sagte sie ‘das ist ganz unmöglich. Sie sind in alle Winde zerstreut. Ich weiß nicht, wo sie hingeflogen sind.’ ‘Und das‘ sagte Pater Oroke ‘ist Klatsch Weib!’


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Man fühlt sich immer nur von Dingen berührt, die einen auch betreffen. Ich möchte alle Menschen um Verzeihung bitten, über die ich getratscht, geklatscht oder gelästert habe. Ich weiß, dass ich darin sehr zurückhaltend bin. Dennoch passiert es mir auch. Ich habe keinen Finger auf meinem Kopf gespürt oder gehe nun zur Beichte, aber diese Stelle des Films hat mich angesprochen und das war für mich ein ganz persönliches Zeichen von Gott, dass einen Sinn hat. Darum nocheinmal: ich bitte nicht wegen der 10 Gebote um Verzeihung(1), sondern weil es nicht in Ordnung geht, Dinge über Personen auszusprechen, die nicht anwesend sind.

Creative Commons License photo credit: Licht in Sicht

  1. oder damit ich statt in die Hölle in den Himmel komme. (back)

Letzte Gedanken 2008

Autumn trees in the mist

Der saftig, grüne Grashalm zwischen meinen beiden Daumen und den Handballen sieht so friedlich aus. Erst wenn ich einen Ton daraus hervor bringe, scheint die Welt um mich herum zum Leben zu erwecken. Manchmal treffen wir uns  zum Mittagessen. Ihn kennen alle und wenn er das kleine Restaurant betritt, ruft er halblaut ‘Mahlzeit’. Dabei fasst er mit einem gekonnten Griff an seine Arbeitsmütze und legt sie neben sich ab. Seit einem Jahr bedeutet mir die Farbe ‘weiß’ sehr viel. Die Reinheit und Klarheit verzaubert mich im Handumdrehen. Es ist, als wenn wir miteinander kommunizieren können. Ich freue mich immernoch sehr über den Schritt, Dinge losgelassen zu haben. Auch Menschen. Eine Last fiel von meinen Schultern und es war wie der Befreiungsruf eines unterdrückten Volkes. Jede Zelle in mir war plötzlich voller frischer und neuer Energie. Die wenigen unangenehmen Dinge sind längst weit weg gerückt. Ich überlege noch, wozu das gut ist oder eb es überhaupt gut ist … .

Creative Commons License photo credit: net_efekt

Extraweg

Der Nikolaus namens Mama sorgte für eine kleine Überraschung am heutigen Tage. Zu einer mir ziemlich unwillkommenen Zeit klingelte der Postbote und übergab mir die schöne Sendung. Darin enthalten war unter anderem ein liebevoller Brief. Geschrieben mit Füllfederhalter in lila Tinte. Moment, dachte ich mir. Wo ist eigentlich mein defekter Füllfederhalter? Kurzer Hand reanimierte ich ihn und damit auch ein paar Erinnerungen: Während meiner Schulzeit schrieb er z.B. nicht immer Einser. Was nicht schlimm war. Viel nerviger war die Suche nach Patronen. In einem 3000-Seelen-Dorf auf einer Insel, weit ab von jeglicher Zivilisation, gab es keinen Schreibwarenladen mehr nach … ich versuche mich zu entsinnen … 1995?! Bis heute mag ich keine Kugelschreiber und bis heute muss ich immer einen Extraweg einlegen, um Patronen für meinen heiß geliebten Füller zu bekommen. Aber manchmal lohnt sich der Weg, wenn man das Ziel fest vor Augen hat. :-)

[Ich bin übrigens blutiger (im wahrsten Sinne des Wortes) Photoshop Anfänger!!!]

Deine Zeit ist um

Wenn ich auf den Kalender schaue, dann kann ich es kaum fassen, dass das Jahr schon wieder in den letzten Zuckungen steckt. Dabei ist die Zeit dieses Jahr viel langsamer vergangen, als die Jahre zuvor. Gefühlt zumindest. Das muss wohl an meiner intensiven Lebensweise liegen. :-)

Wenn ich zurückblicke, dann fallen mir folgende Dinge spontan ein:

  • Die unzähligen Nächte auf den Straßen und in den Clubs von Kopenhagen.
  • Sonne, Sand und das Meer satt, geteilt mit zu vielen Urlaubern.
  • Das erste mal geflogen.
  • Einen Swingerclub mal von Innen betrachtet und gemocht.
  • Unglaubliche Begegnungen gemacht, ausgeweitet und Bänder geknüpft.
  • Viele neue Denkrichtungen und Informationen eingeholt.
  • Erneut mit einem 3,5 Tonner meinen Umzug alleine gefahren.
  • Das erste mal Sympathien für einen amerikanischen Präsidenten gehegt.
  • Einen Grundstein für meine berufliche Zukunft gelegt und darauf weitergebaut.

