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Sofaruhe

Auf dem Weg nach Hause bin ich glücklich den kalten U-Bahn Schacht zu erreichen. Die Tasche ist schwer und meine Schultern müde. Ich setze mich neben eine Frau im mittleren Lebensalter. Sie wirkt nervös. Ich versuche sie anzulächeln. Sie zuckt verschreckt und schaut in Windeseile weg. Sofort kramt sie ein Medikament aus ihrer Tasche. Opipramol. Ein trizyklisches Antidepressiva. Ihre Selbstgespräche werden lauter und sie schluckt hastig ein paar Pillen. Als die Bahn kommt, setze ich mich neben 2Punks. Er wirkt gelassen, sie, die gerade um die Volljährigkeit sein muss, erzählt ihm von ihrer Schwangerschaft. Muss ganz frisch sein, denn man sieht noch nix. Ein paar Jugendliche auf dem Vierer gegenüber schmeißen mit Schokoladenkeksen um sich. Mein weißes Shirt bekommt auch etwas ab. Ich werde laut, die Jungs leise. Ein paar Minuten später schmilzen die aufgehobenen Kekse in ihren Händen. Ein bisschen freue ich mich darüber. Zu Hause ist das Letzte was laut ist, das Knallen meiner Wohnungstür. Danach Ruhe. Völlige Ruhe. Auf dem Sofa sacke ich muskellos zusammen. Bis morgens bekommt mich dort niemand weg.

Eine schöne Werbung

Ihr sitzt nach einem harten und anstrengenden Tag gemütlich auf dem Sofa. Die Kerzen flackern still vor sich hin und euer Glas Wein schmeckt nach frisch gepressten Trauben. Ein schöner Film macht euren Abend komplett. Aber plötzlich werdet ihr wütend. Ihr könntet die Couchkissen zerreißen und euer Glas dem Boden gleich machen. Was euch so aufregt? Werbung! Gerade noch ward ihr mit Leonardo DiCaprio am Strand oder mit George Clooney im Casino. Und plötzlich klebt ihr zwischen Milchschnitten, Waschpulver und schleimigen Versicherungsvertretern. Vollkommen entrissen, dem schönen Traum, der einzigartigen Flucht. Dieses laute und bunte Werben von unnützen Dingen ist wie ein Schlag mitten in mein Gehirn. Und wie ihr merkt, macht es mich überhaupt nicht aggressiv. Da lobe ich mir die wenigen, ruhigen Werbepausen, der Sinn sei mal dahingestellt, die tatsächlich auch auf den Hausfrauenkanälen laufen:

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Oder was meint ihr? Bezogen auf den Spot, nicht auf Werbung allgemein, denn auf die kann man ich verzichten!

Den Originaltrack von Sophie Hunger ‘Walzer für Niemand’ gibt es hier.

Kausalitätsarbeit

Chair

Da habe ich sie nun, die Ursache und ihre Wirkung. Wie sagen ganz schlaue Leute immer: ‘Wer das Eine will, muss das Andere mögen.’ Seit Tagen bewege ich mich im Radius zwischen meinem Bett, dem Kühlschrank und dem Arbeitstisch. Ab und zu natürlich auch auf die Toilette. Aber das ist langsam auch kein Highlight mehr. Dabei scheint es ununterbrochen dunkel da draußen zu sein. Hängt wohl an der dauerhaft eingeschalteten Provisoriumslampe an der Decke. Warum macht Licht in der Wohnung die Außenwelt eigentlich dunkler? Genug schräge Gedanken geäußert. Ich widme mich dann mal wieder der Wirkung, deren Ursache ich immernoch toll finde. Bitte nicht heulen, weil es hier wegen der Selbstständigkeit momentan so ruhig hier ist.

Creative Commons License photo credit: Sholeh Prochello