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Auf dem Weg der Sensibilität

Auf dem Gehweg, entlang einer langen Straße, machte sich eine Gestalt auf den Weg, die sich Sensibilität nannte. Auf ihrem Rücken trug sie einen leeren Rucksack und in der Hand einen Stock, der sie stützen sollte. Nachdem die Sensibilität nach einigen Stunden bereits viele Meter hinter sich gebracht hatte, kam ihr etwas Dunkles entgegen und bäumte sich vor ihr auf. “Stopp! Du kannst hier nicht durch”, schrie eine tiefe Stimme ihr entgegen. “Aber das ist mein Weg und ich will ihn gehen”, erwiderte die Sensibilität. “Welchen Teil von ‘du kannst hier nicht durch’ hast du nicht verstanden”, schrie die zornige Gestalt der Sensibilität entgegen. Es war die Wut, die der Sensibilität versuchte Steine in den Weg zu legen. “Ich bin die Sensibilität und dies ist mein Weg”, klang es zart aus der Sensibilität. Verwundert über die Art und Weise der Sensibilität trat die Wut einen Schritt zur Seite. “Nun gut, du kannst den Weg passieren und weiter reisen. Aber nur weil du es bist!” So nahm die Sensibilität ihren Stock in die Hand und schritt an der Wut vorbei. “Vielen Dank”, sagte die Sensibilität freundlich und ging weiter. Es vergingen weitere Stunden und die Sonne sank langsam am Horizont, als die Sensibilität auf eine weitere Gestalt traf. Sie schien unendlich groß und voller Stolz zu sein und die Sensibilität war tief beeindruckt von der Erscheinung. “Wer bist du”, fragte die Sensibilität neugierig. “Ich bin der Mut”, antwortete das unglaubliche Wesen ohne Zögern. “Ich bin so groß, weil ich mich Dinge traue und andere Dinge von mir weise. Das alles macht mich aus.” Nachdem sich beide einen langen Moment angelächelt hatten, erzählte die Sensibilität von ihrer Reise und dem Weg, den sie gehen wollte. “Ich gebe dir ein Stück Kraft als Schutz von mir mit”, sagte der Mut und strecke der Sensibilität ein Päckchen entgegen. “Ich werde dein Geschenk gut in meinem Rucksack verstauen”, antwortete die Sensibilität und beide verabschiedeten sich freundlich. In der Nacht schlief die Sensibilität unter einem Verschlag und brach schon früh am nächsten Morgen auf, um ihren Weg weiter zu begehen. Dabei bemerkte sie, dass der Stock überflüssig geworden war. Sie legte ihn behutsam zur Seite, so dass ein anderer Wanderer ihn jeder Zeit nehmen konnte, sofern er ihn brauchte. Beglückt vor Freude nun beide Hände beim Laufen frei zu haben, bekam die Sensibilität nicht mit, dass sie im Kreis gegangen war. Vor ihrer Haustür angekommen, realisierte sie ihren Weg, der sie  mit einem Stück mehr Mut im Gepäck und Begegnungen reicher gemacht und zu ihr selbst zurück gebrachte hatte. Willkommen zu Hause, liebe Sensibilität.

Flugbegleiter

“Siehst du den Berg dort hinten?”

flight“Ja. Warum?”

“Weil ich mich die ganze Zeit frage, was wohl dahinter ist.”

“Und warum willst du das wissen?”

“Wenn ich das wüsste!”

Du gehst eine Straße entlang und weißt nur was sich gerade jetzt unter deinen Schuhen befindet – Asphalt, Sand oder einfach nur Boden. Schon beim nächsten Schritt könntest du hinfallen, mitten in einem Geldregen stehen oder einer Person begegnen. Du denkst, du weißt, wohin dein nächster Schritt führt? Ist es wichtig für dich, das zu wissen? Wir sitzen im Flugzeug ohne Reiseziel und das ist auch gut so. Auch wenn die Landung nicht immer sanft ist.

Der große Schmetterling

Unendlich viele Regenbögen spiegeln sich auf seinen Flügel wider. Sobald er in die Lüfte abhebt, breiten sich die Schwingen des Schmetterlings bis über die Grenzen aller Länder hinweg aus. Noch weit entfernt spürt man den Luftzug seine Fluges. Wie ein weicher Wind streichelt er den Menschen über das Gesicht, durch das Haar und manche bekommen sogar eine Gänsehaut dabei.

g_schmetterling

Ständig ist er auf der Reise. Er rastet hier und da. Aber ruhen tut er nie. Seine Augen sehen selbst wenn sie geschlossen sind alles. Und sie sehen auch das Nichts. Darauf versucht der große Schmetterling uns aufmerksam zu machen. Seine Mühe kostet ihn nichts, aber uns sehr viel. Und nun steht ein weiterer Kampf für ihn bevor – der Kampf gegen Biene Maja.

