Tag Archives: Schlafen

Angeklagt

Mit gesunkenem Kopf stehst du vor der Masse. Ihre Blicke durchbohren dich. Du spürst jedes einzelne Auge auf deinem Körper. Wie Stecknadeln sezieren sie deine Haut. Alles nur ein böser Traum? Manchmal erwachst du und stellst zufrieden die Realität fest. Aber schon kurz darauf verfällst du wieder in deinen Dauerschlaf. Rütteln und Schütteln hilft nicht, denn mit deinen tausend Gedanken bist du festgesaugt. Vorbei an der Wirklichkeit. Hinein ins Nichts. Und dann beschwerst du dich über deine Situation? Sperrst dich selbst vom Leben aus? Schluckst den Schlüssel deines Käfigs freiwillig hinunter wie eine Leibspeise? There is nothing to complain about! Think about it! Jedenfalls ist deine Selbstanklage im Vergleich zum Weltgerichtshof verschwindend gering. Think about it!

Träumelie

Ich möchte gerne morgens aufwachen und noch Sand zwischen den Zehen haben. Und wenn ich aus dem Bett krabbele, stehen entweder meine FlipFlops bereit oder es ist nicht zu kalt barfuß durchs Haus zu laufen. An den Wänden hängen kleine Gemälde durch die seidige Vorhänge weht der Wind.

In der Küche stehen die leeren Weinflaschen der vergangenen Abende und der Hund liegt breit auf den kalten Flurfliesen. Ich pflücke frische Orangen und Oliven und vielleicht auch einen Pfirsich. Es durftet nach frischen Tee oder Kaffee. Vor dem Haus spielen Kinder im staubigen Sand und so langsam beginnt der Tag. Auch wenn es bereits weit nach Mittag ist.

Ich ziehe mich zurück und arbeite an meinem Laptop. Dazu genieße ich einen frisch gebackenen Zitronenkuchen und irgendwann kommt mein Mann und gibt mir einen verschlafenen Guten-Morgen-Kuss auf die Stirn. Wir erledigen hier und da jeder seine Dinge und am Abend gehen wir gemeinsam zu Freunden. Ein Grill-Abend am Strand steht an.

Zu Weihnachten machen wir nix, außer den Schnee vom Dach unserer kleinen Hütte fegen, weil er droht die Ziegel arg zu beschädigen. Warm eingekuschelt genießen wir die Ruhe. Draußen. Drinnen. Überall. Zum Fest muss er arbeiten und ich hüte unsere Feuerstelle. Fertig, aber glücklich, sinken wir tief in den Schlaf.

 

Sofaruhe

Auf dem Weg nach Hause bin ich glücklich den kalten U-Bahn Schacht zu erreichen. Die Tasche ist schwer und meine Schultern müde. Ich setze mich neben eine Frau im mittleren Lebensalter. Sie wirkt nervös. Ich versuche sie anzulächeln. Sie zuckt verschreckt und schaut in Windeseile weg. Sofort kramt sie ein Medikament aus ihrer Tasche. Opipramol. Ein trizyklisches Antidepressiva. Ihre Selbstgespräche werden lauter und sie schluckt hastig ein paar Pillen. Als die Bahn kommt, setze ich mich neben 2Punks. Er wirkt gelassen, sie, die gerade um die Volljährigkeit sein muss, erzählt ihm von ihrer Schwangerschaft. Muss ganz frisch sein, denn man sieht noch nix. Ein paar Jugendliche auf dem Vierer gegenüber schmeißen mit Schokoladenkeksen um sich. Mein weißes Shirt bekommt auch etwas ab. Ich werde laut, die Jungs leise. Ein paar Minuten später schmilzen die aufgehobenen Kekse in ihren Händen. Ein bisschen freue ich mich darüber. Zu Hause ist das Letzte was laut ist, das Knallen meiner Wohnungstür. Danach Ruhe. Völlige Ruhe. Auf dem Sofa sacke ich muskellos zusammen. Bis morgens bekommt mich dort niemand weg.

Wo ist der Ausgang?

Stell dir vor, deine Birne rattert bereits, während du denkst, du schläfst noch. Am Morgen dreht sich alles, wie nach exzessivem Alkoholkonsum. Völlig fertig schleppst du dich aus dem Bett ins Badezimmer und versuchst Pipi zu machen, während sich die kalte Klobrille wie ein Haufen Nadeln in deinen Arsch bohrt.

Horn Road - Marian House 56

Während du den Laptopdeckel hochklappst, schwirren die tausende von unerledigten Aufgaben durch die unzähligen Windungen deines Gehirns. Langsam tastest du das ‘wörld weit wäb’™ nach Lösungen ab. Dabei vergisst du schon wieder, was du eigentlich tun wolltest und landest mehr oder weniger freiwillig bei den Bespaßungsseiten.

Aus deinem Trott kann dich nur die leere Schachtel Zigaretten reißen. Und so gehst du im strömenden Regen Richtung Zigarettenautomat, um festzustellen, dass er deine EC Karte eh nicht haben will.

Zu Hause angekommen scheinen die eben noch greifbaren Aufgaben nun vollkommen auf einem anderen Kontinent zu sein. Nichts geht mehr und du gehst auch. Und zwar ins Bett.

Montage sind echt scheiße.

Creative Commons License photo credit: MorrowLess

CO4 Bomben

Ich war irgendwo im Ruhrgebiet, wahrscheinlich hier in Dortmund, und habe das Internet nach Wohnungen abgegrast. Schnell fand sich ein passendes Objekt. Ich glaube es war in Essen, aber das habe ich nicht klar sehen können. Ich machte mich mit meinem Freund auf den Weg dorthin. Wir standen am Bahnsteig und warteten auf den Zug. Die Reise selbst kam nicht in meinem Traum vor. Jedenfalls gelangten wir irgendwann an der Wohnung an. Es war ein gläsernes Objekt aus den 60iger Jahren mit sehr großen Fenster mit dunkelbraunen Rahmen. Das Gebäude sah aus wie ein Pilz – unten schmale Räume, die nach oben größer wurden. Auf jeden Fall waren es mindestens vier Stockwerke. Ringsherum war es auch ziemlich dunkel. Ich konnte groß gewachsene Tannen erkennen und viel Moos auf dem Boden. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es ein Kindergarten war. Etwas verwundert schauten wir uns beide an, da überall Spielzeuggedöns aus Plastik herum lag. Eine nette Frau um die 40 nahm uns in Empfang und zeigte uns das Haus von Innen. Die Gänge waren unendlich lang und überall war fröhliches Kindergeschrei aus den Ecken zu hören. Auf einmal klingelte das Handy meines Freunde. Faisal! Wir sollten dringend kommen, denn irgend jemand plante eine Co4 Bombe in Las Vegas im Bundesstaat Florida (!) hochgehen zu lassen. Wir sollten dem Freund meines Freundes Josh helfen, denn er schwebte in äußerster Gefahr. Wir rannten sofort zu unseren Autos, die wie aus dem Nichts auf einmal vor dem Haus standen. Mein Freund fuhr einen schwarzen Porsche Boxster und ich einen roten Ferrari. Wir jagten die Autos über einen Feld-Wald-Landweg. Ich immer vorne an. Nach unglaublichen 2 Minuten Fahrt kamen wir in Florida an. Der ganze Bundesstaat war Wüste und Hecke und hinter einer dieser Büsche versteckte sich Josh. Er winkte uns hektisch zu sich. Leise schlichen wir zu ihm, an all den Elefantenmisthaufen vorbei. Ab da schien die Welt gerettet.