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Freunde

Ich weiß nicht, ob du das Gefühl kennst, angekommen zu sein. Es ist eine Mischung aus heimischen Wurzeln und beendeter Suche. Die beschützenden Mauern eines Hauses, die dir immer gefehlt haben. Ein Fundament für die Ewigkeit. Die Vertrautheit in Person. Der ewige Frühling.

Jedenfalls, wenn du das Leben so sehr zu schätzen und zu lieben weißt, die Sonne für dich jeden Tag ein bisschen heller scheint und die Welt sich spürbar dreht, dann heißt dein Glück Freunde.

Schwarz wird zu Weiß und Rosa strahlt in Neonpink. Jede Berührung erzeugt Kraft in dir und die gesprochenen Worte sind der Nährboden deiner Seele. Ein Bruch wird gemeinsam gekittet und einsame Zeiten zusammen beschritten. Stummes Lachen wird zu hallendem Freudenschrei und Tränen sind getrocknet, ehe sie die Welt erblicken. Der letzte Rest Brot ist ein geteiltes Festmahl und Wasser der Wein des Lebens. Geheimnisse gehütet wie im Vatikan, Geschichten verbreitet wie auf dem Marktplatz.

Angekommen am Ort, der sich Freundschaft nennt, breite dankbar deine Hände aus, denn du umarmst deine Freunde.

Sofaruhe

Auf dem Weg nach Hause bin ich glücklich den kalten U-Bahn Schacht zu erreichen. Die Tasche ist schwer und meine Schultern müde. Ich setze mich neben eine Frau im mittleren Lebensalter. Sie wirkt nervös. Ich versuche sie anzulächeln. Sie zuckt verschreckt und schaut in Windeseile weg. Sofort kramt sie ein Medikament aus ihrer Tasche. Opipramol. Ein trizyklisches Antidepressiva. Ihre Selbstgespräche werden lauter und sie schluckt hastig ein paar Pillen. Als die Bahn kommt, setze ich mich neben 2Punks. Er wirkt gelassen, sie, die gerade um die Volljährigkeit sein muss, erzählt ihm von ihrer Schwangerschaft. Muss ganz frisch sein, denn man sieht noch nix. Ein paar Jugendliche auf dem Vierer gegenüber schmeißen mit Schokoladenkeksen um sich. Mein weißes Shirt bekommt auch etwas ab. Ich werde laut, die Jungs leise. Ein paar Minuten später schmilzen die aufgehobenen Kekse in ihren Händen. Ein bisschen freue ich mich darüber. Zu Hause ist das Letzte was laut ist, das Knallen meiner Wohnungstür. Danach Ruhe. Völlige Ruhe. Auf dem Sofa sacke ich muskellos zusammen. Bis morgens bekommt mich dort niemand weg.

Daily Day

Ein langer Tag neigt sich stündlich dem Ende zu. Auf den Ohren liegt Al Stewart mit ‘The Year of the Cat’. Die Gedanken kreisen um einen schon etwas länger zurück liegenden Abend, der mich an die talentierten Hände eines Künstlers erinnert. Seine Bilder geben die Seele des Meeres wieder. Zumindest so, wie ich das Meer vor unserer Haustür kenne. Ein Beispiel:

lars-moller-meer

Ich sauge so lange ich kann die Luft um mich herum ein. Der Lautsärkepegel ist unfassbar. Das salzige und eiskalte Wasser säumt meine Füße und kitzelnd zieht der Ozean den Sand unter mir in die Ferne. Der sonst fast weiß schimmernde Sand ist durch die rauen Wellen dunkel gefärbt und wirkt fast bedrohend. Viele kleine Muscheln liegen in winzig kleine Teile zerbarsten im nassen Sand. Ihr Schicksal endet dort, wo die Reichweite der Welle endet. Die Arme des Meeres haben also eine begrenzte Reichweite. Und was ist mit den Beinen?

Mein Respekt vor dem Meer ist unbeschreiblich. Der vor der Kunst von Lars Möller übrigens auch. Wenn ich groß bin, dann kaufe ich mir das Bild. ;-)

[Bild Seestueck . 100 x 180 . Öl/ Lnw . 2006]