Tag Archives: Tod

Buchtipp: Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

Ich möchte noch einmal ausführlich über meine neueste Bucherrungenschaft berichten. Es handelt sich um ein kleines, gebundenes Goldsstück von 193 Seiten. Der Name: “Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna”. Der Autor heißt schlicht und einfach Fynn und hat dieses zauberhafte Meisterwerk 1974 in Englisch geschrieben. Der Bestseller ist mittlerweile in vielen Sprachen erhältlich (natürlich auch auf Deutsch).

Die Geschichte handelt von einem 5-jährigen Mädchen, das vor der Gewalt in ihrem zu Hause flieht und in die Arme von Fynn läuft. Dieser nimmt sie mit seinen 19 Jahren bei sich, seiner Mutter und seinen Geschwistern zu Hause auf. Fortan verändert sich sein Leben derart, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Und zwar zum Positiven. Denn die kleine Anna scheint in ihrer Art und mit ihrer Denkweise ein kleiner Engel zu sein. Anna denkt über alles und jeden nach und bezieht sich dabei in ihrer wundervoll kindlichen Art immer wieder auf ihren Glauben an Gott. Mister Gott halt. Das Buch nimmt leider kein Happy End, denn die kleine Anna stirbt bei einem Unfall. Doch selbst der Tod ist für sie nichts Schlimmes, denn: “Tod sein ist Ausruhen. Da kannst du zurückschauen und alles in Ordnung bringen, bevor zu weitergehst.” (Keine Angst, dieses Buch ist nicht für religiöse Menschen, sondern für alle gedacht.)

Übrigens: Darauf gestoßen bin ich am Duisburger Hauptbahnhof, als ich mir die Wartezeit auf meinen Schulexpress nach Köln in der Buchhandlung Grauert vertrieb. Das Regal gegenüber der Kasse zog mich quasi magisch an mit seinen kleinen Schätzen. Als nächstes habe ich mir schon diesen hier bestellt.

Falls ihr mögt, die Fischer TaschenBibliothek hat so einige Entdeckungen auf Lager! :-)

Manches vergeht nie

Gummi zersetzt sich nie und überdauert Menschenleben. Manch andere Dinge überdauern ebenfalls Menschenleben. So ist das auch mit Erinnerungen.

Ich sehe die Anrichte mit dem klobigen Küchenradio immer noch  genau vor mir. In der Sitzecke davor gab es zum Frühstück immer Kuchen. Schokoladenkuchen. Oder die aufgebackenen Brötchen wurden mit selbstgemachter Erdbeermarmelade bestrichen, so schmeckten auch die verbrannten Stellen ganz gut. ;-)

War das ein Boiler über der Spühle? Jedenfalls waren später unzählige Töpfe hinter der Eckdrehtür der neuen Küche verstaut. An der Wand ein Kalender mit Terminen und Geburtstagen, ein Ding wo immer Streichhölzer drin waren und noch sowas aus Plastik. Glaube ich. Vielleicht vergehen Erinnerungen doch. Dann sind sie wohl doch nicht wie Gummi.

photo: Lonko

Geister unserer Phantasie

Click to play

Rettung

In mir schlummern die vergangenen Erlebnisse. Sie kommen unaufhörlich hoch und lassen mich vor Angst innerlich zittern. Sie sind mein ständiger Begleiter und es ist mühsam noch mehr Seelen neben meiner zu füttern. Unaufhörlich dürsten und hungern sie nach mehr und immer mehr. Ihre Kehlen sind wie riesige Kelche, die in einen nicht aufhörenden Schlund hinunter führen. Jeder Funken Nahrung wird von ätzender Säure begleitet. Sie frisst sich unaufhörlich tiefer in meine Eingweide. Die Schmerzen sind unerträglich.

Wenn das Leben ist, was ist dann Leiden? Der momentane Zustand ist lebendiges Leiden. Wann erlange ich das Leben wieder? Dazu braucht es keine Zeit!

