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Alltagswahn Gedankensolo Lebensmüde TakeAway

Selbstliebe für die Menschheit

Charlie Chaplin erzielte nicht nur als Komiker des 20. Jahrhunderts große Aufmerksamkeit. Seine Parodien gehen auch heute noch um die ganze Welt. Zur Zeit sorgt ein Remake eines Videos zu seinem Film “Der große Diktator” für große Aufruhr im positiven Sinn.

“Es tut mir leid aber ich möchte nun mal kein Herrscher der Welt sein, denn das liegt mir nicht. Ich

möchte weder herrschen, noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann. Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des andern teilhaben und nicht einander verabscheuen. Haß und Verachtung bringen uns niemals näher. Auf dieser Welt ist Patz genug für jeden, und Mutter Erde ist reich genug, um jeden von uns satt zu machen.

Das Leben kann ja so erfreulich und wunderbar sein. Wir müssen es nur wieder zu leben lernen. Die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet und Mißgunst hat die Seelen vergiftet und uns im Paradeschritt zu Verderb und Blutschuld geführt. Wir haben die Geschwindigkeit entwickelt aber innerlich sind wir stehen geblieben. Wir lassen Maschinen für uns arbeiten und sie denken auch für uns. Die Klugheit hat uns hochmütig werden lassen, und unser Wissen kalt und hart. Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig. Aber zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen. Vor Klugheit und Wissen kommt Toleranz und Güte. Ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert.

Aeroplane und Radio haben uns einander näher gebracht. Diese Erfindungen haben eine Brücke geschlagen, von Mensch zu Mensch. Die erfordern eine allumfassende Brüderlichkeit, damit wir alle Eins werden. Millionen Menschen auf der Welt können im Augenblick meine Stimme hören. Millionen verzweifelter Menschen, Opfer eines Systems, das es sich zur Aufgabe gemacht hat Unschuldige zu quälen, und in Ketten zu legen. Allen denen die mich jetzt hören rufe ich zu : Ihr dürft nicht verzagen! Auch das bittere Leid das über uns gekommen ist, ist vergänglich. Die Männer, die heute die Menschlichkeit mit Füssen treten werden nicht immer da sein. Ihre Grausamkeit stirbt mit ihnen, und auch ihr Hass. Die Freiheit, die sie den Menschen genommen haben, wird ihnen dann zurückgegeben werden. Auch wenn es Blut und Tränen kostet, für die Freiheit ist kein Opfer zu groß.

Soldaten vertraut euch nicht Barbaren an, Unmenschen die euch verachten, und denen euer Leben nichts wert ist, ihr seid für sie nur Sklaven. Ihr habt das zu tun, das zu glauben, das zu fühlen. Ihr werdert gedrillt, gefüttert, wie Vieh behandelt, und seid nichts weiter als Kanonenfutter. Ihr seid viel zu schade für diese verehrten Subjekte. Diese Maschinenmenschen, mit Maschinenköpfen, und Maschinenherzen. Ihr seid keine Roboter, ihr seid keine Tiere, ihr seid Menschen! Erwahrt euch die Menschlichkeit in euren Herzen und hasst nicht, nur wer nicht geliebt wird hasst, nur wer nicht geliebt wird. Soldaten kämpft nicht für die Sklaverei, kämpft für die Freiheit.

Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht : Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht nur in einem oder in einer Gruppe von Menschen. Vergesst nie, Gott liegt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht. Die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu durchdringen. Daher im Namen der Demokratie : Laßt und diese Macht nutzen! Laßt uns zusammen stehen! Laßt uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt! Die jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt. Versprochen haben die Unterdrücker das auch, deshalb konnten sie die Macht ergreifen. Das war Lüge, wie überhaupt alles, was sie euch versprachen, diese Verbrecher. Diktatoren wollen die Freiheit nur für sich, das Volk soll versklavt bleiben. Laßt uns diese Ketten sprengen! Laßt uns kämpfen für eine beseere Welt! Laßt uns kämpfen für die Freiheit in der Welt, das ist ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Nieder mit der Unterdrückung, dem Hass und der Intoleranz! Laßt uns kämpfen für eine Welt der Sauberkeit. In der die Vernunft siegt, in der uns Fortschritt und Wissenschaft allen zum Segen reichen. Kameraden, im Namen der Demokratie : Dafür laßt uns streiten!”

