Zitiert

Der Schriftsteller schreibt für die Leser von morgen zu den Honoraren von gestern.

Hans Weigel

 

 

Schlechte Laune ist ebenso unanständig wie schmutzige Hände.

Johannes Müller

 

 

 


 


 

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Buchtipp: Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

 

Ich möchte noch einmal ausführlich über meine neueste Bucherrungenschaft berichten. Es handelt sich um ein kleines, gebundenes Goldsstück von 193 Seiten. Der Name: “Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna”. Der Autor heißt schlicht und einfach Fynn und hat dieses zauberhafte Meisterwerk 1974 in Englisch geschrieben. Der Bestseller ist mittlerweile in vielen Sprachen erhältlich (natürlich auch auf Deutsch).

Die Geschichte handelt von einem 5-jährigen Mädchen, das vor der Gewalt in ihrem zu Hause flieht und in die Arme von Fynn läuft. Dieser nimmt sie mit seinen 19 Jahren bei sich, seiner Mutter und seinen Geschwistern zu Hause auf. Fortan verändert sich sein Leben derart, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Und zwar zum Positiven. Denn die kleine Anna scheint in ihrer Art und mit ihrer Denkweise ein kleiner Engel zu sein. Anna denkt über alles und jeden nach und bezieht sich dabei in ihrer wundervoll kindlichen Art immer wieder auf ihren Glauben an Gott. Mister Gott halt. Das Buch nimmt leider kein Happy End, denn die kleine Anna stirbt bei einem Unfall. Doch selbst der Tod ist für sie nichts Schlimmes, denn: “Tod sein ist Ausruhen. Da kannst du zurückschauen und alles in Ordnung bringen, bevor zu weitergehst.” (Keine Angst, dieses Buch ist nicht für religiöse Menschen, sondern für alle gedacht.)

Übrigens: Darauf gestoßen bin ich am Duisburger Hauptbahnhof, als ich mir die Wartezeit auf meinen Schulexpress nach Köln in der Buchhandlung Grauert vertrieb. Das Regal gegenüber der Kasse zog mich quasi magisch an mit seinen kleinen Schätzen. Als nächstes habe ich mir schon diesen hier bestellt.

Falls ihr mögt, die Fischer TaschenBibliothek hat so einige Entdeckungen auf Lager! :-)

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Freunde

Ich weiß nicht, ob du das Gefühl kennst, angekommen zu sein. Es ist eine Mischung aus heimischen Wurzeln und beendeter Suche. Die beschützenden Mauern eines Hauses, die dir immer gefehlt haben. Ein Fundament für die Ewigkeit. Die Vertrautheit in Person. Der ewige Frühling.

Jedenfalls, wenn du das Leben so sehr zu schätzen und zu lieben weißt, die Sonne für dich jeden Tag ein bisschen heller scheint und die Welt sich spürbar dreht, dann heißt dein Glück Freunde.

Schwarz wird zu Weiß und Rosa strahlt in Neonpink. Jede Berührung erzeugt Kraft in dir und die gesprochenen Worte sind der Nährboden deiner Seele. Ein Bruch wird gemeinsam gekittet und einsame Zeiten zusammen beschritten. Stummes Lachen wird zu hallendem Freudenschrei und Tränen sind getrocknet, ehe sie die Welt erblicken. Der letzte Rest Brot ist ein geteiltes Festmahl und Wasser der Wein des Lebens. Geheimnisse gehütet wie im Vatikan, Geschichten verbreitet wie auf dem Marktplatz.

Angekommen am Ort, der sich Freundschaft nennt, breite dankbar deine Hände aus, denn du umarmst deine Freunde.

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Nur noch einmal

In einem Haus am Rande einer Stadt lebte ein Mann. Er arbeitete jahrelang in einer kleinen Autofarbik nicht unweit seiner Wohnung. Eines Tages erblindete er sehr plötzlich durch eine Erkrankung. Er verlor sein komplettes Augenlicht. Über die Zeit kam er aber sehr gut zurecht und konnte sich seinen Alltag arrangieren.

Als das Weihnachtsfest vor der Tür stand, erledigte der Mann seine Einkäufe. Er hatte sich frischen Rotkohl gegönnt, dazu eine Gänsekeule und einen schönen Barolo. Bepackt mit den Tüten und einem Rucksack stieg er die Treppen im Hausflur hinauf, als ihm plötzlich eine bekannte Stimme begegnete. “Frohe Weihnachten, lieber Nachbar”, hauchte eine gleichaltrige Stimme ihm entgegen. “Das wünsche ich Ihnen auch, Frau Nachbarin”, gab der Mann freudig zurück. “Wie verbringen Sie denn die Feiertage”, wollte er neugierig wissen. “Ach, wissen Sie, seit meinem Arbeitsunfall bekomme ich nur selten Besuch und meine Kinder haben mittlerweile ihre eigene Familie.” “Das tut mir leid”, gab der Mann traurig kund. “Ich komme zurecht, sehr gut sogar”, erwiderte die Frau entschlossen. “Ich habe Jahre lang in einer Fabrik für Pyrotechnik gearbeitet, bis ich eines Tages einen Arbeitsunfall hatte und mir mein linker Arm und meine rechte Hand amputiert werden mussten. Seitdem weiß ich, was Leben bedeutet, denn ich bin nur knapp dem Tod entgangen. Und wenn man solch ein Schicksal hat, dann sehnt man sich im Grunde nur nach einem.” “Ich weiß genau, was sie meinen”, zögerte der Mann keine Sekunde. “Ich verlor mein Augenlicht vor Jahren und sehne mich seitdem nur noch einmal danach den Sonnenaufgang zu sehen.” Die Frau nickte zustimmend. “Und ich möchte nur noch einmal berühren – den warmen Strandsand am Meer, den klebrigen Honig und vielleicht noch das Fell eines Hundes.”