Wenn du kurz vor dem Ersticken bist, dann hast du 2 Möglichkeiten: zieh dir die Tüte vom Kopf oder lass sie drauf! Ich habe den riesigen Plastiksack satt. Ich bin es leid! Wenn man sich einmal an die Tüte gewöhnt hat … dann bekommt man sie trotzdem entfernt.

have a nice day

So ziehe ich behutsam und bei vollem Bewusstsein den grauen Schleier beiseite und schaue auf die Welt – eine neue Welt. Die Farben springen mir entgegen und ein frischer Wind weht mir um die Nase. Und ich atme – ohne an der Plastiktüte zu ersticken und füttere ab jetzt nur noch meine Seele.

Frieden? Frieden!

Creative Commons License photo credit: loop_oh

Vogelfrei

Es war einmal ein Vogel. Er besaß ein Paar vollkommener Flügel und glänzende, bunte, wunderbare Federn und war dazu geschaffen, frei am Himmel zu fliegen, denen zur Freude, die ihn sahen.
Eines Tages sah eine Frau diesen Vogel und verliebte sich in ihn. Sie schaute mit vor Staunen offenem Mund seinem Flug zu, ihr Herz schlug schneller, ihre Augen leuchteten vor Aufregung. Er bat sie, ihn zu begleiten, und beide schwebten in vollkommener Harmonie am Himmel. Und sie bewunderte, verehrte, feierte den Vogel.
Aber dann dachte sie: Vielleicht möchte er ferne Gebirge kennenlernen! Und die Frau bekam Angst. Fürchtete, dass sie so etwas mit einem anderen Vogel nie wieder erleben könnte. Und sie wurde neidisch auf den Vogel, der aus eigener Kraft fliegen konnte.
Und sie fühlte sich allein.
Und dachte: ‘Ich werde dem Vogel eine Falle stellen. Wenn er zurückkommt, wird er nie wieder wegfliegen können.’
Der Vogel, der auch verliebt war, kam am nächsten Tag zurück, ging in die Falle und wurde in einen Käfig gesteckt.
Die Frau schaute täglich nach dem Vogel. Er war ihre ganze Leidenschaft, und sie zeigte ihn ihren Freundinnen, die meinten: ‘Du hast vielleicht ein Glück.’ Dennoch vollzog sich eine merkwürdige Veränderung: Seit sie den Vogel besaß und ihn nicht mehr zu erobern brauchte, begann sie das Interesse an ihm zu verlieren. Der Vogel, der nicht mehr fliegen konnte, was den Sinn seines Lebens ausmachte, wurde schwach, glanzlos, hässlich. Die Frau beachtete ihn nicht mehr, fütterte ihn nur noch und reinigte seinen Käfig.
Eines Tages starb der Vogel. Die Frau war tieftraurig und konnte ihn nicht vergessen. Aber sie erinnerte sich dabei nicht an den Käfig, nur an den Tag, an dem sie den Vogel zum ersten Mal gesehen hatte, wie er fröhlich zwischen den Wolken dahinflog.
Hätte sie genauer in sich hineingeschaut, so hätte sie bemerkt, dass dass, was sie am Vogel so sehr begehrte, seine Freiheit war, sein kräftiger Flügelschlag, nicht sein Körper.
Ohne den Vogel verlor auch für die Frau das Leben seinen Sinn, und der Tod klopfte an ihre Tür. – ‘Wozu bist du gekommen?’ fragte sie den Tod. – ‘Damit du wieder mit dem Vogel zusammen am Himmel fliegen kannst’, gab der Tod zur Antwort. ‘Wenn du ihn hättest fliegen und immer wiederkommen lassen, hättest du ihn geliebt und noch mehr bewundert; aber nun brauchst du mich, um ihn wiederzusehen.’

Aus dem Buch ‘Elf Minuten’ von Paulo Coelho. (Seite 228-229)

twin birds

Diese Stelle des Buches ist stets präsent in mir, aber leider mal mehr und mal weniger bewusst. Die bildhaften Worte beschreiben die Realität so zutreffend. Aber zu selten ist man sich über die Realität im Klaren.

Creative Commons License photo credit: vinay_143

Geistiger Erguss

Sarkophag

Zu fortgeschrittener Stunde und mit unzähligen Ermüdungserscheinungen, gab ich folgenden geistigen Erguss von mir:

Das Geschäft mit dem Tod wird immer funktionieren. Tote sterben ja nie aus.

Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen. Meine Inspirationsquelle war übrigens dieses Thema hier.

Creative Commons License photo credit: strobetec