Charlie Chaplin

Ich möchte allen Lesern noch einen weiteren Text ans Herz legen, den Charlie Chaplin zu seinem 70. Geburtstag schrieb (16. April 1959):

 

Als ich mich selbst zu lieben begann, erkannte ich, daß Seelenschmerz und emotionales Leiden nur Warnzeichen sind dafür, daß ich entgegen meiner eigenen Wahrheit lebe. Heute weiß ich, das ist “AUTHENTISCH SEIN”. Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, daß der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute nenne ich das “RESPEKT”. Als ich mich selbst zu lieben begann, hörte ich auf, mich nach einem anderen Leben zu sehnen, und ich konnte sehen, daß alles, was mich umgibt, mich einlädt zu wachsen. Heute nenne ich dies “REIFE”. Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, daß ich mich in allen Umständen stets zur rechten Zeit am richtigen Ort befinde und alles genau zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da konnte ich gelassen sein. Heute nenne ich dies “SELBST-VERTRAUEN”. Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen – und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus. Heute nenne ich das “EINFACHHEIT”. Als ich mich selbst zu lieben begann, befreite ich mich von allem, was nicht gesund ist für mich – Nahrung, Menschen, Dinge, Situationen – und von allem, was mich herunterzieht und mich von mir wegzieht. Erst nannte ich diese Haltung ei- nen “GESUNDEN EGOISMUS”. Heute weiß ich, das ist “SELBSTLIEBE”. Als ich mich selbst zu lieben begann, ließ ich es sein, immer recht haben zu wollen, und seitdem habe ich mich viel weniger geirrt. Heute habe ich entdeckt, das ist MÄSSIGUNG (wahre BESCHEIDENHEIT). Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiterhin in der Vergangenheit zu leben und mich um die Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur für diesen Augenblick, wo ALLES stattfindet. Heute lebe ich jeden Tag einfach nur Tag für Tag, und ich nenne es ERFÜLLUNG. Als ich mich selbst zu lieben begann, erkannte ich, daß mein Denken mich verstören, unruhig und krank machen kann. Doch als ich es mit meinem Herzen verbunden hatte, wurde mein Verstand ein wertvoller Verbündeter. Diese Verbindung nenne ich heute WEISHEIT DES HERZENS. Wir brauchen uns nicht länger fürchten vor Argumenten, Konfrontationen oder vor jeglicher Art von Problemen mit uns selbst oder mit anderen. Selbst Sterne stoßen zusammen, und aus ihrem Zusammenprall werden neue Welten geboren. Heute weiß ich, DAS IST “LEBEN”!

Charlie Chaplin

 

Ermutigende Worte eine Mannes, der bereits 1977 von uns gegangen ist. Weise und zutreffende Worte über unsere Entwicklung, der Menschlichkeit, über die Freiheit und den Kampf darum. Um am Ende festzustellen, dass alles über die Selbstliebe funktioniert. Und zwar immer und immer wieder. Bis in die Unendlichkeit.

 

Gedankensolo Lebensmüde

Die Kids von der Bounker Street

Sie waren kaum größer als der Eisstand, an dem sich ihre Nasen aneinander reihten. Jacky konnte gerade so das Geld auf den kleinen silbernen Teller legen, bevor sie ihre drei Kugeln Schoko bekam. Ben wollte den Eismann wie immer austricksten. Auf sein Zeichen hin begannen seine beiden Kompagnons sich in die südliche und nördliche Himmelsrichtung zu verteilen. Jacky lief blitzschnell die Straße hinunter, das Eis griffsicher in ihrer Hand. Robert versteckte sich derweil hinter dem ersten Rosenstrauch von Misses Jerke. Die ältere Dame betrat ihren Garten sowieso nur, wenn der Postbote sich traute etwas in ihren faulenden Briefkasten zu werfen. Während die beiden Kids sich also vor dem tobendem Eisverkäufer versteckten, genoss Ben sein Eis bereits auf einer Bank in der brütenden Sommerhitze. Abgehetzt vom Versteckspiel krauchten wenig später auch Jacky und Robert zu ihm. Das Eis kaum aufgegessen, schmiedeten die Drei bereits den nächsten Plan. Nun wollten sie hinunter zum Fluss und von der Brücke ins kühle Nass springen. Jacky lief in freudiger Erregung den beiden voran. “Nun kommt schon oder wollt ihr, dass die Sonne euch schmilzt”, grinste sie frech. Das ließen sich die Jungs nicht zweimal sagen und so lieferten sie sich ein Wettrennen bis zum Ufer. An der Flussbrücke rissen sich die Drei die Klamotten vom Leib und kletterten die Holzpfähle hinauf zu dem kleinen Vorsprung, den bereits die Eltern ihrer Großeltern zum Absprung ins Wasser benutzten. Die Jungs sprangen voran. “Komm Jacky, es ist herrlich hier unten”, riefen die beiden ihrer zierlichen Freundin zu. Jacky, die die Höhe nur mit Ehrfurcht ertrug, kniff ihre Augen so fest sie nur konnte zusammen und spannte ihre Füße an. Sie wollte genau so weit hinaus springen wie ihre beiden Freunde. Sie bemühte all ihre Kräfte und sprang so weit ab, wie sie nur konnte. Zuviel. Denn fortan zählte die Bounker Street ein Kind weniger.