Daily Day

Ein langer Tag neigt sich stündlich dem Ende zu. Auf den Ohren liegt Al Stewart mit ‘The Year of the Cat’. Die Gedanken kreisen um einen schon etwas länger zurück liegenden Abend, der mich an die talentierten Hände eines Künstlers erinnert. Seine Bilder geben die Seele des Meeres wieder. Zumindest so, wie ich das Meer vor unserer Haustür kenne. Ein Beispiel:

lars-moller-meer

Ich sauge so lange ich kann die Luft um mich herum ein. Der Lautsärkepegel ist unfassbar. Das salzige und eiskalte Wasser säumt meine Füße und kitzelnd zieht der Ozean den Sand unter mir in die Ferne. Der sonst fast weiß schimmernde Sand ist durch die rauen Wellen dunkel gefärbt und wirkt fast bedrohend. Viele kleine Muscheln liegen in winzig kleine Teile zerbarsten im nassen Sand. Ihr Schicksal endet dort, wo die Reichweite der Welle endet. Die Arme des Meeres haben also eine begrenzte Reichweite. Und was ist mit den Beinen?

Mein Respekt vor dem Meer ist unbeschreiblich. Der vor der Kunst von Lars Möller übrigens auch. Wenn ich groß bin, dann kaufe ich mir das Bild. ;-)

[Bild Seestueck . 100 x 180 . Öl/ Lnw . 2006]

Above the clouds

Happy sunday and a fabulous start into the week.

[Link]

Lots of LOVE to all of you.

Ein Umzug der ist lustig

Am Wochenende konnte ich trotz Umzug auch ein wenig die Sonne genießen. Die 800 km von Usedom nach Kopenhagen verkürzten wir über den Seeweg mit einer Fähre. Ich habe alles für die Nachwelt festgehalten und mit dem Windows Movie Maker noch gestern Nacht zusammengebastelt (man beachte stellenweise die Harmonie von Film und Musik). Hier also mein vergangenes Wochenende:

[Link]

Mein herzlichster Dank an dieser Stelle noch einmal an HerrnLehmann für seine starken Arme und die schönen Momente. Bruder, har de bra. :D

Menschliche Stadtbilder

Just im Moment des Aufbruches in die Innenstadt fängt es an zu regnen. Der Himmel ist in ein einheitliches Grau getüncht und verschleiert die Farben des eigentlichen Sommers. Die Luft ist kalt und fast möchte man zurück ins Bettchen kriechen und den Tag von dort aus beobachten. Ich überlege kurz den Winterpullover, der sich in meinem Koffer verirrt hat, rauszuholen. Entschließe mich dann aber dem Wetter meine Resistenz zu zeigen. Mutig kämpfe ich mich bis zur Bushaltestelle. Dabei meinen es die Bäume besonders schlecht gut mit mir und lassen ihre dicksten Tropfen auf meinen Körper tropfen.

Der Bus ist bestückt mit Gestalten, die das Wetter ertragen. Ein Mann hält einen Sack Kartoffeln fest, als würde dieser jeden Moment von allein losrennen. Etwas weiter vorne sitzt eine Frau, deren Mund eine auffällige Größe aufweist. Beim Lachen bemerkt man ihre Scham über die fehlenden Zähne. Ihr Sohn ist ein ein süßer Fratz im Kindergartenalter. An der Haltestelle steigt eine weitere Frau ein. Ihre gesundheitlichen Problem durchdringen beim Gespräch mit dem ‘Kartoffelmann’ den ganzen Bus. Ihre Alkoholfahne ebenfalls. Sie muss zur Bank, bekundet sie offen. Mit einer Plastiktüte und einer Adidassporthose bewegt sie sich zu den hinteren Sitzen.

Am Hauptbahnhof entdeckt man keine großen Spuren der Loveparade des vergangenen Wochenendes. Ein einzelner dünner dürrer Jugendlicher bewegt sich wie nicht von dieser Welt durch die Bahnhofshallen. Ich brauche Zigaretten und steuere auf das Tabakgeschäft zu. Die Frau hinter dem Tresen hat stimmlich eine gewaltige Ähnlichkeit mit Anke Engelke, alias Ricky’s Popsofa. “Ich bin neu hier, ich kann noch nicht alles” speite sie den Kunden mit krächtzender Stimme entgegen. Dabei wirkte sie unsicher.

Im Frisörladen im 2. Stock angekommen schaue ich auf einen nassen Platz draußen. Meine Beine wippen im Takt der Housemusik. Gleichzeitig huscht ein Rollstuhlfahrer mit einem Bein, sein Schwungbein, durch den Regen über den Platz. Sein eines Bein bewegt sich wie meines genau im Takt. Fast könnte man meinen, er hört die Musik.

street

Es regnet immernoch. Ich suche Schutz beim Laufen unter den Vordächern der Läden, um so halbwegs trocken zurück zum Bahnhof zu gelangen. Meinen Weg versperren mir Menschen, die trotz Schirm die selbe Idee haben. Why the funk? Eine lebensgefährliche Angelegenheit, wenn man als Schirmherr Schirmträger nicht geradeaus schauen kann will. Hauptsache die Haare liegen, liebe Schirminhaber!

