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Federflug

Aus dem Film ‘Glaubensfrage’:

Eine Frau klatschte mit einer Freundin über einen Mann, den sie kaum kannte. In jener Nacht hatte sie einen Traum:

Über ihr erschien eine große Hand und zeigte auf sie. Sofort überkamen sie die allerschimmsten Schuldgefühle. Am nächsten Tag ging sie zur Beichte. Sie kam zu dem alten Gemeindepfarrer, Pater Oroke. Sie erzählte ihm die ganze Sache. ‘Ist Klatsch vielleicht eine Sünde?’ fragte sie den alten Mann. ‘War es die Hand Gottes des Allmächtigen die mit dem Finger auf mich gezeigt hat? Soll ich Sie bitten mir die Absulotion zu erteilen, Pater? Sagen Sie mir, habe ich eine Sünde begangen?’ – ‘Ja!’ antwortete ihr Pater Oroke. ‘Ja, du unwissendes, schlecht erzogenes Frauenzimmer. Du hast falsch Zeugnis abgelegt wider deinen Nächsten. Du solltest dich von ganzem Herzen schämen. Denn du hast mit seinem guten Ruf Schindluder getrieben.’ Die Frau sagte, dass es ihr sehr Leid tue und bat den Pater um Vergebung. ‘So leicht geht das nicht.’ sagte Pater Oroke. ‘Erst gehst du nach Hause Weib, steigst mit einem Kissen auf ein Dach, schlitzt es mit einem Messer auf und kommst dann wieder zu mir.’ Die Frau ging also nach Hause, nahm ein Kopfkissen von ihrem Bett, holte eine Messer aus der Schublade und stieg über die Feuerleiter auf ihr Dach und schlitzte das Kissen auf. Sie ging wie angeordnet zum alten Gemeindepfarrer zurück. ‘Hast du getan, was ich dir aufgetragen habe?’ fragte er. ‘Ja, Pater.’ – ‘Und was kam dabei heraus?’ – ‘Federn.’ antwortete sie. ‘Federn’ wiederholte er. ‘Federn, überall Pater.’ – ‘Ich möchte, dass du wieder zurück gehst und jede einzelne Feder die der Wind davon getragen hat wieder einsammelst.’ – ‘Pater,’ sagte sie ‘das ist ganz unmöglich. Sie sind in alle Winde zerstreut. Ich weiß nicht, wo sie hingeflogen sind.’ ‘Und das‘ sagte Pater Oroke ‘ist Klatsch Weib!’


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Man fühlt sich immer nur von Dingen berührt, die einen auch betreffen. Ich möchte alle Menschen um Verzeihung bitten, über die ich getratscht, geklatscht oder gelästert habe. Ich weiß, dass ich darin sehr zurückhaltend bin. Dennoch passiert es mir auch. Ich habe keinen Finger auf meinem Kopf gespürt oder gehe nun zur Beichte, aber diese Stelle des Films hat mich angesprochen und das war für mich ein ganz persönliches Zeichen von Gott, dass einen Sinn hat. Darum nocheinmal: ich bitte nicht wegen der 10 Gebote um Verzeihung(1), sondern weil es nicht in Ordnung geht, Dinge über Personen auszusprechen, die nicht anwesend sind.

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  1. oder damit ich statt in die Hölle in den Himmel komme. (back)

Vogelfrei

Es war einmal ein Vogel. Er besaß ein Paar vollkommener Flügel und glänzende, bunte, wunderbare Federn und war dazu geschaffen, frei am Himmel zu fliegen, denen zur Freude, die ihn sahen.
Eines Tages sah eine Frau diesen Vogel und verliebte sich in ihn. Sie schaute mit vor Staunen offenem Mund seinem Flug zu, ihr Herz schlug schneller, ihre Augen leuchteten vor Aufregung. Er bat sie, ihn zu begleiten, und beide schwebten in vollkommener Harmonie am Himmel. Und sie bewunderte, verehrte, feierte den Vogel.
Aber dann dachte sie: Vielleicht möchte er ferne Gebirge kennenlernen! Und die Frau bekam Angst. Fürchtete, dass sie so etwas mit einem anderen Vogel nie wieder erleben könnte. Und sie wurde neidisch auf den Vogel, der aus eigener Kraft fliegen konnte.
Und sie fühlte sich allein.
Und dachte: ‘Ich werde dem Vogel eine Falle stellen. Wenn er zurückkommt, wird er nie wieder wegfliegen können.’
Der Vogel, der auch verliebt war, kam am nächsten Tag zurück, ging in die Falle und wurde in einen Käfig gesteckt.
Die Frau schaute täglich nach dem Vogel. Er war ihre ganze Leidenschaft, und sie zeigte ihn ihren Freundinnen, die meinten: ‘Du hast vielleicht ein Glück.’ Dennoch vollzog sich eine merkwürdige Veränderung: Seit sie den Vogel besaß und ihn nicht mehr zu erobern brauchte, begann sie das Interesse an ihm zu verlieren. Der Vogel, der nicht mehr fliegen konnte, was den Sinn seines Lebens ausmachte, wurde schwach, glanzlos, hässlich. Die Frau beachtete ihn nicht mehr, fütterte ihn nur noch und reinigte seinen Käfig.
Eines Tages starb der Vogel. Die Frau war tieftraurig und konnte ihn nicht vergessen. Aber sie erinnerte sich dabei nicht an den Käfig, nur an den Tag, an dem sie den Vogel zum ersten Mal gesehen hatte, wie er fröhlich zwischen den Wolken dahinflog.
Hätte sie genauer in sich hineingeschaut, so hätte sie bemerkt, dass dass, was sie am Vogel so sehr begehrte, seine Freiheit war, sein kräftiger Flügelschlag, nicht sein Körper.
Ohne den Vogel verlor auch für die Frau das Leben seinen Sinn, und der Tod klopfte an ihre Tür. – ‘Wozu bist du gekommen?’ fragte sie den Tod. – ‘Damit du wieder mit dem Vogel zusammen am Himmel fliegen kannst’, gab der Tod zur Antwort. ‘Wenn du ihn hättest fliegen und immer wiederkommen lassen, hättest du ihn geliebt und noch mehr bewundert; aber nun brauchst du mich, um ihn wiederzusehen.’

