Tag Archives: Lachen

Der Bäcker

Wie jeden Morgen gehe ich zu meinem Bäcker. Er bedient die Kunden und Kundinnen freundlich, hat immer einen Spruch auf den Lippen. Also frage ich ihn: “Du hast immer gut Laune. Wie machst du das?” Seine ernüchternde Antwort war: “Ich habe eigentlich gar keine gute Laune. Aber das bekommen nur meine Kollegen mit.” Aus der hinteren Ecke des Ladens kam nur ein ‘das stimmt’ und wir mussten alle lachen.

So wie du bin ich

Es gab mal ein Mädchen. Sie hatte eine unglaubliche Ausstrahlung. Ihre Gestik und Mimik haben mich immer verzaubert. Lange Zeit wollte ich so sein wie sie. So lachen und dabei mit den Augen so strahlen wie sie. Ihre Hände waren geschickt in Malerei und das kann ich bis heute nicht.

Ich habe lange nichts von ihr gehört oder gelesen. Was sie macht, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Immer, wenn wir uns gesehen haben, wurde es zwischen uns distanzierter. Vielleicht ist das im Leben einfach so. Ich habe ihr bis heute nicht gesagt, was ich von ihr halte oder wie ich sie sehe. Aber ich habe etwas gefunden, was sie mir hätte nie geben können oder besser, was ich hätte von ihr erwarten oder klauen können: mich. Und es fühlt sich viel besser an, als ich vermutet habe. Es ist mein Lachen mit meinem Glanz in den Augen. Meine Gestik und Mimik finde ich umwerfend. Nichts desto trotz danke, an das Mädchen, was mir gezeigt hat, wie man man selbst sein kann.

Lachen oder Weinen

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Mir fallen momentan so viele Dinge auf, die sich um mich herum abspielen.

… Da sitzt eine Frau neben mir im Zug und cremt sich während der 20 minütigen Fahrt ununterbrochen die Hände ein…

…Ein junges Mädchen, kaum älter als ich, telefoniert mit einer Freundin und erzählt ihr, dass sie jeden Tag eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit kommt und nächste Woche ersteinmal für 2 Wochen krank macht, da die Chefs eh im Urlaub sind…

…Eine junge türkische Familie sitzt sich wortlos gegenüber. Ihre kleine Tochter, schätzungsweise knapp 3 Jahre alt, streckt ihre Arme zum Sitz gegenüber aus und strahlt vor Freude, weil sie die Sitzbank mit ihren kleinen Händen erreicht. Der Vater flippt vollkommen aus, als die Kleine daraufhin ihren linken kleinen Finger in den Mund steckt. Sie sei schmutzig und man mache das nicht. Noch bevor er seine drohenden Worte ausgesprochen hat, schlägt er sie. Aus den großen Augen rollen Kullertränen. Der Vater beschimpft seine Tochter immer und immer wieder. Die Mutter kümmert das alles nicht…

…Ich rufe die Telefonnummer eines Clubs an, die unter Kontakt angegeben ist und werde für meinen Anruf blöd angefahren. Trotzdem bleibe ich nett und bekomme erneut eine dumme Ansage…

…Die Verkäuferin zockt mir das 3. mal in Folge einen Euro zu viel ab und auf meinen Hinweis ist sie mehr als angepisst…

…Ein junges Mädchen knutscht mit einem Mann, der ihr Opa sein könnte und sagt ihm, dass sie es auch ohne Gummi machen würde…

Verkehrte Welt, in der man nicht weiß, ob einem zum Lachen oder zum Weinen zu Mute ist. Und immer wieder stelle ich fest, dass ich empfänglich bin. Zumindest für solche Sachen.

Nachtgestalten

Keine 5 Meter aus dem Haus treffe ich auf 2 Polen. Sie warten auf das Doppel-Korn-Delerium, ich warte auf den Bus. Freundlich bieten Sie mir einen Schluck aus ihrer Flasche an. Mein Moped kommt und ich verabschiede mich mit meinen 3 Brocken Polnisch.

Ich kann dem süßen Geruch des Crêpe-Standes nicht widerstehen. Der freundlichen Verkäufer fragt mich gefühlte 20 mal, ob mir mein mega Nutella-Teigfladen schmeckt. Er wischt dabei gemütlich über seine Arbeitsfläche und füllt die Zuckerstreuer auf. Es ist eine Stunde vor Mitternacht und ich bewundere seine muntere Freundlichkeit. Ich kann es mir nicht verkneifen ihm zu sagen, was für eine postivie Ausstrahlung er hat. Ich glaube, er hat sich gefreut.

Gleich kommt mein Zug, aber ich ziehe noch schnell eine Zigarette durch. Der Aschenbecher wird gerade von einem sehr braun gebrannten Mann gesäubert. Er fragt mich, ob ich davon gehört habe, dass vor 2 Tagen ein 87 jähriger Mann 44.000 EUR in einer Straßenbahn in Bayern vergessen, also verloren, hat. Ich verneine, wünsche einen schönen Abend und steige in die Regionalbahn.

