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Alltagswahn Gedankensolo Lebensmüde

Die Geschichte von der kleinen Angst

Es war einmal eine kleine Angst. Sie war das Kind der bitterbösen Angst und der erhabenen Angst. Sie lebte unter der Erde. Dort, wo kein Sonnenstrahl hin möchte, aber gerade noch hingelangt. Genau dort wohnte die kleine Angst zusammen mit ihren Eltern.

Eines Tages wollte die kleine Angst von ihren Eltern wissen, warum sie nie nach oben ins Licht gingen. Dort, wo es so schön hell ist. ,,Papa”, sagte die kleine Angst, ,,warum gehen wir eigentlich nie an die Oberfläche zum Licht?” Der Vater der kleinen Angst, der mit seinem bitterbösen Blick seinem Namen alle Ehre machte, drehte sich zur kleinen Angst um und seine Stimme verkündete klar und deutlich: ,,Weil die Menschen keine Angst haben wollen.” ,,So”, dachte sich die kleine Angst, ,,dann sind wir also überflüssig?” ,,Kann man so sagen”, murmelte Vater Angst, während Mutter Angst einvernehmlich nickte.

Die kleine Angst musste lange über den Satz des Vaters nachdenken und wurde plötzlich ganz traurig. ,,Aber es muss jemanden geben, der uns braucht”, dachte sich die kleine Angst. Und so beschloss die kleine Angst jemanden zu suchen, der die Angst brauchen und mögen würde. Gleich nachdem die Eltern zu Bett gingen, machte sich die kleine Angst auf den Weg an die Oberfläche. Dort angekommen merkte sie, wie alles um sie herum anfing zu laufen. Alle Menschen, groß, klein, dick und dünn, machten sich buchstäblich aus dem Staub vor der kleinen Angst. Selbst, als die kleine Angst rief, dass sich niemand vor ihr fürchten muss, blieb niemand an Ort und Stelle. Es wollte einfach kein Mensch Angst haben.

Bis die kleine Angst ein kleines Kind traf. Es schaute die kleine Angst mit großen Kulleraugen an und lächelte schließlich. ,,Hallo”, sagte die kleine Angst, ,,ich bin die kleine Angst. Und wer bist du?” Das Kind lächelte erneut und antwortete: ,,Ich bin das kleine Kind und ich mag dich.” Die kleine Angst, völlig perplex und überrascht von dieser Reaktion, freute sich über die Begegnung mit dem kleinen Kind. ,,Sag, warum hast du keine Angst vor mir? Alle Menschen laufen vor mir weg. Niemand will mich haben. Was ist mit dir?”, fragte die kleine Angst. ,,Ich habe keine Angst”, antwortete das kleine Kind. ,,Ich bin noch so jung und in meinem Leben werden sicher noch viele Ängste kommen. Aber jetzt brauche ich noch keine Angst zu haben. Daher laufe ich auch nicht weg vor dir. Die großen Menschen haben so unglaublich viele Ängste, dass sie dich kleine Angst nicht mehr gebrauchen können. Deshalb fliehen sie vor dir. Aber ich nicht.” Die kleine Angst begriff, was hier oben an der Oberfläche vor sich ging.

Normalerweise verstecken sich Ängste immer. Aber manchmal kommen sie eben an die Oberfläche. Niemand will sie haben. Deswegen verstecken wir uns vor unseren Ängsten. Dabei ist nichts dabei, Ängste zu haben. Jeder Mensch besitzt welche.

Wenn man einer Angst begegnet, gibt es ein einfaches Prinzip, wie man herausfinden kann, ob die Angst einem nur einen Besuch abstattet oder ob sie tatsächlich berechtigt ist: Dazu stellt man sich eine Situation vor, in der man Angst haben sollte. Beispielsweise, wenn ein Säbelzahntiger vor einem steht und einen auffressen will. Steht tatsächlich ein Säbelzahntiger vor einem, dann ist die Angst berechtigt. Steht aber kein Säbelzahntiger vor einem, dann sollte man der Angst lieben Dank sagen und sie davon schicken. Das bedeutet, dass man sich bei einer aufkommenden Angst stets bewusst machen sollte, ob die Angst berechtigt ist oder nicht. Bewusstheit ist das Stichwort.