Die letzte Begegnung des Tages ist ein unglaublich dicker Mann. Er stützt sich kränklich auf zwei Krücken. Viel Bewegung ist nicht im Spiel. Im Bus dann noch eine Mama mit ihrem kleinen Mädchen, die unglaublich neugierig und frei in der Weltgeschichte umherguckt.

Ich lasse das Wettergrau draußen und mache es mir am PC gemütlich. Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Hier bin ich Ich.

photo credit: JaeYong, BAE

CO4 Bomben

Ich war irgendwo im Ruhrgebiet, wahrscheinlich hier in Dortmund, und habe das Internet nach Wohnungen abgegrast. Schnell fand sich ein passendes Objekt. Ich glaube es war in Essen, aber das habe ich nicht klar sehen können. Ich machte mich mit meinem Freund auf den Weg dorthin. Wir standen am Bahnsteig und warteten auf den Zug. Die Reise selbst kam nicht in meinem Traum vor. Jedenfalls gelangten wir irgendwann an der Wohnung an. Es war ein gläsernes Objekt aus den 60iger Jahren mit sehr großen Fenster mit dunkelbraunen Rahmen. Das Gebäude sah aus wie ein Pilz – unten schmale Räume, die nach oben größer wurden. Auf jeden Fall waren es mindestens vier Stockwerke. Ringsherum war es auch ziemlich dunkel. Ich konnte groß gewachsene Tannen erkennen und viel Moos auf dem Boden. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es ein Kindergarten war. Etwas verwundert schauten wir uns beide an, da überall Spielzeuggedöns aus Plastik herum lag. Eine nette Frau um die 40 nahm uns in Empfang und zeigte uns das Haus von Innen. Die Gänge waren unendlich lang und überall war fröhliches Kindergeschrei aus den Ecken zu hören. Auf einmal klingelte das Handy meines Freunde. Faisal! Wir sollten dringend kommen, denn irgend jemand plante eine Co4 Bombe in Las Vegas im Bundesstaat Florida (!) hochgehen zu lassen. Wir sollten dem Freund meines Freundes Josh helfen, denn er schwebte in äußerster Gefahr. Wir rannten sofort zu unseren Autos, die wie aus dem Nichts auf einmal vor dem Haus standen. Mein Freund fuhr einen schwarzen Porsche Boxster und ich einen roten Ferrari. Wir jagten die Autos über einen Feld-Wald-Landweg. Ich immer vorne an. Nach unglaublichen 2 Minuten Fahrt kamen wir in Florida an. Der ganze Bundesstaat war Wüste und Hecke und hinter einer dieser Büsche versteckte sich Josh. Er winkte uns hektisch zu sich. Leise schlichen wir zu ihm, an all den Elefantenmisthaufen vorbei. Ab da schien die Welt gerettet.

Eine Reise neigt sich dem Ende zu

Der dritte Tag im Krankenhaus war angebrochen und so langsam schwand meine Ruhe in den Diskussionen mit den Ärzten. Meine Stimme wurde energischer und die Sätze kürzer. Ich drängte alle zu einer Lösung.

Als der Arzt sich tatsächlich schon um 14:30 Uhr blicken ließ, versprach der mir auf mein bestimmendes Verhalten hin, sich mit einigen Oberärzten über die Sache Dänemark-Deutschland zu unterhalten und mir spätestens am nächsten morgen eine Antwort zu präsentieren.

Somit startete der vierte Tag mit einem Arztbesuch und der Nachricht, dass das Krankenhaus in Dänemark keine Kosten in Deutschland übernehmen wird. Ich musste nun eine Entscheidung treffen…

…Ich entscheide mich für meine Gesundheit und werde meine Zelte im Dänenland abbrechen. Ich werde heute alles kündigen und mich aus diesem Land abmelden, um dann eine Krankenversicherung in Deutschland machen zu können. Freitag, den 23.05.2008, werde ich um 20:00 Uhr in Kopenhagen in ein Flugzeug nach Berlin TXL steigen und um 21:05 bereits deutschen Boden betreten.

Ein halbes Jahr lang habe ich unser Nachbarland Dänemark genossen. Die Menschen und ihre Mentalität haben mir gefallen; die Arbeit war wegen der stressfreien Bestimmungen angenehmer; das Nachtleben ist immer wieder aufregend…ein Weilchen könnte ich noch so weiter schreiben. Aber nun ist diese Reise zu Ende. Ich nehme dieses Ende an und sehe es als Chance für mich. Ich gehe guter Hoffnungen zurück nach Deutschland, vor allem weil ich wieder einen Teil über mich gelernt habe. Das Ende der Reise hier in Dänemark hat mir einiges über mich aufgezeigt – ich bin mir selbst wieder ein Stück näher gekommen. Also hat sich auch dieses Schritt in meinem Leben mehr als gelohnt. :-)

Der Weg zu sich selbst ist der härteste überhaupt. Doch man bekommt immer wieder Zeichen. Es gilt diese wahr zu nehmen und etwas daraus zu machen. Ich bin dabei und für alle, die es als Scheitern sehen: ihr könnt mich nicht mal mehr an eurem Arsch lecken… !