Aus dem Buch ‘Elf Minuten’ von Paulo Coelho. (Seite 228-229)

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Diese Stelle des Buches ist stets präsent in mir, aber leider mal mehr und mal weniger bewusst. Die bildhaften Worte beschreiben die Realität so zutreffend. Aber zu selten ist man sich über die Realität im Klaren.

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Die Sache mit der Entscheidung

Lieber das kleine Schwarze oder das lange Rote? So stehen wir täglich vor dem Kleiderschrank des Lebens. Mit unserem Augenaufschlag öffnen wir jeden Tag die mächtigen Türen zum Leben. Und dann schwingen wir uns in die Rutsche der Entscheidungen. Ob es die Menge der Zahnpasta auf den Borsten ist oder wann wir jemandem ein Lachen schenken.

Manchmal gelangen wir an einen Punkt, wo die Sache mit den Entscheidungen viel von einem abverlangt. Lebensverändernde Entscheidungen. Sie sind so schwer wie eine Tonne Blei, das Resultat aber leicht wie eine Feder.

Wer zu lange zögert, bevor er einen Schritt macht, verbringt vielleicht sein ganzes Leben auf einem Bein.

Anthony de Mello

switch - Which way you'll turn?Manchmal stehe ich gefühlt endlos lange auf einem Bein und merke es erst, wenn ich kurz vorm Umkippen bin. Mittlerweile ist mein eines Bein so sehr angegriffen von der einseitigen Belastung, dass ich vor Schmerzen schneller zu einer Entscheidung komme. Merke: es muss also nicht erst weh tun, bevor man zu einer Entscheidung kommt. Vielleicht gelingt mir das zukünftig noch besser. :-)

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Helfende Hände

Jeder Ort ist anders. Und jedes mal stellt man sich auf die neuen Gegebenheiten ein. Ob es der Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ist oder die Einkaufsmöglichkeiten um die Ecke. Alles wird neu entdeckt. Mein Organisationstalent in allen Ehren. Aber alles kann ich nicht allein schaffen. Um so mehr, nahm ich heute die helfenden Hände meiner Mama entgegen. Sie ist mittlerweile auch ein paar mal umgezogen, ebenso wie ihr Lebensgefährte. Aus früheren Behausungen haben sich viele kleine Dinge angesammelt, die sie beide gern weitergeben möchte. Es fühlte sich an, wie das Beschreiten einer riesigen Schatzkammer. Ich flog wie eine Feder durch die Gänge und pickte willkürlich mit dem Finger Gegenstände heraus. Der vertraute Geruch und die Wiedererkennung einzelner Stücke erweckte ein wohliges Gefühl in mir. Kennt ihr das? Wenn man etwas ganz lange nicht vor Augen hatte, dann ist das wie ein Neukauf. Irgendwie fühlt es sich warm und befriedigend an. Und dabei ist es gar nicht neu. So ist das auch manchmal mit Kleidungsstücken. Nun habe ich mir einen Sprinter mit 3,20 m Ladefläche reservieren lassen. Und es muss alles mit! Ohne Widerrede! Mein Papa sagt: ‘Wenn ich packe, dann bekommst du auch noch meine komplette Hauseinrichtung mit!’ Ok, ich vertraue da ganz auf die väterlichen Packfähigkeiten. ;-)

Nun hocke ich mit meiner Mama im Wohnzimmer mit einem Glas Wein, oder auch zwei, oder drei. Wir schauen uns wie zwei Girlies den neuen IKEA Katalog an und machen Eselsohren in unzählige Seiten. Überall um uns herum liegen leere Pistazienschalen. Trotz mangelndem, räumlichen Vorstellungsvermögen meiner weiblichen Person sehe ich mit den neuen Gegenständen schon genau die Wohnung bestückt vor mir. Mittwoch, der 1. Oktober, wird ein harter Tag, aber ich pflege da ganz die optimistische Haltung Obamas: ‘Yes we can’. :-)