Und sollte jemand der kleinen Angst begegnen, nicht weglaufen! Denn die kleine Angst möchte auch nur geliebt werden.

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Alltagswahn Gedankensolo

Zitiert

Der Schriftsteller schreibt für die Leser von morgen zu den Honoraren von gestern.

Hans Weigel

 

 

Schlechte Laune ist ebenso unanständig wie schmutzige Hände.

Johannes Müller

 

 

 


 


 

Gedankensolo Lebensmüde

Die Kids von der Bounker Street

Sie waren kaum größer als der Eisstand, an dem sich ihre Nasen aneinander reihten. Jacky konnte gerade so das Geld auf den kleinen silbernen Teller legen, bevor sie ihre drei Kugeln Schoko bekam. Ben wollte den Eismann wie immer austricksten. Auf sein Zeichen hin begannen seine beiden Kompagnons sich in die südliche und nördliche Himmelsrichtung zu verteilen. Jacky lief blitzschnell die Straße hinunter, das Eis griffsicher in ihrer Hand. Robert versteckte sich derweil hinter dem ersten Rosenstrauch von Misses Jerke. Die ältere Dame betrat ihren Garten sowieso nur, wenn der Postbote sich traute etwas in ihren faulenden Briefkasten zu werfen. Während die beiden Kids sich also vor dem tobendem Eisverkäufer versteckten, genoss Ben sein Eis bereits auf einer Bank in der brütenden Sommerhitze. Abgehetzt vom Versteckspiel krauchten wenig später auch Jacky und Robert zu ihm. Das Eis kaum aufgegessen, schmiedeten die Drei bereits den nächsten Plan. Nun wollten sie hinunter zum Fluss und von der Brücke ins kühle Nass springen. Jacky lief in freudiger Erregung den beiden voran. “Nun kommt schon oder wollt ihr, dass die Sonne euch schmilzt”, grinste sie frech. Das ließen sich die Jungs nicht zweimal sagen und so lieferten sie sich ein Wettrennen bis zum Ufer. An der Flussbrücke rissen sich die Drei die Klamotten vom Leib und kletterten die Holzpfähle hinauf zu dem kleinen Vorsprung, den bereits die Eltern ihrer Großeltern zum Absprung ins Wasser benutzten. Die Jungs sprangen voran. “Komm Jacky, es ist herrlich hier unten”, riefen die beiden ihrer zierlichen Freundin zu. Jacky, die die Höhe nur mit Ehrfurcht ertrug, kniff ihre Augen so fest sie nur konnte zusammen und spannte ihre Füße an. Sie wollte genau so weit hinaus springen wie ihre beiden Freunde. Sie bemühte all ihre Kräfte und sprang so weit ab, wie sie nur konnte. Zuviel. Denn fortan zählte die Bounker Street ein Kind weniger.

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FrauLehmann schreibt ein Buch

Die Erlebnisse der vergangen Wochen, Monate und Jahre haben dazu geführt, dass ich all die Dinge in meinem Kopf nicht mehr nur in meinem Blog schreiben mag, sondern in ein richtiges Buch. Deshalb sitze ich bereits seit vielen Stunden an der Anfertigung meines Werkes, was den Namen “Die andere Hälfte” tragen wird. Ihr dürft gespannt sein, denn eine Fortsetzung ist bereits geplant und hat Dank eines Bekannten auch schon den aberwitzigen Namen “Die dritte Hälfte”.

