Bestimmte Erfahrungen machen uns zu den Menschen, die wir letztendlich sind. Wer jetzt gleich an den ersten Nahkampf mit dem Geliebten der Ex-Ehefrau denkt, der sollte seinen Horizont auch in die andere, die freundlichere Richtung, lenken. Vielleicht hat uns das erste Schokoladeneis so sehr geprägt, dass wir an keiner Süßigkeit mehr vorbei gehen können? Für die Figur sicher nicht die wünschenswerteste Erfahrung, aber ebenso eine, wie all die anderen Dinge, die täglich auf uns einströmen. (Ich habe übrigens die gegensätzliche Erfahrung mit Kürbissen gemacht: Ich finde Kürbisse klasse, solange sie meinen Magen nicht berühren.)
Die Tatsache, dass aus bestimmten Erfahrungen bestimmte Reaktionen resultieren, macht mich nachdenklich. Es geht im Speziellen um die Mauer, die jeder für sich selbst bauen und einreißen kann… (Blöder Spruch: Will-Nicht wohnt in der Kann-Nicht-Straße.)
Es war gar nicht so einfach die schweren Steine aufeinander zu stellen. Stück für Stück. Blut und Schweiß und was ist der Preis? Das Abrissunternehmen ist pleite und nun steht sie da, die Mauer. Manchmal schaut sie mich an. In den gewissen Momenten. Dann kommt sie mir noch höher vor, als ich sie eigentlich gebaut hatte. Und dann frage ich mich, ob unser kindliches Verhalten schon ganz früh gezeigt hat, dass wir dazu in der Lage sind eine solche Mauer zu bauen. Nehmen wir das Kind als Beispiel, was seinen Willen nicht bekommt und dann stundenlang, wahlweise auch tagelang, die beleidigte Leberwurst gegenüber den Eltern spielt. Vielleicht bauen wir als Kinder schon Probemauern, die sich in dem Alter aber noch einreißen lassen. Ähnlich wie eine Burg aus feinem Sandstrand. 

Statt Bagger und Sprengstoff greife ich heute lieber zu Achtsamkeit und Beobachtung. Noch ist die Mauer da.

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