02032009

Neben mir sitzt ein junger Mann. Ihm läuft die Nase. Aber meine mit Nutella vollgeschmierte Serviette biete ich ihm lieber nicht an. Der Schaffner schaut seinen Fahrgästen bei der Fahrscheinkontrolle ganz offen und lieb in die Augen. Ich fühle mich wohl.

Jetzt sind es nur noch wenige Minuten und die verbringe ich mit neben einem älteren Mann im Nachtbus. Wir beobachten, wie sich ein junges Mädchen die Anti-Baby-Pille in den Mund schiebt. Wir grinsen uns an, sagen aber kein Wort. Als eine junge Türkin den Bus betritt, lauschen wir beide ihrer geheimnisvollen Sprache. Bei einigen Wörtern schmunzeln wir erneut zur gleichen Zeit.

Wie schnell doch die Zeit vergeht und wie kurz Augenblicke verweilen…

Lügenlache

In einer Vase in meinem Zimmer befindet sich eine Piratenflagge. Ich weiß nicht, wo sie herkommt, aber sie passt. Sie passt so gut zu manchen Gesprächen, wie Ketchup zur Bratwurst. ‘Wie geht es dir?’ klingt es noch immer in meinen Ohren nach. Wieso fragen Menschen das, wenn sie einem genau ansehen, wie es einem geht? Kein Interesse hinter dieser Frage war jemals ernsthaft, wenn man dem Menschen sein wie-geht-es-ihm angesehen hat. Wäre  die Frage: ‘Hey, du siehst glücklich aus, ist das so?’ nicht ehrlicher?

Es ist schon erschreckend, wie gut wir Menschen unseres Gleichen manipulieren können. Eine Aktion erzeugt immer eine Reaktion. Dessen müssten wir uns doch bewusst sein? Wenn mir also jemand scheinheilig seine weißen Zähne entgegenschleudert, warum reagieren wir dann nicht wie im Tierreich mit einer ‘Achtung-Haltung’? Zähne zeigen, ist das Lächeln oder Lachen?

Halt suchen

Wenn die Einschläge immer deutlicher werden und die Mauer daraufhin immer höher gebaut wird, dann sind wir bald alleine. Also müssen wir beobachten und abwägen, aufnehmen und reduzieren. Nicht immer leicht. Aber das hat eh niemand behauptet, als wir aus Mama’s Bauch gekrabbelt sind.

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Die Sache mit der Entscheidung

Lieber das kleine Schwarze oder das lange Rote? So stehen wir täglich vor dem Kleiderschrank des Lebens. Mit unserem Augenaufschlag öffnen wir jeden Tag die mächtigen Türen zum Leben. Und dann schwingen wir uns in die Rutsche der Entscheidungen. Ob es die Menge der Zahnpasta auf den Borsten ist oder wann wir jemandem ein Lachen schenken.

Manchmal gelangen wir an einen Punkt, wo die Sache mit den Entscheidungen viel von einem abverlangt. Lebensverändernde Entscheidungen. Sie sind so schwer wie eine Tonne Blei, das Resultat aber leicht wie eine Feder.

Wer zu lange zögert, bevor er einen Schritt macht, verbringt vielleicht sein ganzes Leben auf einem Bein.

Anthony de Mello

switch - Which way you'll turn?Manchmal stehe ich gefühlt endlos lange auf einem Bein und merke es erst, wenn ich kurz vorm Umkippen bin. Mittlerweile ist mein eines Bein so sehr angegriffen von der einseitigen Belastung, dass ich vor Schmerzen schneller zu einer Entscheidung komme. Merke: es muss also nicht erst weh tun, bevor man zu einer Entscheidung kommt. Vielleicht gelingt mir das zukünftig noch besser. :-)

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Gerhard Schöne

Es gibt Menschen, die haben sich tief in meinen Kopf gebrannt. Darunter zählt Gerhard Schöne. Während meiner Kindheit hatten wir alle Schallplatten seiner Kinderliedersammlung. Und ich habe sie immer bis tief in die Nacht verschlungen. Seine Texte klären spielerisch und durch seine bildhaften Umschreibungen einprägsam über das auf, was einem Kind im Erwachsenenleben bewusster werden wird. Darunter fallen z.B. Themen wie Krieg, Natur und Liebe. Genug geredet. Listen and repeat:

Track 1

Track 2

Track 3

Für mich wurden dank Gerhard Schöne Brücken geschaffen, die viele Kinder heute nicht kennen. Ich bin sehr dankbar für diese Lebensbereicherung, die ich auch als Erwachsener noch genieße. Und nun wünsche ich auch den DDR-Pessimisten viel Spaß beim Hören. :D