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Lebensresume

Ich fasse mal kurz zusammen:

   4 Jahre Grundschule
+ 9 Jahre Gymnasium
+ 3 Jahre Universität
+ 1 Jahr Privatschule

= 17 Jahre Schulbank

Summa summarum heißt das, dass ich von meinen 27 Jahren auf dieser Erde 17 mit Lernen verbracht habe, 6 meiner Kindheit gehören, 1 Jahr auf das Auslandskonto geht und die übrigen 3 Jahr unter sonstigem Blödsinnsquatsch verbucht werden. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber diese Rechnung finde ich krass. Wie sieht es denn bei euch aus?

Das Gute am Hosenboden

Eigentlich wollte sie in der ersten Reihe sitzen zum Schulanfang. Es wurde dann doch die zweite Reihe. Gespannt wie ein Flitzebogen fieberte sie dem neuen Lehrer entgegen. Ist es ein Mann oder eine Frau? Aus dem Business oder ganz neu in der Materie? Erste Begeisterung machte sich breit, als eine zierliche Frau zur Tür hinein trat. Schon bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass Menschen völliger unterschiedlicher Richtungen und Interessen aufeinander trafen. Die Sache schien vielversprechend und spannend zu werden. Wie ein Schwamm sog sie den ersten Austausch auf. Bei den darauf folgenden Aufgaben war sie zwar nervös, aber dennoch zuversichtlich. Und sie fühlte sich gut. So gut, wie sie sich schon lange nicht mehr fühlte, wenn es ums Lernen ging. Zuletzt völlig verzweifelt in ihrem Studium, schien die Ausbildung jetzt genau das Richtige zu sein. Endlich etwas, was sie erfüllte. Endlich etwas, was ihr Spaß bereitete. Natürlich ging auch hier nichts ohne Fleiß. Aber der Schweiß hier war ein völlig anderer, als der während der drei Universitätsjahre. Gelassener, spannender und auch selbstsicherer. Vielleicht die Aufgabe ihres jungen Lebens. Und dafür lohnt es sich einmal kräftig auf den Hosenboden zu setzen.

Schöne Schulzeit

Der Blick aufs Konto lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Nicht immer, aber oft. Der Gedanke an Shopping ist nicht drin und mein Auto müsste auch mal wieder gepflegt werden. Morgens am Bäcker gehe ich an den teuren, aber durchaus leckeren, Brötchen vorbei und muss mich arg zusammenreißen. Die Zeitung später fällt auch flach. Habe ich die Miete schon bezahlt? Scheiße, und dann noch das Finanzamt. Warum kommt eigentlich immer alles auf einmal? Ich sollte weniger rauchen, denn das Geld liegt hier nun wirklich nicht umher. Aldi sagt Danke für Ihren Einkauf und ich sage ekelhaftes Zeug ihr da habt. Nichts ist, wie es mal war.

Während meiner Schulzeit hatte ich solche Gedanken nicht. Nie.

Extraweg

Der Nikolaus namens Mama sorgte für eine kleine Überraschung am heutigen Tage. Zu einer mir ziemlich unwillkommenen Zeit klingelte der Postbote und übergab mir die schöne Sendung. Darin enthalten war unter anderem ein liebevoller Brief. Geschrieben mit Füllfederhalter in lila Tinte. Moment, dachte ich mir. Wo ist eigentlich mein defekter Füllfederhalter? Kurzer Hand reanimierte ich ihn und damit auch ein paar Erinnerungen: Während meiner Schulzeit schrieb er z.B. nicht immer Einser. Was nicht schlimm war. Viel nerviger war die Suche nach Patronen. In einem 3000-Seelen-Dorf auf einer Insel, weit ab von jeglicher Zivilisation, gab es keinen Schreibwarenladen mehr nach … ich versuche mich zu entsinnen … 1995?! Bis heute mag ich keine Kugelschreiber und bis heute muss ich immer einen Extraweg einlegen, um Patronen für meinen heiß geliebten Füller zu bekommen. Aber manchmal lohnt sich der Weg, wenn man das Ziel fest vor Augen hat. :-)

[Ich bin übrigens blutiger (im wahrsten Sinne des Wortes) Photoshop Anfänger!!!]