Gedankensolo

Nur noch einmal

In einem Haus am Rande einer Stadt lebte ein Mann. Er arbeitete jahrelang in einer kleinen Autofarbik nicht unweit seiner Wohnung. Eines Tages erblindete er sehr plötzlich durch eine Erkrankung. Er verlor sein komplettes Augenlicht. Über die Zeit kam er aber sehr gut zurecht und konnte sich seinen Alltag arrangieren.

Als das Weihnachtsfest vor der Tür stand, erledigte der Mann seine Einkäufe. Er hatte sich frischen Rotkohl gegönnt, dazu eine Gänsekeule und einen schönen Barolo. Bepackt mit den Tüten und einem Rucksack stieg er die Treppen im Hausflur hinauf, als ihm plötzlich eine bekannte Stimme begegnete. “Frohe Weihnachten, lieber Nachbar”, hauchte eine gleichaltrige Stimme ihm entgegen. “Das wünsche ich Ihnen auch, Frau Nachbarin”, gab der Mann freudig zurück. “Wie verbringen Sie denn die Feiertage”, wollte er neugierig wissen. “Ach, wissen Sie, seit meinem Arbeitsunfall bekomme ich nur selten Besuch und meine Kinder haben mittlerweile ihre eigene Familie.” “Das tut mir leid”, gab der Mann traurig kund. “Ich komme zurecht, sehr gut sogar”, erwiderte die Frau entschlossen. “Ich habe Jahre lang in einer Fabrik für Pyrotechnik gearbeitet, bis ich eines Tages einen Arbeitsunfall hatte und mir mein linker Arm und meine rechte Hand amputiert werden mussten. Seitdem weiß ich, was Leben bedeutet, denn ich bin nur knapp dem Tod entgangen. Und wenn man solch ein Schicksal hat, dann sehnt man sich im Grunde nur nach einem.” “Ich weiß genau, was sie meinen”, zögerte der Mann keine Sekunde. “Ich verlor mein Augenlicht vor Jahren und sehne mich seitdem nur noch einmal danach den Sonnenaufgang zu sehen.” Die Frau nickte zustimmend. “Und ich möchte nur noch einmal berühren – den warmen Strandsand am Meer, den klebrigen Honig und vielleicht noch das Fell eines Hundes.”

Beide Nachbarn unterhielten sich noch lange auf der Treppe im Hausflur. Ihr gemeinsamer Wunsch nur noch einmal etwas tun zu können, was sie bis zu einem bestimmten Tag ganz selbstverständlich taten, war so groß, dass sie gemeinsam nach einer Lösung suchten. “Ich kenne einen Professor in Amerika. Er kann uns vielleicht helfen”, sprach der Mann euphorisch aus. “Dann lassen Sie uns das tun.” Ohne zu zögern waren beide fest entschlossen, ihren Plan sofort umzusetzen und taten dies auch.

Nach einigen Wochen kamen sie zurück aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Mann war nun in der Lage zu sehen und die Frau konnte ihre beiden neuen Hände schon gut bewegen. Als bald machten sich die Beiden auf den Weg zum Meer. Die Frau rannte freudig mit bloßen Füßen durch den feinen Sand und kniete dankend zu Boden. “Ich hätte dieses Gefühl vom feinen Sand, der durch meine Finger rieselt, nie vergessen. Aber jetzt ist es noch schöner und intensiver”, freute sich die Frau. Der Mann setze sich neben sie und wartete gespannt auf die ersten Sonnenstrahlen, die langsam hinter dem Horizont hervor kamen. “So wunder, wunderschön”, flüsterte er leise, während ihm eine Träne über die Wange kullerte.

Beide konnten das Gefühl, was sie noch einmal erleben wollten, sehr lange genießen. Sie waren froh über ihre Entscheidung, noch einmal alles für ihren Traum getan zu haben. Manchmal lohnt es sich eben, nicht gleich aufzugeben!