Ein kleiner Vorgeschmack:

 

Sie fragen sich, warum Sie sich dieses Buch gekauft haben. Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, aber ich verrate Ihnen, worum es in diesem Buch geht: Seien Sie nicht enttäuscht, denn auf den folgenden Seiten gibt es weder eine Figur aus einem Rosamunde Pilcher Roman, noch eine vollständige Autobiografie des Autors. Zumindest aber können Sie zwischen den Zeilen Auszüge aus einem Leben entdecken und Geschichten, die Sie vielleicht sogar schon einmal selbst erlebt haben, verpackt in einer Person namens Emmy. Und Emmy ist durchaus eine Lesereise durch diesen Carpaccio-dicken Schinken wert. …

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Mein Buch wird als eBook erhältlich sein. Mehrere kleine Geschichten, die liebevoll aufeinander aufbauen, sind für unterwegs, zwischen den Kindern und abends unter der Decke gedacht. Für alle, die gerne Lesen oder sich dahin entführen lassen.

Alltagswahn Gedankensolo

Ein Stück vom Glück

by FrauLehmann
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Überraschung! Geburtstag!

Jedes Jahr überrascht er mich auf ein Neues. Der Geburtstag. Mit einer unverfrorenen Überpünktlichkeit steht er einfach vor der Tür und will beachtet werden. “Komm herein, lieber Geburtstag”, bitte ich ihn freundlich zu bleiben und versuche irgendwie Herrin über die Lage zu werden. Denn es ist ja nicht so, als hätte man 365 Tage im Jahr Zeit gehabt, sich Gedanken über das bevorstehende Fest zu machen. Nein, da verplempert man (zurecht) die gesamte Zeit damit nicht ans älter werden zu denken. Und dann beginnt der Kopf auf einmal doch zu grübeln über Geschenke, Werte und Wichtiges im Leben und vielleicht auch über den Tod. Einmal habe ich versucht alle Wünsche penibel auf eine Liste zu kritzeln. Raus gekommen sind dabei unzählige Geschenke, die ich gerne anderen machen möchte und mich selbst darüber freuen würde. Denn merke: Verschenke nie etwas, hinter dem du nicht stehst!

Eine Frage, die sich mir immer wieder gestellt hat, ist, wer eigentlich den Eltern für die Geburt dankt? Die schweren Stunden im Kreissaal und vielleicht auch die wenige Zeit, die die Eltern durch ihre Kinder miteinander hatten, wenn sie denn nicht schon längst daran zerbrochen sind (wie viele Eltern seit der Geburt der Kinder, wie meine Frauenärztin mir neulich erklärte). Ich würde dem Leben gerne einen dicken Blumenstrauss schicken als Dank für mein Dasein. Da ich die Adresse aber nicht genau weiß, halte ich es ganz einfach und danke an meinem Geburtstag allen, die für mein Leben verantwortlich und daran beteiligt sind (egal ob gestern, heute oder morgen). Das ist das größte Geschenk auf Erden und dann doch nicht so überraschend, wie der Geburtstag selbst. Und wer mir doch eine Freude machen möchte, der kann das hiermit tun.

:-)

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Der glückliche Mönch

Mönche müssen die glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt sein. Warum? Weil sie so einfache Glücksformeln haben wie:

Beim Einatmen schenke ich meinem Körper Ruhe
Beim Ausatmen lächle ich.
Ich verweile im gegenwärtigen Moment
Und weiß, es ist ein wunderbarer Moment.

Probiert es mal aus. Es ist ganz einfach und funktioniert von selbst. :-)

Alltagswahn Gedankensolo

Heike, 45, alleinstehend

Mit leicht eingezogenem Bauch steht Heike in der Masse der allmorgendlichen Zugpendler. Sie hat, wie fast jeden Tag, keinen Sitzplatz bekommen. Sie müsste einfach nur ein bisschen früher ihre Wohnung verlassen, dann würde es auch mit der Sitzgelegenheit klappen.

Heike ist 45 und alleinstehend. Und sie legt viel Wert auf ihr Äußeres. Morgens braucht sie eine dreiviertel Stunde im Badezimmer, bevor sie ihren Arbeitsweg ins Büro antritt. Als Sekretärin in einer Baufirma arbeitet sie schon 11 Jahre. Sie kennt den Männerberuf und hat über die Jahre einige Bekanntschaften an Land gezogen. Heute ist Heike alleine. Obwohl sie sich wirklich viel Mühe gibt nett auszusehen.