Beide Nachbarn unterhielten sich noch lange auf der Treppe im Hausflur. Ihr gemeinsamer Wunsch nur noch einmal etwas tun zu können, was sie bis zu einem bestimmten Tag ganz selbstverständlich taten, war so groß, dass sie gemeinsam nach einer Lösung suchten. “Ich kenne einen Professor in Amerika. Er kann uns vielleicht helfen”, sprach der Mann euphorisch aus. “Dann lassen Sie uns das tun.” Ohne zu zögern waren beide fest entschlossen, ihren Plan sofort umzusetzen und taten dies auch.

Nach einigen Wochen kamen sie zurück aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Mann war nun in der Lage zu sehen und die Frau konnte ihre beiden neuen Hände schon gut bewegen. Als bald machten sich die Beiden auf den Weg zum Meer. Die Frau rannte freudig mit bloßen Füßen durch den feinen Sand und kniete dankend zu Boden. “Ich hätte dieses Gefühl vom feinen Sand, der durch meine Finger rieselt, nie vergessen. Aber jetzt ist es noch schöner und intensiver”, freute sich die Frau. Der Mann setze sich neben sie und wartete gespannt auf die ersten Sonnenstrahlen, die langsam hinter dem Horizont hervor kamen. “So wunder, wunderschön”, flüsterte er leise, während ihm eine Träne über die Wange kullerte.

Beide konnten das Gefühl, was sie noch einmal erleben wollten, sehr lange genießen. Sie waren froh über ihre Entscheidung, noch einmal alles für ihren Traum getan zu haben. Manchmal lohnt es sich eben, nicht gleich aufzugeben!

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Alleinstehende

Alleinstehende. Alleinstehende sind Personen, die ohne eine feste, soziale Bindung an einen Partner, ohne Kinder und vorzugsweise auch ohne Haustiere in einem Haushalt leben. Generell scheut der Alleinstehende jegliche Verantwortung und lebt deshalb nicht nur allein, sondern auch stets distanziert zu seiner Außenwelt.

Der Begriff stammt aus dem Deutschen und bedeutet so viel wie “Unvollkommener” oder “Unvollständiger”. Dabei soll das Wort verdeutlichen, dass ein Alleinstehender abnormal lebt, da er nicht wie üblich in der deutschen Gesellschaft mit einem Partner an seiner Seite lebt. Darüber hinaus wird mit der Begrifflichkeit deutlich gemacht, dass der Partner zu einem Menschen dazu gehört, wie Arme und Beine. Einem Alleinstehenden könnte demnach neben dem ausbleibenden Partner auch ein Arm oder ein Bein fehlen. In der deutschen Statistik wird der Alleinstehende außerdem nach seinen Partnerschaften differenziert. Dabei gibt es ledige Alleinstehende, die bis dato nicht in der Lage waren, sich vor einem Standesamt trauen zu lassen oder alleinerziehende Alleinstehende, die es nicht geschafft haben, einenPartner trotz Kind an sich zu binden.

Die Verhaltensweisen von Alleinstehenden sind vielfältig definiert. Hierbei gibt es den einsamen Alleinstehenden, der allergisch auf Pärchen reagiert. Gerade zur Weihnachtszeit meidet der einsame Alleinstehende Paare, die vor namhaften und teuren Schmuckläden Gegenstände betrachten. Wehmütig zieht sich der einsame Alleinstehende dann mit Fertignahrung in seinen Bau zurück. Der gesellige Alleinstehende hingegen trifft sich an den Wochenenden mit Freunden und Bekannten, um seine Situation mit legalen und illegalen Substanzen zu verdrängen. Auch hier tritt der vollkommene Rückzug in seinen Bau nach erfolgreicher Verdrängungsphase ein.

Als Therapie für Alleinstehende hat das Internet diverse Partnerbörsen erfunden. Hier können sich Alleinstehende mehr oder minder erfolgreich von ihrem Los als Alleinstehender befreien, indem sie gegen horrende Summen mit wenig Mühe einen adäquaten Partner für ihr weiteres Leben finden. Erfolgsquoten sind garantiert!