Außenseiter

Manchmal frage ich mich, ob wir so geboren werden, wie wir jetzt sind. Ist etwas an dem ‘das ist meine Bestimmung’? Und wenn ja, ab wann beginnt die Bestimmung eines jeden Einzelnen von uns? Ein alter Mann kämpft unter seiner Brücke auf Leben und Tod gegen die Kälte, war das schon im Mutterleib vorherbestimmt? Barack Obama ist Präsidentschaftskanditat der Vereinigten Staaten von Amerika, war das immer seine Bestimmung?

Finally, the last one

Ich selbst war einmal Kind und kann mich noch sehr gut an die Dinge erinnern, die da abliefen.(1) Ich war eine sehr gute Schülerin, eigentlich immer die Klassenbeste. Nach der Schule traf ich mich gern mit ein paar Mädels um zu Spielen. Wir waren Prinzessinnen, Puppenmuttis und Lehrerinnen. Unser Haus war stets für alle Gäste offen, ebenso meine Familie. Ich erkannte frühzeitig, dass Menschen unterschiedlich sind. Darüber machte ich mir schon als kleines Mädchen viele Gedanken. Ich erinner mich noch gut an meinen 4. Geburtstag, wo ich so gar keinen verstanden habe. Dabei waren alle Geburtstagsgäste vertraute Menschen. Ich interessierte mich plötzlich für die Muster auf unserem Geschirr und fragte mich, wer das wohl gemalt hätte und wer sich soetwas Schönes ausdenkt. Als ich meine Gedanken frei äußerte, schauten mich alle merkwürdig an und die Bemerkung ‘du bist aber komisch’ ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Und ich kann euch versichern, dass das bei Weitem die einfachsten Gedanken in meinem Kopf waren/ sind! Da ich bis heute die selben Denkmuster aufweise, frage ich mich, ob etwas mit der Muttermilch die ich bekam nicht stimmte oder ob Gott mich so vorgesehen hat für diese Welt?

Heute weiß ich, dass diese Art zu mir gehört und mich ausmacht. Verstehen und akzeptieren tun sie nur die Menschen, die mich so annehmen, wie ich bin. Von der ‘allgemeinen Gesellschaft’ wird man ziemlich schnell aussortiert als ‘sonderbar’ oder ‘komisch’. Hier frage ich mich, wer überhaupt darüber entscheidet, was ‘Normal’ ist und was nicht. Und was macht einen ‘Außenseiter’ aus? Wenn ich mich dagegen entscheide mich in dem ‘Rad der Welt’ mitzudrehen, warum wird das nicht einfach angenommen? Lassen wir uns von Geld und Macht soweit manipulieren, dass nicht mehr der Mensch ansich zählt, sondern nur seine Fähigkeit zur Manipulationsbereitschaft honoriert wird?

Die Basis, die man zur Entstehung eines Menschen benötigt, ist Liebe. Wenn zwei Menschen in diesem Moment ein neues Lebenwesen zeugen, dann ist da nur Liebe und nichts als Liebe. Entlässt man diesen Menschen in die Welt, kann es passieren, dass die Liebe wie ein Tropfen Wasser im trockenen Erdboden versickert. Es entwickeln sich stattdessen Abwehrmechanismen, Zwänge und Ängste bahnen sich ihren Weg. Etwas zum Füllen der Lücke findet sich immer.

Meine Defizite kann ich seit knapp einem Jahr ausfindig machen und weiß sie auch zu kompensieren – mit Liebe! Wenn ich einmal keine Antworten auf meine Fragen finde, dann weiß ich, dass die Liebe immer da ist, in mir. Sich darauf zu besinnen, lässt mich zu meinem Weg zurück finden. Der Weg der Liebe!

Creative Commons License photo credit: footloosiety

  1. Wahrscheinlich, weil es bei mir noch nicht so lange her ist (back)