Gedankensolo

Grau in Grau

Rike blickte ernüchtert in ihren Kleiderschrank. “Die hellgraue oder die dunkelgraue Strickjacke”, fragte sie sich mit unverändertem Gesichtsausdruck. Beim Blick aus dem Fenster verzogen sich ihre Mundwinkel tief nach unten. Der Tag heute schien für sie nichts übrig zu haben, was sie nicht schon kannte.

Verdrossen schmiss sie sich ihre graue Regenjacke über und stopfte ihre Füße krampfhaft in die viel zu kleinen, grauen Gummistiefel. “Auf geht’s!”. Der Sarkasmus in ihrem Ton war nicht zu überhören, aber sie wollte ihm eine gewisse Leichtigkeit unterjubeln.

Eine viertel Stunde später stand Rike vor dem kleinen Lädchen an der Ecke. Ihr fiel zum hundertsten Mal das ausgeblichene Firmenschild auf, was einmal eine freundliche Farbe gehabt haben muss, bevor es sich in Mausgrau verwandelte. Als sie den Laden betrat, bot sich ihr das triste Bild, welches den Laden nur zu einem von vielen machte: die Leute packten gelangweilt Gegenstände in ihre Körbe, bevor sie sie zum Bezahlen auf das Laufband schickten. Eine Kundin erweckte plötzlich Aufsehen mit ihrer Nachfrage: “Haben Sie diese Woche keine grauen Bananen bekommen? Die da hinten sind so dunkel, dass sie schon fast nicht mehr grau sind. Wann bekommen sie denn wieder frische Ware?” Rike erledigte wie gewohnt ihre Besorgungen und verließ den Laden in dem Tempo, in dem auch der Rest der Welt alle Dinge verrichtete. Doch etwas brachte sie völlig aus dem Konzept. Auf dem grauen Parkplatz vor dem Laden stockte nicht nur ihr der Atem, sondern alle Leute blickten neugierig gen Himmel. Zwischen den vielen grauen Wolken verschaffte sich ein leuchtender Regenbogen Platz. Seine Farben reichten von fast Weiß über Purpurrot bis hin zu tiefem Ozeanblau. Rike fiel die graue Kinnlade herunter. Ihre Einkaufstüten taten es ihr gleich. Fast wie in Trance sank sie langsam zu Boden, bis ihre Knie die kalten Pflastersteine erreichten. Eine Träne bannte sich ihren Weg über Rike’s Wange und versiegte auf ihrem Arm. “So wunder, wunder schön”, kam es zaghaft über ihre Lippen, als wenn sie den Regenbogen nicht verscheuchen wollten.

Rike kniete noch bis zum Sonnenuntergang an jener Stelle, die für sie den Farbklecks ihres Lebens bedeutet, bis der Regenbogen endgültig in der grauen Nacht versank.

Alltagswahn Gedankensolo

Auf der Suche

In den unendlichen Weiten deines Ichs wirst du immer wieder Raum finden, den du nicht zu füllen weißt. Die Leere dort drinnen wird dir komisch vorkommen, aber mit der Zeit wirst du sie akzeptieren. Deine Fragen werden Antworten mit sich bringen und du wirst dich vollkommener fühlen.

Unendlich viel Schwarz kannst du nicht durch einen Tropfen Weiß auffüllen. Du wirst es versuchen. Immer und immer wieder. Und vielleicht gelingt es dir ja das Dunkel ein wenig zu erhellen. Nur ein kleines bisschen. Ganz wenig.

Man ist immer allein, wenn es um einen selbst geht. Wo einst Menschen um dich waren, stehen verstumme Körper um dich. Sie werden dir nicht zuhören. Du musst dir selbst zuhören. Auf der Suche nach Ohren und Augen wirst du bei dir selbst ankommen. Auf den Rest kannst du dann gut und gerne verzichten.

Alltagswahn Gedankensolo

Lachen oder Weinen

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Mir fallen momentan so viele Dinge auf, die sich um mich herum abspielen.

