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Träumelie

Ich möchte gerne morgens aufwachen und noch Sand zwischen den Zehen haben. Und wenn ich aus dem Bett krabbele, stehen entweder meine FlipFlops bereit oder es ist nicht zu kalt barfuß durchs Haus zu laufen. An den Wänden hängen kleine Gemälde durch die seidige Vorhänge weht der Wind.

In der Küche stehen die leeren Weinflaschen der vergangenen Abende und der Hund liegt breit auf den kalten Flurfliesen. Ich pflücke frische Orangen und Oliven und vielleicht auch einen Pfirsich. Es durftet nach frischen Tee oder Kaffee. Vor dem Haus spielen Kinder im staubigen Sand und so langsam beginnt der Tag. Auch wenn es bereits weit nach Mittag ist.

Ich ziehe mich zurück und arbeite an meinem Laptop. Dazu genieße ich einen frisch gebackenen Zitronenkuchen und irgendwann kommt mein Mann und gibt mir einen verschlafenen Guten-Morgen-Kuss auf die Stirn. Wir erledigen hier und da jeder seine Dinge und am Abend gehen wir gemeinsam zu Freunden. Ein Grill-Abend am Strand steht an.

Zu Weihnachten machen wir nix, außer den Schnee vom Dach unserer kleinen Hütte fegen, weil er droht die Ziegel arg zu beschädigen. Warm eingekuschelt genießen wir die Ruhe. Draußen. Drinnen. Überall. Zum Fest muss er arbeiten und ich hüte unsere Feuerstelle. Fertig, aber glücklich, sinken wir tief in den Schlaf.

 

Gerhard Schöne

Es gibt Menschen, die haben sich tief in meinen Kopf gebrannt. Darunter zählt Gerhard Schöne. Während meiner Kindheit hatten wir alle Schallplatten seiner Kinderliedersammlung. Und ich habe sie immer bis tief in die Nacht verschlungen. Seine Texte klären spielerisch und durch seine bildhaften Umschreibungen einprägsam über das auf, was einem Kind im Erwachsenenleben bewusster werden wird. Darunter fallen z.B. Themen wie Krieg, Natur und Liebe. Genug geredet. Listen and repeat:

Track 1

Track 2

Track 3

Für mich wurden dank Gerhard Schöne Brücken geschaffen, die viele Kinder heute nicht kennen. Ich bin sehr dankbar für diese Lebensbereicherung, die ich auch als Erwachsener noch genieße. Und nun wünsche ich auch den DDR-Pessimisten viel Spaß beim Hören. :D

Bis zur Frau

In unserem Haus auf der Insel Usedom war immer genügend Platz sich zu entfalten. Als kleines Mädchen liebte ich Barbies und Polly Pocket. Stundenlang beschäftigte ich mich mit den minimalistischen Plastikfiguren. Zu Weihnachten bekam ich einmal eine heiß ersehnte ‘Negerpuppe’(1) geschenkt, die dann zwei Wochen später auf meinem Kleiderschrank neben unzähligen anderen Plüschtieren verendete. Während meine Körpergröße die 120 m nicht überschritt, schlief ich in einem selbstgebauten Hochbett. Meine Geheimecke darunter war mein Paradies, und zwar nur meins! Die Spielzeugkiste und mein Schaumstoffreithahn Friedolin waren immer dabei. Später wurden hinter den grünen Vorhängen dann Doktorspiele veranstaltet, aber dazu an dieser Stelle nicht mehr. Desto älter ich wurde, desto mehr Aufkleber schmückten mein hochglanzlackiertes Bett. Zur Freude meines handwerklich begabten Vaters, auch Bettbauer genannt. Die Leiter war mittlereile überflüssig und überhaupt luscherte ich viel lieber durch das Schlüsselloch der Zimmertür meines Bruders. Der hat vielleicht komische Geräusche mit seiner Freundin veranstaltet, kann ich euch sagen! Nach unzähligen Prinzessinnenspielen und Mutter-Vater-Kind(2) kam meine christliche Phase. Ich ging mit 12 jeden Sonntag freiwillig in die Kirche und zwängte meiner Familie Tischgebete auf. Kurz danach ging ich dann zu den HipHoppern über. Wenn ich heute Fotos von damals sehe, dann denke ich, dass ich mehr männliche Hormone als Arnold Schwarzenegger in mir trug. Abgewechselt wurde diese Phase durch die TechnoTante. Schlaghosen aus komischem Glänzstoff und Buffallos mit den unmöglichsten Plateausohlen. Aber die Musik war gut zu der Zeit. Die Musik ist bis heute geblieben, aber mein Stil lässt sich heute nicht mehr definieren, da er von klassischer Biederfrau, über exotische HighHeelsLady bis hin zur sportlichen Sexbombe variiert. Aber ich bin immernoch ich. Und nackt sind wir eh alle gleich. :-)

  1. Das Wort soll nicht verachtend klingen. Ich habe die Puppe schon als Kind so genannt. (back)
  2. Ich habe dieses Spiel nie gemocht. (back)