Manche Dinge scheinen so fern zu sein, obwohl sie in diesem Jahr stattgefunden haben. Die Erinnerung daran ist schön, aber bald kommt ein neues Jahr und die Zeit von dir, liebes 2008, ist dann abgelaufen. Der Rückblick wird mich nicht voranbringen, darum überlasse ich die Zeit jetzt der Zeit und konzentriere mich wieder auf das Jetzt. Und wie seht ihr das so? :-)

Außenseiter

Manchmal frage ich mich, ob wir so geboren werden, wie wir jetzt sind. Ist etwas an dem ‘das ist meine Bestimmung’? Und wenn ja, ab wann beginnt die Bestimmung eines jeden Einzelnen von uns? Ein alter Mann kämpft unter seiner Brücke auf Leben und Tod gegen die Kälte, war das schon im Mutterleib vorherbestimmt? Barack Obama ist Präsidentschaftskanditat der Vereinigten Staaten von Amerika, war das immer seine Bestimmung?

Finally, the last one

Ich selbst war einmal Kind und kann mich noch sehr gut an die Dinge erinnern, die da abliefen.(1) Ich war eine sehr gute Schülerin, eigentlich immer die Klassenbeste. Nach der Schule traf ich mich gern mit ein paar Mädels um zu Spielen. Wir waren Prinzessinnen, Puppenmuttis und Lehrerinnen. Unser Haus war stets für alle Gäste offen, ebenso meine Familie. Ich erkannte frühzeitig, dass Menschen unterschiedlich sind. Darüber machte ich mir schon als kleines Mädchen viele Gedanken. Ich erinner mich noch gut an meinen 4. Geburtstag, wo ich so gar keinen verstanden habe. Dabei waren alle Geburtstagsgäste vertraute Menschen. Ich interessierte mich plötzlich für die Muster auf unserem Geschirr und fragte mich, wer das wohl gemalt hätte und wer sich soetwas Schönes ausdenkt. Als ich meine Gedanken frei äußerte, schauten mich alle merkwürdig an und die Bemerkung ‘du bist aber komisch’ ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Und ich kann euch versichern, dass das bei Weitem die einfachsten Gedanken in meinem Kopf waren/ sind! Da ich bis heute die selben Denkmuster aufweise, frage ich mich, ob etwas mit der Muttermilch die ich bekam nicht stimmte oder ob Gott mich so vorgesehen hat für diese Welt?

Heute weiß ich, dass diese Art zu mir gehört und mich ausmacht. Verstehen und akzeptieren tun sie nur die Menschen, die mich so annehmen, wie ich bin. Von der ‘allgemeinen Gesellschaft’ wird man ziemlich schnell aussortiert als ‘sonderbar’ oder ‘komisch’. Hier frage ich mich, wer überhaupt darüber entscheidet, was ‘Normal’ ist und was nicht. Und was macht einen ‘Außenseiter’ aus? Wenn ich mich dagegen entscheide mich in dem ‘Rad der Welt’ mitzudrehen, warum wird das nicht einfach angenommen? Lassen wir uns von Geld und Macht soweit manipulieren, dass nicht mehr der Mensch ansich zählt, sondern nur seine Fähigkeit zur Manipulationsbereitschaft honoriert wird?

Die Basis, die man zur Entstehung eines Menschen benötigt, ist Liebe. Wenn zwei Menschen in diesem Moment ein neues Lebenwesen zeugen, dann ist da nur Liebe und nichts als Liebe. Entlässt man diesen Menschen in die Welt, kann es passieren, dass die Liebe wie ein Tropfen Wasser im trockenen Erdboden versickert. Es entwickeln sich stattdessen Abwehrmechanismen, Zwänge und Ängste bahnen sich ihren Weg. Etwas zum Füllen der Lücke findet sich immer.

Meine Defizite kann ich seit knapp einem Jahr ausfindig machen und weiß sie auch zu kompensieren – mit Liebe! Wenn ich einmal keine Antworten auf meine Fragen finde, dann weiß ich, dass die Liebe immer da ist, in mir. Sich darauf zu besinnen, lässt mich zu meinem Weg zurück finden. Der Weg der Liebe!

Creative Commons License photo credit: footloosiety

  1. Wahrscheinlich, weil es bei mir noch nicht so lange her ist (back)