… Da sitzt eine Frau neben mir im Zug und cremt sich während der 20 minütigen Fahrt ununterbrochen die Hände ein…

…Ein junges Mädchen, kaum älter als ich, telefoniert mit einer Freundin und erzählt ihr, dass sie jeden Tag eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit kommt und nächste Woche ersteinmal für 2 Wochen krank macht, da die Chefs eh im Urlaub sind…

…Eine junge türkische Familie sitzt sich wortlos gegenüber. Ihre kleine Tochter, schätzungsweise knapp 3 Jahre alt, streckt ihre Arme zum Sitz gegenüber aus und strahlt vor Freude, weil sie die Sitzbank mit ihren kleinen Händen erreicht. Der Vater flippt vollkommen aus, als die Kleine daraufhin ihren linken kleinen Finger in den Mund steckt. Sie sei schmutzig und man mache das nicht. Noch bevor er seine drohenden Worte ausgesprochen hat, schlägt er sie. Aus den großen Augen rollen Kullertränen. Der Vater beschimpft seine Tochter immer und immer wieder. Die Mutter kümmert das alles nicht…

…Ich rufe die Telefonnummer eines Clubs an, die unter Kontakt angegeben ist und werde für meinen Anruf blöd angefahren. Trotzdem bleibe ich nett und bekomme erneut eine dumme Ansage…

…Die Verkäuferin zockt mir das 3. mal in Folge einen Euro zu viel ab und auf meinen Hinweis ist sie mehr als angepisst…

…Ein junges Mädchen knutscht mit einem Mann, der ihr Opa sein könnte und sagt ihm, dass sie es auch ohne Gummi machen würde…

Verkehrte Welt, in der man nicht weiß, ob einem zum Lachen oder zum Weinen zu Mute ist. Und immer wieder stelle ich fest, dass ich empfänglich bin. Zumindest für solche Sachen.

Alltagswahn Gedankensolo

Letzte Gedanken 2008

Der saftig, grüne Grashalm zwischen meinen beiden Daumen und den Handballen sieht so friedlich aus. Erst wenn ich einen Ton daraus hervor bringe, scheint die Welt um mich herum zum Leben zu erwecken. Manchmal treffen wir uns  zum Mittagessen. Ihn kennen alle und wenn er das kleine Restaurant betritt, ruft er halblaut ‘Mahlzeit’. Dabei fasst er mit einem gekonnten Griff an seine Arbeitsmütze und legt sie neben sich ab. Seit einem Jahr bedeutet mir die Farbe ‘weiß’ sehr viel. Die Reinheit und Klarheit verzaubert mich im Handumdrehen. Es ist, als wenn wir miteinander kommunizieren können. Ich freue mich immernoch sehr über den Schritt, Dinge losgelassen zu haben. Auch Menschen. Eine Last fiel von meinen Schultern und es war wie der Befreiungsruf eines unterdrückten Volkes. Jede Zelle in mir war plötzlich voller frischer und neuer Energie. Die wenigen unangenehmen Dinge sind längst weit weg gerückt. Ich überlege noch, wozu das gut ist oder eb es überhaupt gut ist … .

Alltagswahn Gedankensolo

Versager

Ich fühle mich manchmal wie ein erwachsenes Kleinkind. Die Fragen in meinem Kopf könnten durchaus aus der Phase einer 3 jährigen stammen, die die Welt entdeckt. Dabei habe ich gelegentlich das Gefühl, dass ich mit meinem Wissensstand und meiner Persönlichkeit Menschen nicht gerecht werde. Ab und zu überkommen mich eben diese negativen Eigengedanken. Vollkommen grundlos und vollkommen unsinnig! Denn niemand muss jemandem auf der Welt gerecht werden oder der Welt genügen. Trotzdem suchen mich diese Plagegeister heim und ich bin in solchen Momenten eher schwach und regungslos, als stark und selbstbewusst.

Mir hat eine ehemalige ‘Freundin’ nach meiner Rückkehr aus Kopenhagen auf den Kopf zugesagt, dass ich versagt hätte, in Dänemark. Wenn ich an diesen Satz zurückdenke, dann sehe ich vor meinem geistigen Auge ganz klar, dass ich solche Sätze in meinem Leben nie wieder hören möchte und sie auch nicht brauche! Es bleibt allein Gott überlassen, etwas zu meinem Leben zu sagen und selbst das tut er nie in Form eines Urteils oder sonst wie.

Niemand ist auf diesem Planeten ein Versager! Fehler sind zum verzeihen da! Unser Gehirn hat die Kapazität neue Verknüpfungen durch Lernen zu schaffen! Wieso sollte es also Versager geben? Nicht alles, was man im Leben tut, muss der ‘Gesellschaft’ gefallen. Das, was mir gefällt und mich glücklich macht, das ist meine Gesellschaft! Damit umgebe ich mich und da darf ich auch ICH sein.