Das Kleid, was Heike heute seit langer Zeit mal wieder aus dem Schrank gekramt hat, ist zwar etwas eng, aber sie mag die Farben. Und bei 16 Grad Außentemperatur ist ein knielanges Kleid für Heike kein Wagnis, sondern ein Geständnis. Obwohl es links und rechts doch die angegessenen Polster der letzten einsamen Jahre erahnen lässt. Heike hat dies zwar längst bemerkt, aber auch schon wieder verdrängt. Nur wenn keiner schaut, zupft sie heimlich an den Ecken ihres dunkelbraun gemusterten Kleides, damit sie eventuell an Figur gewinnt.

Besonders stolz ist Heike auf ihre Schuhe. Lange hat sie nach schwarzen Wildledertretern mit silberner Glitzerschnalle gesucht. Und doch gefunden. In einem kleinen Laden, wahrscheinlich geht dort niemand von ihrem Bekanntenkreis einkaufen, denn dann hätte sie die Schuhe sicher schon früher entdeckt, in einer Ecke, standen ihre Lieblinge. So bezeichnet sie die mittlerweile durchgelaufenen Treter. Sie sind flach und doch gibt der klitze kleine Keilabsatz Heike das Gefühl ein Stückchen größer zu sein.

Im Gesicht trägt Heike heute Farbe. Ein roter Liedschatten schmückt ihre mit Tränensäcken umrandeten Augen. Und ihren Mund schminkt sie schon lange etwas größer. So reicht der Lippgloss weit über ihre Oberlippe hinaus und schimmert auffällig im künstlichen Licht des Zuges. Ihr Busen ist nicht klein. Ihr Push-Up verleiht ihm aber ganz neuen Glanz. Heike ist immer mächtig stolz auf ihr Dekolté. Auch das braune Kleid betont dieses ganz wunderbar.

Eigentlich ist Heike zufrieden. Vor ein paar Jahren hatte sie übrigens eine Nasen-OP. Aber niemand hat es bemerkt, da das Ergebnis nicht so wie erwartet war. Trotzdem liebt Heike es abends raus zu gehen. Allein an der Bar wird sie oft von Männern angesprochen und zu einem Drink eingeladen. Mitgenommen hat sie schon lange keinen Typen mehr. Vielleicht macht sie es heute Abend, denn das Kleid hatte sie wirklich schon lange nicht mehr an…

Gedankensolo

Unsere Liebe, wie das verrückte Kind

Unsere Liebe ist wie das verrückte Kind,
das losrennt, um das Leben zu umarmen,
das die Hoffnung in sich trägt,
an Liebe glaubt und sie in sich trägt.
Sich Eigenheiten im Herzen behält,
das hinfällt, aufsteht und weiterläuft,
um das Leben in vollen Zügen zu genießen.
Unsere Liebe ist wie das verrückte Kind.

Alltagswahn

Quark macht stark

Von unserem Haus aus gab es einen Durchgang zum Garten. In dem kleinen Raum dazwischen stand meine Uroma täglich und machte die Wäsche und kochte fleißig in ihren großen Töpfen für die ganze Familie. Am liebsten schaute ich ihr dabei zu, wie sie die platten Flundern im heißen Fett wälzte.

Wenn ich mich an die Zeit erinnere, in der ich von meiner Uroma immer eine heiße Kartoffel mit Salz bekam, muss ich auch an mein Lieblingsgericht denken: Pellkartoffeln mit Quark und Leberwurst. Damit der Quark nicht zu dick, zu nüchtern und zu unschmackhaft war, wurde immer ein Schluck Milch dazu gegeben. Für die nötige Süße sorgte ein ordentlicher Löffel Zucker. Et voilà, so sieht der fertige Quark aus. Und er schmeckt wie zu Hause. :-)