Wer am Ende immer noch ein Alleinstehender ist, der findet in jedem örtlichen Baumarkt reißfeste Seile für nahegelegene Brücken oder Hochhäuser.

Unter diesem Begriff werde auch diverse Statistiken unserer Gesellschaft zusammengefasst.

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Träumelie

Ich möchte gerne morgens aufwachen und noch Sand zwischen den Zehen haben. Und wenn ich aus dem Bett krabbele, stehen entweder meine FlipFlops bereit oder es ist nicht zu kalt barfuß durchs Haus zu laufen. An den Wänden hängen kleine Gemälde durch die seidige Vorhänge weht der Wind.

In der Küche stehen die leeren Weinflaschen der vergangenen Abende und der Hund liegt breit auf den kalten Flurfliesen. Ich pflücke frische Orangen und Oliven und vielleicht auch einen Pfirsich. Es durftet nach frischen Tee oder Kaffee. Vor dem Haus spielen Kinder im staubigen Sand und so langsam beginnt der Tag. Auch wenn es bereits weit nach Mittag ist.

Ich ziehe mich zurück und arbeite an meinem Laptop. Dazu genieße ich einen frisch gebackenen Zitronenkuchen und irgendwann kommt mein Mann und gibt mir einen verschlafenen Guten-Morgen-Kuss auf die Stirn. Wir erledigen hier und da jeder seine Dinge und am Abend gehen wir gemeinsam zu Freunden. Ein Grill-Abend am Strand steht an.

Zu Weihnachten machen wir nix, außer den Schnee vom Dach unserer kleinen Hütte fegen, weil er droht die Ziegel arg zu beschädigen. Warm eingekuschelt genießen wir die Ruhe. Draußen. Drinnen. Überall. Zum Fest muss er arbeiten und ich hüte unsere Feuerstelle. Fertig, aber glücklich, sinken wir tief in den Schlaf.

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Stopfen und Verdauen

Ich stopfe meine Kopfhörer immer tiefer in meine Ohren. Der Schmerz interessiert mich nicht. Den Tönen, die aus den kleinen Biestern kommen, fröne ich entgegen. Und sie dringen so vollkommen bis in die letzte Windung meiner Ohrmuscheln vor. Immer wieder höre ich die Instrumente, die Stimmen, die Bewegungen der Hände und des Körpers der Künstler. Wenn man die Augen dabei schließt ist es fast so, als würde man mitspielen. Bei Bach mache ich dann auch ein paar Trockenübungen am Klavier.

Eine Fülle an Informationen strömt immernoch durch mein Gehirn und jeder Achteltakt und jedes Crescendo ist hängen geblieben. Ich verarbeite diese Informationen unglaublich schnell. Das Tempo hat Weltrekordklasse. Auch wenn es immer so einfach aussieht, ein Instrument zu spielen, das ist es für mich auch nach 12 Jahren nicht. Jetzt bin ich seit Langem aus dem Training, aber es reizt mich jeden Tag wieder anzufangen. Aber sowas fördert die Arge nicht.

Ein unglaubliches Instrument mit soviel Tiefe und Wärme!

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Lachen oder Weinen

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Mir fallen momentan so viele Dinge auf, die sich um mich herum abspielen.

… Da sitzt eine Frau neben mir im Zug und cremt sich während der 20 minütigen Fahrt ununterbrochen die Hände ein…

…Ein junges Mädchen, kaum älter als ich, telefoniert mit einer Freundin und erzählt ihr, dass sie jeden Tag eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit kommt und nächste Woche ersteinmal für 2 Wochen krank macht, da die Chefs eh im Urlaub sind…

…Eine junge türkische Familie sitzt sich wortlos gegenüber. Ihre kleine Tochter, schätzungsweise knapp 3 Jahre alt, streckt ihre Arme zum Sitz gegenüber aus und strahlt vor Freude, weil sie die Sitzbank mit ihren kleinen Händen erreicht. Der Vater flippt vollkommen aus, als die Kleine daraufhin ihren linken kleinen Finger in den Mund steckt. Sie sei schmutzig und man mache das nicht. Noch bevor er seine drohenden Worte ausgesprochen hat, schlägt er sie. Aus den großen Augen rollen Kullertränen. Der Vater beschimpft seine Tochter immer und immer wieder. Die Mutter kümmert das alles nicht…

…Ich rufe die Telefonnummer eines Clubs an, die unter Kontakt angegeben ist und werde für meinen Anruf blöd angefahren. Trotzdem bleibe ich nett und bekomme erneut eine dumme Ansage…

…Die Verkäuferin zockt mir das 3. mal in Folge einen Euro zu viel ab und auf meinen Hinweis ist sie mehr als angepisst…

…Ein junges Mädchen knutscht mit einem Mann, der ihr Opa sein könnte und sagt ihm, dass sie es auch ohne Gummi machen würde…

Verkehrte Welt, in der man nicht weiß, ob einem zum Lachen oder zum Weinen zu Mute ist. Und immer wieder stelle ich fest, dass ich empfänglich bin. Zumindest für solche Sachen.

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