P.S.: Ich möchte euch die  Überlegung mit auf den Weg geben, warum Menschen ‘Penner’(1) so verachten? Ist es, weil sie nicht ins Bild der ‘Gesellschaft’ passen oder weil sie schlicht weg den Lebensweg eines ‘Penners’ nicht akzeptieren können?

  1. Das Wort ‘Penner’ empfinde ich als ungerecht schäbig. (back)
Alltagswahn Gedankensolo

Misstrauen

Klare Sonnenstrahlen blitzen portuberanzenähnlich durch den winzigen Schlitz der Schallosie™. Meine Augen mühen sich noch die Helligkeit zu akzeptieren. Doch langsam befreie ich mich aus meinem Kuschelgemach und starte in den Tag.

Mein Ausblick zeigt die Farbenpracht der ällmählich welkenden Blätter. Ich freue mich auf alles, was heute kommen wird. Vollgetankt mit Energie sauge ich die frische Luft in meine Lungen und pumpe den reinen Sauerstoff in jede einzelne Kapillare meines Körpers. Dabei sind meine Augen fest verschlossen und öffnen sich erst kurz danach für den Blick gen Himmel. Der Horizont ist grenzenlos.

Begegnungen werden wir immer haben. Mich erstaunt dabei immer wieder das Misstrauen, was Menschen gegenüber ihres Gleichen haben. Kein Wort, nur Blicke bestimmen dabei die Gedanken und das meist darauf folgende Urteil. Und damit bescheißen sie sich alle selbst: die Angst davor enttäuscht zu werden, dominiert alles Handeln. Warum hat man vor etwas Angst, was noch nicht eingetreten ist? Fühlt sich Misstrauen so gut an, dass man es mit sich herum tragen muss?

Wenn wir in die Natur gehen, dann schenkt sie uns ihre Schönheit. Dann ist da kein Misstrauen, dass wir sie eventuell zerstören. Da ist nur reine Liebe, die uns geschenkt wird. Die Natur misstraut auch nicht ihres Gleichen. Sie lebt in ihrem natürlichen Einklang mit sich und ihrer Umwelt. Sie lügt sich nicht an, spricht aber klare Worte, die jeder versteht.

Nur wir Menschen misstrauen, lügen und zerstören damit vieles, wenn nicht sogar alles. Ich hoffe mir noch lange meine Offenheit gegenüber der Natur, aber auch den Menschen, erhalten zu können, denn das ist ein schönes Gefühl, was ich ungern in meinem Herzen vergraben möchte.

Gedankensolo

Vertrautes Gesicht

Auf einer Wiese, zwischen all dem Gras, schauten mich ein paar vertraue Blätter an. Ich ging vorbei. Auch an den nächsten ging ich vorüber. Doch dann blieb ich stehen, bückte mich und zupfte ein kleines, frisches Blatt aus der Erde. Als ich es in den Händen hielt, fiel ich aus allen Wolken. Es waren Eikalikalokis™. Das war das Wort, was ich als Kind immer zur Verblüffung aller benutzte, um Sauerampfer zu benennen.

Wir saßen als Kinder immer auf einer Wiese bei einer Nachbarin, die ihr Eigentum nur als Sommerresidenz nutzte. Unser Haus war etwas abseits von der Straße gelegen und wir Kinder und Nachbarskinder nutzen das Grundstück der Nachbarin immer, um etwas näher am Geschehen unseres kleinen Ortes zu sein (und sicherlich auch, um von den Eltern etwas abseits zu rücken). Dort saßen wir nun dicht zusammen auf der grünen Wiese und erzählten uns Geschichten. Dabei ernteten wir wie große Bauern in unserem Radius die Blätter der Sauerampferplanze. Niemand erzählte uns, dass die kleinen Blätter, den wohlhabensten Geschmack haben. Dennoch wussten wir es und jeder suchte so viel er eben essen konnte für sich. Unzählige Tage kehrten wir mit Bauchschmerzen nach Hause zurück, trotzdem haben die sauer schmeckenden Blättchen einen derart eigensinnigen Geschmack hinterlassen, dass ich ihn zwischen den Jahren meiner Kindheit und heute oft auf der Zunge hatte.

Als ich das kleine Blatt vorsichtig in meinem Mund zerkaute, belebte es in mir all die Bilder, die ich mit einem Schleier verdeckt, aber nicht vergessen hatte. Mit der Sonne im Rücken kam mir nur ein einziger Gedanke auf: danke für all die schönen Momente.